ETF kaufen: So einfach geht’s

Abbildung 9: ETFs kauft man am einfachsten und günstigsten online an der Börse

Im letzten Artikel haben wir erläutert, worauf bei der Wahl eines ETF zu achten ist. Nach der Wahl ist vor dem Kauf: Wie du ein für deine Ansprüche geeignetes Trading-Depot findest und darüber online in wenigen Minuten einen ETF kaufen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.  

Bevor wir ins Thema einsteigen, gehen wir davon aus, dass wir uns für folgenden ETF entschieden haben: “iShares Core MSCI World UCITS ETF”. 

Wie wir im letzten Artikel aufgezeigt haben, erfüllt dieser ETF – wie auch diverse andere – einige wichtige Mindestanforderungen bezüglich Kosten, Tracking Difference und Fondsgrösse.

Dennoch: Unsere Absicht für die Wahl dieses ETF besteht einzig darin, dir mittels eines auf dem Markt existierenden Produkts die nachfolgenden Ausführungen möglichst konkret und verständlich aufzuzeigen. (Selber sind wir nicht in dieses Produkt investiert.)

1  Die Wahl eines geeigneten Trading-Depots

Zum Kauf eines ETF benötigst du zuerst ein Depot bei einem Online-Broker oder einer klassischen Bank. Mittels Vergleichsdienst, z.B. Moneyland, erhältst du eine gute Übersicht über die Konditionen der wichtigsten Anbieter von Trading-Depots in der Schweiz. Folgende Punkte solltest du als Anleger besonders beachten:  

  • die Kosten
  • die Leistungen
  • die Grösse

1.1  Die Kosten

“Höhere Kosten bedeutet weniger Rendite für dich.”

Gemäss Moneyland sind die teuersten Handelsplattformen mehr als viermal so teuer wie die günstigsten Online-Broker. Höhere Kosten bedeutet weniger Rendite für dich.

Es lohnt sich also, die Gebühren der einzelnen Anbieter sorgfältig zu vergleichen.

Im Wesentlichen geht es um folgende drei Kostenblöcke: (Die unten erwähnten Konditionen sind den Produktinformationen der Anbieter entnommen und ändern laufend. Alle Angaben ohne Gewähr.)

  • Courtagen: Dies ist die Transaktionsgebühr, die bei jedem Kauf oder Verkauf von Wertpapieren wie ETFs anfällt. Bei den meisten Anbietern steigen die Courtagen mit zunehmendem Transaktionsvolumen. Einige Anbieter wie Cash (29 CHF) oder Migros Bank (40 CHF) bieten Pauschalen, sogenannte Flat-Fees an. Bezüglich der Courtagen solltest du dir also folgende Fragen stellen: Wie oft handle ich? Wie hoch ist üblicherweise mein Transaktionsbetrag? Faustregel: Die Courtagen sollten idealerweise weniger als 1% des Transaktionsbetrags ausmachen.
  • Depotgebühren: Diese Gebühr bezahlst du für die Verwahrung und Verwaltung deiner Wertpapiere bzw. ETFs. Die Preise sind in der Regel von der Depotgrösse abhängig, wobei gewisse Anbieter Unter- und Obergrenzen festlegen. So verlangt der führende Online-Broker Swissquote für ein Depot 0,1% pro Jahr, mindestens jedoch 60 und maximal 200 Franken. Bei PostFinance hingegen fällt unabhängig von der Depotgrösse eine jährliche Pauschalgebühr von 90 Franken an. Andere Trading-Plattformen wie diejenige von Cornèr Trader verlangen gar keine Depotgebühren. Bezüglich der Depotgebühren solltest du dir also folgende Frage stellen: Wie gross ist mein Depot bzw. in welcher Grössenordnung wird es sich mittelfristig bewegen?  Faustregel: Die jährlichen Depotgebühren sollten nach oben gedeckelt sein und nicht mehr als 0,1% des Depotwerts betragen.
  • Weitere Kosten: Für Transaktionen in der Schweiz fällt die Eidgenössische Umsatzabgabe an. Diese sogenannte Stempelsteuer beträgt 0,075% des Transaktionswertes für inländische und 0,15% für ausländische Wertpapiere. Ferner belasten die Börsen den Banken und Brokern Börsengebühren. Die meisten Anbieter verrechnen Umsatzabgabe und Börsengebühren den Anlagekunden weiter. Allgemein kann festgehalten werden, dass diese beiden Gebühren in der Regel kaum ins Gewicht fallen. Wer regelmässig Wertpapiere in Fremdwährung handelt, darf auch die Kosten für die damit verbundenen Devisengeschäfte nicht vernachlässigen. Denn auch in diesem Bereich gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Unser Tipp: Bei unverschämten Wechselkursen und/oder Gebühren empfehlen wir, das Angebot von Transferwise zu prüfen. Transferwise ist bekannt für niedrige und transparente Gebühren. Zudem wird jeweils der tatsächliche Wechselkurs, d.h. ohne Zuschläge, verwendet. 

