Wieso Investieren mehr bringt als Sparen

Wieso Investieren mehr bringt als Sparen

Herzlich willkommen zum ersten Artikel auf dem Schweizer Finanzblog! Treu unserem Motto “Unabhängige Finanzbildung für erfolgreiches Investieren” wollen wir gleich loslegen. Konkret drehen wir das Rad 30 Jahre zurück und vergleichen während dieser Periode die Wertentwicklung eines Sparkontos mit derjenigen des Weltaktienindex MSCI World. Wie viel wäre eine damalige Einlage heute Wert? Welche Rolle spielt der Einstiegszeitpunkt? Und welche Bedeutung kommt eigentlich dem Zinseszins zu? Antworten darauf erhältst Du in diesem Artikel.

1 Weltaktienindex schlägt Sparkonto

Gehen wir einmal von folgendem Szenario aus: Zwei Personen verfügen über 10’000 Franken, worauf sie 30 Jahre nicht zurückgreifen müssen.

Person A, nennen wir sie Anna, entscheidet sich für eine sichere Anlage auf ihrem Sparkonto der Kantonalbank.

Person B, nennen wir sie Beat, investiert risikoreicher mittels eines börsengehandelten Aktienfonds (ETF) in den Weltaktienindex MSCI World.

Der MSCI World bildet den Börsenwert der grössten rund 1’600 Unternehmen aus 23 Industriestaaten ab.

Über die 30-jährige Periode vom 1.1.1989 bis 30.9.2018 kann Anna schliesslich 16’012 Franken von ihrem Sparkonto abheben (vgl. Abbildung 1, gelbe Kurve). Dies entspricht einer nominalen Wertsteigerung von immerhin 60 Prozent bzw. einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 1,58 Prozent.

Bei einer gleichzeitigen Inflation von 1,16 Prozent (annualisiert) bleibt Anna nach dreissig Jahren real nur ein geringer Wertzuwachs von knapp 2’000 Franken übrig.

2 Aus 10’000 werden 86’000 Franken

Ein ganz anderes Bild präsentiert sich bei Beat: Wenn er nach 30 Jahren seinen ETF an der Börse wieder verkauft, spült es ihm stolze 85’948 Franken auf sein Konto (vgl. Abbildung 1, blaue Kurve). Dies entspricht einem Wertzuwachs von 760 Prozent bzw. einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 7,45 Prozent. Oder mehr als das Achtfache von Beat’s ursprünglicher Investition.

Was unglaublich erscheint, ist leicht erklärt. Drei Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle:

  • der lange Anlagehorizont
  • die relativ hohen Renditen bei (ETF-)Aktienanlagen
  • der Zinseszins-Effekt durch die Wiederanlage der Dividenden

3 Die unheimliche Kraft des Zinseszins-Effekts

Würde sich Beat die Dividenden jeweils ausschütten lassen und diese verkonsumieren, wäre seine ursprüngliche Anlage “nur” auf das gut Vierfache bzw. auf 43’796 Franken angewachsen (vgl. Abbildung 1, orange Kurve).

Wertentwicklung von 10'000 Franken während rund 30 Jahren
Abbildung 1: Wertentwicklung von 10’000 Franken während rund 30 Jahren

Die Differenz von über 40’000 Franken ist der unglaublichen Kraft des Zinseszinses geschuldet. Albert Einstein soll den Zinseszins-Effekt gar einmal als das 8. Weltwunder bezeichnet haben.

8. Weltwunder Zinseszinseffekt Einstein
Abbildung 2: “Der Zinseszins-Effekt ist das 8. Weltwunder. Jene, die ihn verstehen, profitieren davon. Jene, die ihn nicht verstehen, bezahlen dafür.”

4 Langfristig sind wir alle tot

Nun wirst du möglicherweise einwenden, dass wir langfristig alle tot sind bzw. ein 30-jähriger Anlagehorizont definitiv zu lang ist.

Einverstanden. Gehen wir also von einem zweiten Szenario aus, welches statt 30 nur 10 Jahre als Anlagehorizont vorsieht.

Diese Dauer sollte unseres Erachtens bei Investitionen in Aktienanlagen idealerweise nicht unterschritten werden.

