Dank Rebalancing dein Vermögen wieder im Lot

Abbildung 6: Mit Rebalancing die ursprünglich definierte Vermögensverteilung wieder herstellen

Im letzten Artikel hast du erfahren, wie du dein Vermögen mittels eines breit diversifizierten Weltportfolios nach deinem individuellen Risikoprofil strukturieren kannst. Mit diesem Beitrag widmen wir uns der Frage, wie du bei unterschiedlicher Wertentwicklung der einzelnen Vermögenswerte deine ursprüngliche Asset Allocation mittels Rebalancing einfach und kostengünstig wiederherstellen kannst.

Bevor wir ins Thema einsteigen, rufen wir uns nochmals die Ausgangslage im letzten Artikel in Erinnerung. Wir haben ein Weltportfolio zusammengestellt mit einem Risikosplit “80% risikoreich” und “20% risikoarm” (vgl. Abbildung 1):

Abbildung 2: Ein Weltportfolio für den renditeorientierten, langfristigen AnlegerAbbildung 1: Ein Weltportfolio für den renditeorientierten, langfristigen Anleger

1  Mit Rebalancing die festgelegte Verteilung sicherstellen

Nehmen wir nun an, dein Bankkonto wächst dank zusätzlicher Einnahmen und/oder grösserer Sparanstrengungen um 10’000 auf 30’000 Franken an. Gleichzeitig beläuft sich der Kurswert deiner ETF-Anlagen auf 72’000 Franken, was einem Verlust von 8’000 Franken bzw. 10 Prozent entspricht.

Gehen wir weiter davon aus, dass vom Kursverlust lediglich deine Anlagen in Schwellenländer sowie Immobilien betroffen sind, und zwar je hälftig (d.h. je minus 4’000 CHF). Die anderen ETF-Anlagen haben sich also wertmässig nicht verändert. Abbildung 2 illustriert die neue Vermögenssituation.

Asset Allocation vor Rebalancing
Abbildung 2: Asset Allocation vor Rebalancing

 

Deine ursprüngliche Asset Allocation hat sich damit deutlich verändert, und zwar zugunsten des risikoarmen Teils. Dieser beträgt neu 29 Prozent (statt 20%), während der risikoreiche Teil sich nur noch auf 71 Prozent (statt 80%) beläuft.

Mit anderen Worten: Deine aktuelle Vermögensaufteilung entspricht nicht mehr deinem Risikoprofil. Mittels Rebalancing wollen wir nun das ursprüngliche Gleichgewicht wiederherstellen.

2  Übertriebenes Rebalancing vermeiden

Nach Durchführung eines exakten Rebalancing würde sich deine Asset Allocation wie in Abbildung 3 präsentieren.

Asset Allocation nach exaktem Rebalancing
Abbildung 3: Asset Allocation nach exaktem Rebalancing

 

Cool, eine glatte Punktlandung! Die Gewichtungen stimmen auf den Franken genau mit dem festgelegten Risikoprofil überein. Einerseits.

Andererseits wäre ein solches Vorgehen wegen der hohen Transaktionsgebühren wohl zu kostspielig. Denn immerhin müsstest du fünf Käufe tätigen, drei davon mit Beträgen von lediglich je 320 Franken.

3  Die Praktikermethode beim Rebalancing

Deshalb ist in solchen Fällen ein anderes, kostengünstigeres Vorgehen zu bevorzugen. Wir schlagen dir folgende Praktikermethode vor:

  • Wir transferieren 9’600 Franken vom risikoarmen in den risikoreichen Teil, womit auf der obersten Stufe exakt wieder die ursprüngliche Vermögensaufteilung (80/20) erreicht wird
  • Die 9’600 Franken investieren wir je hälftig in Schwellenländer- und Immobilien-ETFs, womit diese ungefähr wieder der ursprünglichen Gewichtung entsprechen
  • Die leichten Abweichungen von je 320 Franken zu den Ziel-Werten bei den Europa-, Nordamerika- sowie Asien-Pazifik-ETFs ignorieren wir, denn wir wollen nicht unnötig hohe Transaktionskosten generieren
  • Das Portfolio haben wir somit mit lediglich zwei Kauftransaktionen à 4’800 Franken – mit vernachlässigbaren Abweichungen zu den Ziel-Gewichtungen – ins Lot gebracht (vgl. Abbildung 4)
Rebalancing Praktikermethode
Abbildung 4: Rebalancing nach der Praktikermethode mit lediglich zwei Kauftransaktionen

