ETFs: Worauf du bei der Wahl achten solltest

Abbildung 8: Die Qual der Wahl infolge des rasant steigenden ETF-Angebots

Im letzten Artikel haben wir in allgemeiner Form über ETFs berichtet und aufgezeigt, weshalb dieses Anlagevehikel besonders für Privatanleger so attraktiv ist. Mit dem Erfolg der ETFs ist das Angebot und damit leider auch die Unübersichtlichkeit stetig gewachsen. So werden mittlerweile alleine an der Schweizer Börse SIX weit über 1’000 ETF-Produkte gehandelt. Mit diesem Beitrag wollen wir das ETF-Dickicht entwirren und die Qual der Wahl mittels einer einfachen Entscheidungshilfe lindern.

Nachdem du deine Asset Allocation bestimmt hast (vgl. diesen Beitrag), weisst du, wie du dein Vermögen strukturieren möchtest. Nun geht es darum, basierend auf dieser Struktur geeignete ETF-Produkte zu finden.

Der Einfachheit halber beschränken wir uns auf das entsprechende Angebot an der Schweizer Börse SIX, wo rund 1’300 ETFs gehandelt werden (Quelle: justetf.ch). Selbstverständlich kannst du ETFs auch an ausländischen Börsenplätzen erwerben, was jedoch steuerlich etwas aufwändiger sein kann.

“Nach der Festlegung der Asset Allocation ist die Indexwahl die wichtigste Entscheidung.”

1  Indexwahl bei ETFs

Nach der Festlegung der Asset Allocation ist die Indexwahl die wichtigste Entscheidung. Es gibt ganz unterschiedliche Indices. Sie fokussieren beispielsweise auf bestimmte…

  • Regionen (z.B. Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik, Schwellenländer),
  • Länder (z.B. Schweiz),
  • Sektoren / Branchen (z.B. Technologie),
  • Faktoren (z.B. kleine Firmen bzw. “Small Caps”),
  • Strategien (z.B. Dividenden, Nachhaltigkeit) oder
  • Asset-Klassen (z.B. Aktien, Obligationen, Rohstoffe, Immobilien).

“Für den Aufbau eines Weltportfolios reichen zwei ETFs.”

Um von den positiven Effekten der Diversifikation zu profitieren (vgl. diesen Beitrag), beteiligen wir uns an der globalen Wirtschaft. Demzufolge konzentrieren wir uns auf Aktien-Indices, welche ganze Regionen abbilden. Gleichzeitig verzichten wir der Einfachheit halber darauf, spezielle Sektoren, Faktoren, Strategien oder alternative Asset-Klassen wie Immobilien oder Rohstoffe zu berücksichtigen.

Für den Aufbau eines Weltportfolios reichen eigentlich zwei ETFs, welche auf folgenden Indices basieren:

Diese beiden Indices ergänzen sich prima, da sie sich nicht überschneiden. Zudem decken sie rund 85% der frei handelbaren (“free float”) Marktkapitalisierung in jedem der 47 Länder ab.

“Wer eine ausgewogenere Verteilung wünscht, wählt statt dem MSCI World regionale Indices.”

Die Gewichtung der einzelnen Komponenten bzw. Unternehmen basiert auf der jeweiligen Marktkapitalisierung. Dies hat zur Folge, dass beim MSCI World die US-Firmen mit einem Anteil von rund 60 Prozent sehr stark vertreten sind. Die am stärksten vertretene Firma im MSCI World ist übrigens Apple mit einem Anteil von 2,26 Prozent (Stand: 30.11.2018).

Wer eine ausgewogenere Verteilung wünscht, wählt statt dem MSCI World regionale Indices wie beispielsweise MSCI North America, MSCI Europe und MSCI Asian-Pacific.

Als Alternative zum US-amerikanischen “MSCI” eignet sich der englische Index-Anbieter “FTSE”. Die entsprechenden Indices “FTSE Developed World” und “FTSE Emerging Markets” sind ebenfalls breit diversifiziert und werden insbesondere vom ETF-Pionier und Preisbrecher Vanguard bevorzugt. Andere ETF-Anbieter wie Blackrock oder UBS setzen aber vor allem auf Indices von MSCI (vgl. auch Abbildung 1 unten).

Übrigens ein Anlagemix von je einem ETF basierend auf MSCI World und FTSE Emerging Markets oder FTSE Developed World und MSCI Emerging Markets ist nicht zu empfehlen, da die entsprechenden Märkte von den beiden Indexanbietern teilweise unterschiedlich interpretiert werden. So teilt FTSE Südkorea den entwickelten Ländern zu, während MSCI es den Schwellenländern zuordnet. Südkorea wäre also im ersten Mix-Beispiel gar nicht und im zweiten doppelt vertreten.

“Kosten sind ein sehr wichtiger Faktor, da sie die Rendite längerfristig substanziell schmälern können.”

2  Produktwahl bei ETFs

Nachdem wir uns für die zugrunde liegenden Indices entschieden haben, geht es zur Produktwahl. Als Privatanleger sollte man insbesondere die folgenden Faktoren prüfen:

  • Kosten: Diese werden jeweils mit der Total Expense Ratio (TER) angegeben und beinhalten die laufenden ETF-Gebühren, welche jährlich anfallen und direkt dem ETF verrechnet werden. Erfreulicherweise sinkt die TER dank des starken Wettbewerbs stetig. Kosten sind ein sehr wichtiger Faktor, da sie die Rendite längerfristig substanziell schmälern können.  ETFs, deren TER 0,7% p.a. übersteigt, gehören mittlerweile glücklicherweise zu den Exoten. Wir empfehlen auf teurere ETFs zu verzichten.
  • Tracking Error: Dieser zeigt, wie gut oder schlecht es dem ETF-Anbieter gelingt, abzüglich der Kosten den Referenzindex nachzubilden.  Der Tracking Error sollte max. 0,1% p.a. betragen.
  • Tracking Difference: Aussagekräftiger (aber weniger bekannt) als die TER und der Tracking Error ist die Tracking Difference. Denn diese gibt Auskunft, wie stark der ETF vom Referenzindex abweicht. Sie schliesst also sowohl die TER als auch den Tracking Error mit ein.  Diese Kennzahl sollte demnach bei max. 0,8% p.a. liegen. Als diesbezüglich wertvolle Informationsquelle empfehlen wir die ETF-Plattform trackingdifferences.com.
  • Fondsgrösse: Ein grosses Fondsvolumen ist wichtig, da dies den Handel in der Regel liquider (geringerer Spread) gestaltet. Zudem besteht kaum Gefahr, dass grosse Fonds liquidiert werden. (Der Anleger verliert durch die Liquidation eines ETF sein Geld nicht. Jedoch können entsprechende Zwangsumschichtungen umständlich sein und zusätzliche Gebühren generieren.)  min. 200 Mio CHF
  • Auflagedatum: Der Fonds sollte sich bereits einige Jahre am Markt behauptet haben. Dies ermöglicht dem Privatanleger aussagekräftigere Performancevergleiche (vgl. Abbildung 1 unten). Ideal sind ETFs, welche mindestens 5 Jahre auf dem Buckel haben.
  • Replikationsmethode: Da synthetische ETFs ein zusätzliches (Gegenpartei-)Risiko bergen und (deshalb) eine rückläufige Marktentwicklung aufweisen, bevorzugen wir die physische Replikation. Dazu gehören die vollständige Replikation als auch das sogenannte optimized Sampling.
  • Gewinnverwendung: Hier stehen ausschüttende oder thesaurierende ETFs zur Auswahl. Letztlich ist es Geschmacksache, welche Ausschüttungsform man wählt. Versteuert müssen sowohl die ausgeschütteten als auch die thesaurierenden Dividenden. Wen regelmässige Dividendengutschriften auf seinem Konto motivieren, sollte ausschüttende Produkte wählen. Wer sofort und automatisiert die Dividenden reinvestiert haben möchte, der entscheidet sich für thesaurierende Produkte.
  • Währungsabsicherung: Darauf ist bei einen global diversifizierten Portfolio aus Kostengründen zu verzichten.

2.1 ETFs im Vergleich

Als unverbindliche Entscheidungshilfe erhältst du in Abbildung 1 eine Übersicht von ETFs, welche die oben erwähnten Faktoren bzw. unsere diesbezüglichen Mindestanforderungen erfüllen. Zudem handelt es sich dabei um Produkte, welche über die heimische Börse SIX mittels entsprechendem Onlinebroker zu erwerben sind.ETFs im VergleichAbbildung 1: ETFs im Vergleich

Die Abbildung zeigt, dass nach einer solchen Selektion von den ursprünglich rund 1’300 ETFs eine überschaubare Auswahl von “geeigneten” und vergleichbaren ETFs übrig bleibt.

Dass die Tracking Difference teilweise unter den Kosten (TER) liegt, hängt vor allem mit Zusatzerträgen aus der Wertpapierleihe sowie den Quellensteuern zusammen. Letztere können von den ETF-Anbietern teilweise zurückgefordert werden. Beide Effekte, Wertpapierleihe und Steueroptimierung, erhöhen die Performance des ETFs bzw. reduzieren die Tracking Difference und sind somit grundsätzlich positiv für den Anleger.

Abbildung 2 zeigt grafisch die Wertentwicklung des ETF “iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc)” (vgl. auch Abbildung 1 oben) und des entsprechenden Vergleichsindex. Wertentwicklung ETF und Fonds

Abbildung 2: Wertentwicklung des ETF “iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc)” und des Vergleichsindex (Quelle: iShares Factsheet vom 31.10.2018)

Die beiden Kurven verlaufen nahezu Deckungsgleich, was aus Sicht des Anlegers positiv ist bzw. für den ETF spricht. Denn ein ETF soll ja den Vergleichsindex möglichst 1 zu 1 abbilden.

3  Fazit

ETFs sind für den Privatanleger praktische und kostengünstige Instrumente, um in den globalen Aktienmarkt zu investieren.

Wie unser Beispiel gezeigt hat, reichen für ein Weltportfolio lediglich zwei ETFs, welche auf den Indices von MSCI oder FTSE basieren.

Bei der Produktwahl empfiehlt es sich, einen physisch replizierenden ETF zu wählen, welcher sich insbesondere durch tiefe Kosten, eine geringe Tracking Difference sowie ein grosses Fondsvolumen auszeichnet.

Im nächsten Blogpost wollen wir aufzeigen, wie man einen ETF online an der Börse erwirbt.

Einen Gesamtüberblick über das Thema “Investieren” erhältst du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

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