Börsencrash 2020: Was sollen Anleger jetzt tun?

Die Börsenkurse, welche seit der Finanzkrise von 2009, abgesehen von wenigen Aussetzern, stetig gestiegen sind und im Februar 2020 abermals in Allzeithochs gipfelten, sind innert weniger Wochen – je nach Index – um 20 bis 40 Prozent eingebrochen. Besonders jüngeren Anlegern fehlt es somit an entsprechenden Erfahrungswerten. Sie werden nun mit dem Börsencrash 2020 auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Bei allen Widrigkeiten und Unsicherheiten, die uns die Corona-Krise beschert und noch bescheren wird, gilt es kühlen Kopf zu bewahren und der an der Börse herrschenden Panik zu trotzen. Mit diesem Artikel wollen wir dir konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, wie du diese turbulente Zeit stressfrei meisterst und ja – davon profitieren kannst!

Das Jahr 2020 wird zweifelsohne ein geschichtsträchtiges Jahr werden. Ein Jahr, dass voller Zuversicht und Optimismus begann. Zumindest an der Börse manifestierte sich diese Stimmung. Egal, ob MSCI World, SMI oder S&P 500, sie alle erreichten im Februar Allzeithochs (vgl. Abbildungen 1, 3 und 4).

Wenige Wochen später sieht die Welt komplett anders aus. Das bisher unbekannte Corona-Virus SARS-CoV-2 mutierte in Windeseile zu einer Pandemie. Sie droht nun die ganze Welt lahmzulegen. Schon jetzt (Stand: 3.4.2020) sind die angerichteten Schäden immens: 53’000 Tote und über eine Million positiv auf das Virus getestete Personen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Zahlen steigen exponentiell.

“grosse Teile der Menschheit befinden sich im Krisenmodus”

Fast alle Länder der Welt sind betroffen. Viele Staaten haben den Notstand ausgerufen, die Grenzen dicht gemacht, Versammlungsorte – insbesondere Schulen – geschlossen und Ausgangssperren verhängt. Unser Arbeitsleben in der Schweiz ist geprägt von Homeoffice oder – für besonders exponierte Berufsgruppen wie Coiffeure, Angestellte in der Fitnessbranche, im Gastgewerbe und Bildungswesen – von behördlich verordneten Berufsverboten. Wer zudem Kinder im schulpflichtigen Alter hat, muss sich aktuell in der Disziplin “Homeschooling” unter Beweis stellen.

Kurz: Grosse Teile der Menschheit befinden sich im Krisenmodus und eine ausgewachsene, globale Rezession steht uns ins Haus. Und damit gelangen wir zum eigentlichen Thema, nämlich die finanzielle Situation für uns Anleger.

1  Und plötzlich ist der Börsencrash 2020 da

Aber bevor wir auf unsere bevorzugte Strategie eingehen, schauen wir uns zur Einstimmung zuerst einige Charts von bekannten Indizes an. Die in den nachfolgenden Charts eingetragenen und datierten Höchst- und Tiefstwerte beziehen sich jeweils auf eine Periode von 52 Wochen mit Stichtag 3. April 2020.

 

Börsencrash 2020: MSCI World Chart
Abbildung 1: Entwicklung MSCI World Index der letzten 5 Jahre / Quellen: www.finanzen.net, Schweizer Finanzblog

 

Börsencrash 2020: MSCI Emerging Markets Chart
Abbildung 2: Entwicklung MSCI Emerging Market Index der letzten 5 Jahre / Quellen: www.finanzen.net,  Schweizer Finanzblog

 

Börsencrash 2020: SMI Chart
Abbildung 3: Entwicklung des SMI der letzten 5 Jahre / Quellen: www.finanzen.net, Schweizer Finanzblog

 

Börsencrash 2020: S&P 500 Chart
Abbildung 4: Entwicklung des SMI der letzten 5 Jahre / Quellen: www.finanzen.net, Schweizer Finanzblog

2  Pandemie zieht alles nach unten und der Börsencrash 2020 nimmt seinen Lauf

Es fällt auf, dass die oben ausgewählten Aktien-Charts seit Beginn des Crashs recht synchron, nämlich beinahe senkrecht nach unten verlaufen. Der Kurssturz macht übrigens auch vor anderen Assetklassen wie Immobilien oder Edelmetallen nicht Halt. Zudem rauschten die Ölpreise rasant in den Keller, ausgelöst durch das Scheitern der Verhandlungen zur Begrenzungen der Ölförder­menge zwischen Russland und Saudi-Arabien.