 

Rebalancing ist also die Umschichtung von Geldanlagen zwecks Wiederherstellung deiner vordefinierten Vermögensallokation.

Ein positiver Effekt nach dem Rebalancing ist, dass die Vermögensaufteilung wieder deinem Risikoprofil entspricht. Zudem kaufst du in der Regel nicht zu Höchstpreisen. 

Ein potenzieller Nachteil hingegen ist, dass durch häufiges Umschichten hohe Gebühren anfallen. Dies schmälert deine Rendite unnötig und läuft der aus wissenschaftlicher Sicht bevorzugten buy-and-hold-Strategie entgegen.

Deshalb unser Tipp: Bei nennenswertem Wachstum der Gewichtung des risikoarmen Teils (Bankkonto), wie im Beispiel oben, zeitnahes Rebalancing bzw. Investieren betreiben. Somit profitierst du von Aktien-Renditen und Zinseszinsen, welche gegenüber dem Bankkonto auf lange Sicht bedeutend grosszügiger ausfallen dürften.

Falls die Gewichtungen sich nur geringfügig verändern, abwarten bzw. auf Umschichtungen ganz verzichten. Mit diesem Vorgehen sparst du Transaktionskosten.

Falls du dich bereits in der Entsparphase befindest, besteht das Rebalancing darin, dass du zuerst Anlagen verkaufst, deren Gewicht gestiegen ist.

4  Mehrrendite durch “Rebalancing-Bonus”

Wissenschaftlichen Studien zeigen, dass Mehrrenditen auch beim Rebalancing innerhalb von Asset-Klassen mit etwa derselben Renditeaussichten zu erwarten sind. In der Literatur ist in diesem Zusammenhang auch vom “Rebalancing-Bonus” die Rede.

Gerd Kommer schreibt dazu in der aktuellen 5. Auflage seines Buchs “Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs”: “Rebalancing erhöht langfristig die jährliche Rendite eines gut diversifizierten Portfolios um bis zu einem halben Prozentpunkt, während das Risiko sich kaum verändert oder minimal sinkt.”

Als Begründung für diese Mehrrendite führt er u.a. die sogenannte Regression zum Mittelwert an.

5  Fazit

Weichen die Ist-Werte von den Zielvorgaben deutlich ab, so solltest du deine Anlagen mittels Rebalancing zeitnah wieder an die ursprüngliche Gewichtung angleichen, welche deinem Risikoprofil entspricht.

Dieses Vorgehen ist insbesondere dann zu empfehlen, wenn z.B. dank zusätzlicher Einkünfte und/oder hoher Sparquote der risikoarme Teil viel stärker als der risikoreiche Teil wächst.

Mit entsprechenden Investitionen in den risikoreichen Teil kannst du langfristig eine höhere Rendite erwarten bzw. das Rendite-/Risikoverhältnis entspricht wieder deinem Risikoprofil.

Rebalancing bei kleineren Abweichungen von unter 1’000 Franken lohnt sich oft nicht, weil dann die Transaktionsgebühren unverhältnismässig hoch zu Buche schlagen. In diesen Fällen also besser abwarten und auf Umschichtungen verzichten.

Im nächsten Artikel wollen wir das (zu Recht) immer populärer werdende Anlagevehikel “ETF” näher beleuchten, welches unseres Erachtens nichts weniger als eine Revolution der privaten Geldanlage darstellt.

Einen Gesamtüberblick über das Thema “Investieren” erhältst du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen