Diversifikation: Nicht alle Eier in den gleichen Korb

Im letzten Artikel hast du über das Magische Dreieck und die sich gegenseitig beeinflussbaren Anlageziele Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit erfahren. Wir wollen nun das Anlagethema weiter vertiefen. Wie du dank einer intelligenten Streuung oder eben Diversifikation ein optimales Rendite-Risikoverhältnis bei deiner Geldanlage erreichen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

1 Der Versuchung von Stock-Picking widerstehen

Zugegeben: Einfach ist es nicht, dem vermeintlich sicheren Aktientipp mit rosigen Gewinnaussichten aus dem vertrauten Bekanntenkreis zu widerstehen. Nötig ist es aber allemal!

Investierst du nämlich in einen Einzeltitel, so sind substanzielle Kursverluste ohne Aussichten auf eine nachhaltige Erholung ein leider allzu realistisches Szenario.

Die Jagd nach Einzeltiteln, auch Stock-Picking genannt, kann  gründlich nach hinten losgehen.

Und zwar sind davon längst nicht nur exotische Titel betroffen, sondern ebenso bekannte und etablierte CH-Brands, wie der unten stehende Chart der Zürich Versicherung deutlich zeigt.

Abbildung 1: Aktien-Flop Zürich Versicherung: über 72% Wertverlust seit Januar 1999!

Die beiden Platzhirsche im heimischen Bankensektor UBS und CS weisen übrigens ähnlich desaströse Kursverläufe auf.

Aber es könnte für dich noch dicker kommen. Beim Worst Case Szenario “Konkurs” stehst du nämlich buchstäblich mit leeren Händen da: Totalverlust!

Die Jagd nach Einzeltiteln, auch Stock-Picking genannt, kann also gründlich nach hinten losgehen. Sehen wir uns also nach einer besseren Alternative um.

2 Diversifikation ist die Lösung!

Und damit sind wir bei der sogenannten Modernen Portfoliotheorie nach Harry Markowitz angelangt. Für seine bahnbrechende Doktorarbeit hat er im Jahr 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten.

Markowitz führte erstmals einen theoretischen Nachweis über die positive Auswirkung von Diversifikation auf Risiko und Rendite eines Gesamtportfolios.

Kern seiner Theorie ist die Unterscheidung zwischen systematischem und unsystematischem Risiko.

Dem systematischen Risiko (d.h. Marktrisiken wie Zinsanstiege, Rezessionen, politische Instabilitäten) sind alle Wertpapiere am Markt unterworfen, es kann somit nicht diversifiziert werden und ist das Risiko des Anlegens selbst.

Das unternehmensspezifische Risiko lässt sich durch Diversifikation verringern.

Das unsystematische Risiko hingegen ist das unternehmensspezifische Risiko (z.B. Managementfehler wie beim Abgasskandal von VW). Dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation, also mit steigender Anzahl an verschiedenen Wertpapieren, verringern.

Die stärksten Effekte erreicht du, wenn du unterschiedliche Aktien mit möglichst tiefer Korrelation bzw. mit einem möglichst tiefen Korrelationskoeffizienten vermischt. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von  +1 (gleiche Entwicklung) über 0 (unabhängige Entwicklung) bis -1 (gegenläufige Entwicklung).

Wer die zugrunde liegende Formel nachvollziehen und so nochmals an die gute alte Schulzeit erinnert werden möchte, empfehlen wir dieses, nicht von uns produzierte Erklärvideo.

Jene, welche es weniger theoretisch mögen, empfehlen wir dieses, ebenfalls nicht von uns produzierte Erklärvideo. Darin wird der positive Effekt beim Kauf zweier fiktiver Aktien (Sonnenschirm- und Regenschirmfirma), deren Kurs sich genau gegenteilig entwickelt (d.h. Korrelationskoeffizent von -1), verständlich illustriert.

Anmerkung: Realistischer sind Korrelationskoeffizienten innerhalb der Assetklasse “Aktien” von 0.70 bis 0.95. Weiter unten in Abbildung 3 zeigen wir Korrelationen zwischen unterschiedlichen Aktienanlagen sowie Assetklassen auf.

3 Nur effiziente Portfolios sind gute Portfolios

Wir empfehlen, eine breit diversifizierte Geldanlage anzustreben. Damit gehst du keine unnötigen Risiken ein. Mit unnötigen Risiken meinen wir unternehmensspezifische Risiken (vgl. oben), wofür du am Markt nicht durch eine höhere Rendite entschädigt wirst.