“ein Totalverlust kann bei marktbreiten Indizes ausgeschlossen werden”

Nun aber zurück zu den oben aufgeführten Charts. Folgende Erkenntnisse können wir daraus ziehen:

  1. Wenn an den Märkten Panik herrscht, reagieren selbst marktbreite Indizes wie der MSCI World mit über 1’600 Firmen aus 23 Staaten sehr volatil. Sie können in Extremsituationen innert weniger Handelstage einen Drittel ihres Wertes verlieren.
  2. In einem Bärenmarkt geht die Abwärtsbewegung viel schneller vonstatten, als in einem Bullenmarkt die Kurse steigen. So notiert der MSCI Emerging Market aktuell (3.4.2020), d.h. unter Berücksichtigung der jüngsten Aufwärtsbewegung  sogar 16,4% tiefer als vor fünf Jahren (vgl. Abbildung 2). MSCI World und SMI befinden sich mehr oder weniger auf 5-Jahresniveau (vgl. Abbildungen 1 und 3). Einzig der auf US-amerikanische Unternehmen beschränkte S&P 500 liegt mit 19,6% noch recht deutlich darüber (vgl. Abbildung 4).
  3.  Auch wenn die Kursverluste heftig sind, ein Totalverlust kann bei marktbreiten Indizes ausgeschlossen werden. Anders sieht es bei Investments in Einzeltiteln aus. Als Folge des Börsencrashs 2020 wird es zu unzähligen Firmenpleiten kommen. Jüngstes Beispiel: die bereits zuvor angeschlagene Restaurantkette Vapiano. Aber auch vermeintlich solide Firmen sind teilweise extrem eingebrochen. Nachfolgend einige Beispiele mit Angabe der prozentualen Veränderung zwischen Höchst- und Tiefstständen der letzten 52 Wochen per Stichtag 3. April 2020:
    • TUI AG (-81% / Tourismus)
    • Boing Co. (-78% / Luftfahrt)
    • Thyssenkrupp AG (-71% / Stahlverarbeitung)
    • Royal Dutch Shell Plc (-65% / Erdöl)
    • Credit Suisse AG (-54% / Finanzen)

3  Als Anleger jetzt klug handeln

Im Börsencrash 2020 schmilzt dein sauer erspartes Aktienvermögen wie Eis an der Frühlingssonne. Da trösten auch kurze Phasen der Erholung nicht darüber hinweg. Was tun? “Kaufen, wenn Blut in den Strassen fliesst” oder  doch “nicht ins fallende Messer greifen”? Fragst du zehn “Finanzexperten”, wirst du zehn verschiedene Antworten erhalten.

Unser Tipp ist sehr simpel: Befolge konsequent deine Strategie! Denn Strategien sind definitionsgemäss langfristig ausgerichtet und gelten nicht nur in Schönwetterphasen. Falls du hingegen zur Erkenntnis gelangst, dass deine aktuelle Strategie in solch turbulenten Phasen nichts taugt, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sie neu zu definieren.

Unsere Strategie als langfristige “buy-and-hold”-Anleger mit Investments in vorwiegend passive, global diversifizierte Aktien-ETFs basiert auf einer vordefinierten Asset Allocation (vgl. unseren Artikel Asset Allocation: Das A und O deiner Geldanlage). Kernstück dieser Vermögensstrukturierung ist eine prozentuale Aufteilung des Vermögens in einen risikoarmen und risikobehafteten Teil. Diese Aufteilung basiert auf unserem individuellen Risikoprofil, also Anlagehorizont, Risikobereitschaft und Risikofähigkeit. Der Börsencrash 2020 ändert daran nichts!

4  Zukaufen, zukaufen, zukaufen

Und ja, daher ist es sonnenklar, was wir aktuell tun: Zukaufen, zukaufen, zukaufen. Würden wir dieses Rebalancing (vgl. unseren Artikel Dank Rebalancing dein Vermögen wieder im Lot) nicht betreiben, resultierte ein Missverhältnis zwischen dem risikoarmen und risikobehafteten Vermögensteil. Das heisst, unsere Cashreserven wären verhältnismässig zu gross.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Dein Vermögen von 100’000 Franken hast du – treu deiner 50/50-Strategie – je hälftig auf dem Bankkonto und global in Aktien-ETFs investiert. Mit dem Crash hat sich nun dein Vermögen auf 85’000 Franken reduziert. Deine Vermögensaufteilung sieht nun so aus: CHF 50’000 Cash (59%) und CHF 35’000 Aktien-ETFs (41%). Mit einer Investition von CHF 7’500 in Aktien-ETF erreichst du wieder ein 50/50-Verhältnis gemäss deiner Strategie.