1.2  Die Leistungen

“Services wie die Anlageberatung sind für selbstbestimmte Investoren unerwünscht.”

Bei den Leistungen sind für dich als Privatanleger das (ETF-)Angebot, die einfache Handhabung, der kompetente Support sowie ein technisch einwandfreier und sicherer Betrieb prüfenswerte Kriterien.

Services, welche in Richtung Anlageberatung gehen, sind bei selbstbestimmten Investoren jedoch unerwünscht.

Bei vielen Anbietern kannst du unverbindlich und kostenfrei ein Demo-Konto einrichten, was dir die Entscheidung für oder gegen einen Anbieter erleichtern wird.

1.3  Die Grösse

Bei der Grösse des Anbieters geht es primär um seine Etablierung am Markt. Bei Neueinsteigern ist Vorsicht geboten, weil das Risiko relativ gross ist, dass sie sich nach kurzer Zeit wieder aus dem Schweizer Markt zurückziehen oder ganz verschwinden.

Da ETFs als Sondervermögen gelten, sind deine diesbezüglichen Investitionen auch bei einer Pleite des Anbieters geschützt. Mühsam ist ein solches Prozedere aber allemal.

Angebot: Pionierin und CH-Markführerin auf dem Gebiet des reinen Online-Trading ist die 1999 gegründete Swissquote. Wer sich für diesen Anbieter entscheidet, hat die Möglichkeit, ein Startguthaben von 100 Franken spendiert zu erhalten. (Den gleichen Betrag erhalten wir als Kunde.) Bei Interesse ist einfach die  Freundschaftswerbenummer ykhwl1 unten im Eröffnungsformular einzugeben. 

2  Trading-Portal einrichten und kennenlernen 

Bevor der ETF gekauft werden kann, solltest du noch einige Vorbereitungen treffen:

  • Registrierung bzw. Anmeldung beim Trading-Portal
  • Geldüberweisung (für den späteren ETF-Kauf)
  • Mit den wichtigsten Funktionen des Trading-Portals vertraut werden

3  ETF kaufen

Nun geht’s ans Eingemachte. Wir wollen also den eingangs erwähnten ETF “iShares Core MSCI World UCITS ETF” erwerben.

Da ETFs wie Aktien an der Börse gehandelt werden, solltest du sie auch während der normalen Börsenöffnungszeiten ordern. Bei der Schweizer Börse SIX ist dies von 9.00 bis 17.30 Uhr der Fall. 

Für den Kauf sind die folgenden Schritte und Abklärungen nötig: 

  • Wertpapiererkennung: Am einfachsten ist es, den sogenannten Ticker zu verwenden. Dieser besteht in der Regel aus vier Buchstaben und kann auf der ETF-Infoseite justetf.ch oder direkt beim Anbieter in Erfahrung gebracht werden. In unserem Beispiel lautet der Ticker “SWDA”. Alternativ kannst du auch die Wertpapierkennnummer (WKN) oder die Internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) verwenden.
  • Net Asset Value (NAV): Der offizielle NAV oder Nettoinventarwert eines ETF wird einmal täglich auf Basis der letzten Schlusskurse der zugrunde liegenden Wertpapiere berechnet. Ein ETF wird mit einem Aufschlag gehandelt, wenn sein Preis über seinem NAV liegt. Wenn sein Preis unter dem NAV liegt, handelt es ich um einen Abschlag. Bei den meisten ETFs sind die Aufschläge und Abschläge in der Regel sehr gering, können jedoch in volatilen Zeiten hoch sein. Der NAV erfährst du ebenfalls online beim Anbieter. Primär soll dir der NAV bezüglich des Pricing bzw. des “wahren” Werts des ETF eine Orientierungshilfe bieten. Per 13.12.2018 betrug der NAV für unseren Muster-ETF 51.79 USD.  
  • Geld-Brief-Spanne: Dies ist die Differenz (Spread) zwischen Ankauf- und Verkaufskurs. In unserem Beispiel liegen Geld- und Briefkurs mit 51.19 resp. 51.23 USD sehr nahe beieinander. Dies ist positiv und lässt auf eine hohe Liquidität schliessen.
  • Kurslimite: Die Kurslimite ist der Maximalpreis, den du für einen ETF-Anteil zu zahlen bereit bist. Bei der Festlegung dieser Limite solltest du NAV sowie Briefkurs beachten (vgl. oben). Bei unserem Muster-ETF setzen wir die Limite auf 51.30 USD
  • Anzahl ETF-Anteile: Wir entscheiden uns für den Kauf von 100 Anteilen