Das heisst, bei mangelnder Diversifikation setzt du dein Portfolio zu grossen Schwankungen (= Volatilität als Risikomass) aus, ohne dafür mehr Rendite zu erhalten. Effiziente Portfolios verfügen hingegen über ein optimales Rendite-/Risikoverhältnis.

Für die Beantwortung der Frage, ob dein Portfolio effizient ist, kannst du dich an die folgende Faustregel halten.

Ein Aktienportfolio bestehend aus…

  • …nur einer Einzelaktie ist ein No-Go, (vgl. oben Zürich Versicherung), da überhaupt nicht diversifiziert. Es besteht das (Klumpen-)Risiko eines Totalverlusts.
  • …einigen Titeln aus der Schweiz und unterschiedlichen Branchen ist suboptimal, da ungenügend diversifiziert. Starke Kursschwankungen und/oder unterdurchschnittliche Renditen sind realistisch.
  • …zahlreichen Titeln, welche global und branchenübergreifend gestreut sind, ist empfehlenswert, da breit diversifiziert. Das unternehmensspezifische bzw. unsystematische Risiko ist (praktisch) eliminiert.

Gerd Kommer, u.a. Autor des Standardwerks “Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs”, hat in seinem am 27.9.2018 publizierten Artikel auf www.dasinvestment.com mittels unten stehender Tabelle Rendite und Risiko dreier Aktienportfolios mit unterschiedlichem Diversifikationsgrad über einen 16-jährigen Zeitraum von 2002 bis 2017 verglichen.

Abbildung 2: Drei unterschiedlich diversifizierte Aktienportfolios im Vergleich

Die Tabelle illustriert, dass systematische, breite Diversifikation das Risiko (= Standardabweichung, gelb markiert) in einem Aktien-Portfolio deutlich senkt – ohne Einbusse beim Ertrag (= Rendite, gelb markiert).

Das global und branchenübergreifend gestreute Aktien-Portfolio kombiniert mit  anderen Assetklassen stellt die Königsklasse dar.

4 Die Königsklasse der Diversifikation

Die Königsklasse besteht schliesslich darin, das global und branchenübergreifend gestreute Aktien-Portfolio zusätzlich mit anderen Assetklassen wie Immobilien, P2P-Lending, Anleihen und/oder Rohstoffen zu kombinieren. Denn unterschiedliche Assetklassen korrelieren in der Regel deutlich geringer als Anlagen innerhalb derselben Assetklasse, wie unten stehende Tabelle illustriert.

Abbildung 3: Korrelationen unterschiedlicher Assetklassen sowie innerhalb der Assetklasse “Aktien”

Auffällig ist, dass P2P-Lending und Anleihen mit Werten nahe bei 0 praktisch unabhängig von Aktienanlagen schwanken und somit einen hohen Diversifikationseffekt aufweisen.

Während schweizerische Staats- oder Unternehmensanleihen im aktuellen Tiefzinsumfeld kaum Zinsen abwerfen und somit als Beimischung zum Aktienportfolio wenig attraktiv sind, erachten wir P2P-Lending als eine prüfenswerte Option. Diese noch relativ neue und rasch wachsende Assetklasse werden wir in einem separaten Artikel ausführlich behandeln.

Anmerkung: Die ermittelten Werte basieren jeweils auf historischen Daten, welche kein Garant für die künftige Entwicklung sind.

5 Fazit

Stock-Picking hat mehr mit Glücksspiel als mit seriösem Anlegen zu tun. Denn grosse Wetten auf Einzeltitel einzugehen und damit alle Eier in den gleichen Korb zu legen, erhöht nur das Risiko, nicht aber die zu erwartende Rendite.

Mit einer klugen Diversifikation hingegen kannst du für dich das Rendite-/Risikoverhältnis vorteilhaft verändern. Das heisst, du gehst ein geringeres Risiko bei gleichbleibender Rendite ein.

Die grössten Diversifikationseffekte erreichst du, wenn du bei deiner Geldanlage unterschiedliche Assetklassen berücksichtigst.

Dank Diversifikation erhältst du einen “free Lunch”.

Im Börsenjargon spricht man dabei von einem “free Lunch”, der dir dank Diversifikation offeriert wird. Andere “free Lunches” gibt es übrigens bei der Geldanlage nicht. Rendite und Risiko sind nämlich ein untrennbares Geschwisterpaar. Also profitiere von diesem wunderbaren Streuungseffekt!

Im nächsten Artikel widmen wir uns dem Thema “Asset Allocation” und der Frage, wie du dein Vermögen einfach und unter Berücksichtigung deines individuellen Risikoprofils mittels eines Weltportfolios breit diversifizieren kannst.

Einen Gesamtüberblick über das Thema “Investieren” erhältst du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

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