Durch dieses Rebalancing resultiert ein Rendite fördernder Nebeneffekt: Du kaufst zu verhältnismässig günstigen Kursen und reduzierst so den durchschnittlichen Einstandspreis deiner Anlagen. Wir erinnern uns: Ein ETF auf dem MSCI World Index hat innert weniger Wochen einen Drittel seines Wertes eingebüsst. Bei einem iPhone mit einem solch grosszügigen Rabatt würden manche wohl von einem Schnäppchen sprechen. Und beherzt zugreifen.  

5  Lernen aus der Vergangenheit

Noch ein wichtiger Punkt: In unseren Überlegungen spielt natürlich eine Grundzuversicht mit. So gehen wir davon aus, dass sich die Wirtschaft wieder erholen wird. Genauso wie nach der Ölkrise in den 70ern, der Dot-Com-Blase (2000) oder der Finanzkrise (2008): Stets stürzten die Aktienkurse vehement ab, als drohte das Ende der Welt. Doch wie wir im Rückblick wissen, erholten sich die Kurse jeweils rasch wieder und erreichten Allzeithoch um Allzeithoch. Bis zum nächsten Börsencrash, welcher niemand voraussehen kann.

Wer noch mehr zum Thema “Börsencrash 2020” und entsprechende Handlungsoptionen erfahren möchte, dem empfehlen wir das unten verlinkte Interview mit dem von uns geschätzten Buchautor Gerd Kommer, welches Thomas Kehl von Finanzfluss kürzlich mit ihm geführt hat.

 

4 Antworten

  1. Ich investiere schon länger regelmässig in einen ETF MSCI ASCI von UBS. Er repliziert synthetisch. Ist das riskant und sollte ich das Kapitsl besser in einen physischen überführen?

    1. Hoi Chris
      Wir empfehlen wegen des Gegenparteirisikos grundsätzlich physisch replizierte ETFs, auch wenn wir dieses Risiko infolge der zugrunde liegenden Sicherheiten als sehr klein erachten. (vgl. auch unseren Artikel ETFs: Worauf du bei der Wahl achten solltest). (Fairerweise muss man hier anfügen, dass auch bei physisch replizierten ETFs, welche Wertpapierleihe zulassen, zumindest teilweise dieses Risiko besteht).

      Synthetische ETFs hatten bisher vor allem bezüglich Kosten und Tracking Error Vorteile. Das Angebot schrumpft jedoch laufend, auch weil genannte Vorteile heute kaum mehr zutreffen. Schau’ dir z.B. als physische Alternative zum MSCI ASCI von UBS den FTSE All World von Vanguard an mit einer durchschnittlichen Tracking Difference von -0.04 (!) von 2013 – 2019 und einer aktuellen TER von 0.22% (Quelle: https://www.trackingdifferences.com/ETF/ISIN/IE00B3RBWM25)
      Beste Grüsse
      SFB

      1. Danke! Der Grund warum ich den UBS ETFs plc MSCI ACWI SF UCITS ETF USD ( IE00BYM11H29 ) kaufe, sind die Gebühren bie Swissquote. Ich kaufe alle drei Monate für ca. USD 3000 Anteile. Bei diesem sind die Gebühren USD 15. Bei allen anderen mind. USD 35. Beim Verkauf wird es noch teuerer.
        Eigentlich wollte ich einen Sparplan über USD 1000 pro Monat, wie in Deutschland bei vielen Banken erhältlich. Aber in der Schweiz wurde ich nicht fündig.

  2. Naja, sicherlich kann Aktien/ETF man günstig nachkaufen. Aber wer weiss schon, ob das Ende der Fahnenstange erreicht ist? In den vergangenen Krisen wie Dotcom Blase oder Finanzkrise 2008 gab es zwischen den Abstürzen immer eine kurze Phase der Erholung, bevor es noch weiter bergab ging.
    Ich gehe einen anderen Weg: Raus aus Geldwerten und rein in Sachwerte. Da Edelmetalle derzeit physisch in der Schweiz praktisch ausverkauft sind (zumindest bei den grossen Händlern), investiere ich in andere Sachwerte die im besten Fall noch Rendite abwerfen. Mehr Details auf meiner Seite http://www.zustupf.ch

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