Denn im Gegensatz zum Sparkonto können Aktien kurzfristig sehr stark schwanken. So erlitt der MSCI World Index in einem einzigen Jahr (2008) einen Kursverlust von über 40 Prozent!

5 Einstiegszeitpunkt beeinflusst Rendite

Damit sind wir auch schon bei der nächsten Knacknuss angelangt: dem (vermeintlich) richtigen Einstiegszeitpunkt.

Konkretisieren wir also unser 2. Szenario weiter und lassen Anna (Sparkonto) und Beat (Aktien-ETF MSCI World) ihr Startkapital von 10’000 Franken in alle möglichen 10 Jahresperioden seit 1989 investieren (vgl. Abbildung 3).

Weiter gehen wir davon aus, dass sowohl Anna als auch Beat die Erträge in Form von Zinsen resp. Dividenden in ihrer Anlage belassen. Somit profitieren beide vom Zinseszins-Effekt.

Durchschnittsrenditen für unterschiedliche 10 Jahresperioden (annualisiert)
Abbildung 3: Durchschnittsrenditen für unterschiedliche 10 Jahresperioden (annualisiert)

Wie aus Abbildung 3 deutlich hervorgeht, wirft die Aktienanlage bis auf zwei Perioden deutlich mehr Rendite ab als das Sparkonto.

Bei Anna’s Sparkonto erweist sich die Periode 1.1.1989 – 31.12.1998 mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,52 Prozent am besten. Schlecht schneidet hingegen für sie die Periode 1.1.2009 – 30.9.2018 ab mit einem durchschnittlichen nominalen Zuwachs von mickrigen 0,16 Prozent pro Jahr.

Beat hingegen erhält für seine Aktienanlage für die Periode 1.1.1991 – 31.12.2000 die höchste jährliche Rendite: 12,44 Prozent! Schlecht schneidet hingegen für ihn die Periode 1.1.1999 – 31.12.2008 ab mit einem Verlust von 0,19 Prozent pro Jahr.

Die globale Weltfinanzkrise resp. Suprime-Krise von 2008, welche durch einen Immobiliencrash in den USA ausgelöst wurde, verhagelte seine Performance kurz vor Verkauf gründlich!

6 Währungsrisiken, Produktkosten und Steuern

Bei den durchgeführten Berechnungen haben wir die Faktoren Währungsrisiken, Produktkosten und Steuern der Einfachheit halber nicht berücksichtigt.

Was die Kosten betrifft, so fallen beim Sparkonto in der Regel keine an. Bei der Aktienanlage tendieren die jährlichen Gebühren (Total Expense Ratio / TER) infolge des starken Wettbewerbs auf dem ETF-Markt mittlerweile gegen Null und sind somit ebenfalls vernachlässigbar.

7 Fazit

Schön, dass es du bis hierher geschafft hast! Die wichtigsten Erkenntnisse hier nochmals zusammengefasst:

  • Langfristig rentieren Aktienanlagen viel besser als das Sparkonto!
  • Der Zinseszins-Effekt fällt bei Aktienanlagen und langer Anlagedauer besonders stark ins Gewicht.
  • Aktienanlagen sind kurzfristig viel grösseren Schwankungen (Risiken) ausgesetzt und eignen sich deshalb nur für einen längeren Anlagehorizont.
  • Das Sparkonto schwankt praktisch nicht und eignet sich deshalb für einen kurzen Anlagehorizont.
  • Der Einstiegszeitpunkt kann die Rendite bei der Aktienanlage stark beeinflussen.
  • Aber: Den “richtigen” Einstiegszeitpunkt gibt es nicht bzw. dieser ist immer erst rückwirkend bestimmbar. Deshalb unser Tipp: regelmässig z.B. monatlich per Stichtag investieren, langfristig halten und nie sogenanntes Market Timing betreiben!

Im nächsten Blog-Post konkretisieren wir das Anlagethema weiter und widmen uns der Frage, welche Faktoren bei der Geldanlage entscheidend sind.

Einen Gesamtüberblick über das Thema “Investieren” erhältst du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

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