3.1  Kurzanleitung – ETF kaufen

Ergänzend zu den bisherigen Erläuterungen dienen dir die nachfolgenden Auszüge der besseren Veranschaulichung. Sie stammen von PostFinance, deren E-Trading Plattform übrigens auf derjenigen von Swissquote basiert. Das “Look & Feel” ist also praktisch identisch, nicht jedoch die Konditionen (vgl. auch oben). 

Abbildung 1: Nach Eingabe des Ticker “swda” erscheint das gewünschte Produkt mit unterschiedlichen Börsenplätzen. Wir wählen die Schweizer Börse SIX.
Abbildung 2: Das Produkt erscheint in der persönlichen Liste. Mit “Trade” starten wir den Kaufvorgang. 
Abbildung 3: In der Detailmaske geben wir bei Transaktion “Kaufen”, bei Anzahl “100” und bei Auftragsart “Limit 51.30 USD” ein. Danach drücken wir auf “Auftrag erstellen”, um  – in einem letzten Schritt – den Auftrag definitiv zu platzieren. 

Bei liquiden Märkten wird der ETF in wenigen Sekunden gekauft und in deinem Depot angezeigt werden. Dort soll er dann auch möglichst lange bleiben. Oder wie es der schillernde und weltberühmte Investor André Kostolany einst ausgedrückt hat: 

“Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.”

André Kostolany, Investor

3.2  Exkurs “Preisparadies” Deutschland

Für Privatanleger, welche regelmässig nur kleinere Beträge in einen oder mehrere ETFs investieren möchten, ist das aktuelle CH-Angebot leider unattraktiv. Denn die anfallenden Gebühren schlagen in solchen Fällen unverhältnismässig hoch zu Buche.

Für Kleinanleger lohnt sich deshalb ein Blick nach Deutschland. Im Gegensatz zum Heimmarkt haben sich bei unserem Nachbarn nämlich sogenannte ETF-Sparpläne etabliert.

Ab einer monatlichen Sparrate von nur 25 Euro können zahlreiche ETFs gekauft werden. Je nach Anbieter fallen dabei weder Depot- noch Ordergebühren an. Justetf hat die entsprechenden Angebote hier verglichen. 

4  Fazit

Bevor du einen ETF an der Börse online kaufst, wählst du einen für deine Bedürfnisse geeigneten Trading-Anbieter aus.

Dabei solltest du insbesondere Kosten, Leistungen und Grösse bzw. Marktstellung sorgfältig prüfen. Denn die Unterschiede in der Schweiz, insbesondere bezüglich der Kosten, sind enorm. 

Für den Kauf eines ETF solltest du den Ticker (um den ETF zu finden), den Net Asset Value (als Orientierung bezüglich Pricing) sowie die Geld-Brief-Spanne (als Orientierung bezüglich Pricing und Liquidität) in Erfahrung bringen. 

Wer regelmässig mittels ETF-Sparplan kleinere Beträge investieren möchte, findet auf dem Heimmarkt (noch) keine attraktiven Angebote. In diesen Fällen lohnt sich der Blick nach Deutschland. 

Einen Gesamtüberblick über das Thema “Investieren” erhältst du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

4 Antworten

  1. Ich habe mir ein Youtube-Video angesehen, wie man in Deutschland bei TradeRepublic mit dem Smartphone auf einfachster Art und Weise ETF’s kauft oder einen ETF-Sparplan anlegt. Für 1 €, ohne weitere Gebühren!!
    Als gebeutelter Schweizer Anleger kann man nur hoffen, dass solche Fintech’s auch hierzulande schnellstens Fuss fassen. Wie wir hier mit schlechten Angeboten abgezogen werden, ist schon krass!

    1. Hoi Chris

      Danke für den Hinweis. Ja, TrueWealth ist für gewisse Anlegergruppen sicherlich eine Überlegung wert. Zu beachten ist aber, dass bei TrueWealth zu den jährlichen 0.5% Verwaltungsgebühren auch noch die ETF-Produktkosten dazukommen.

      Beste Grüsse
      Stefan von SFB

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