Im letzten Artikel hast du über die positiven Effekte einer klugen Diversifikation bei der Geldanlage erfahren. Mit diesem Beitrag wollen wir das Thema weiter konkretisieren und widmen uns der Asset Allocation: Der entscheidende Erfolgsfaktor bei deiner Geldanlage! Wie du dein Vermögen deinen Bedürfnissen bzw. deinem Risikoprofil entsprechend strukturierst, erfährst du in diesem Beitrag.

Stefan & Toni | 8 Kommentare
publiziert am 19.11.2018

Bestimmung deines Risikoprofils

Die Asset Allocation oder Vermögensaufteilung hängt von deinem individuellen Risikoprofil ab. Dieses wiederum wird von folgenden drei Faktoren beeinflusst:

Anlagehorizont

Grundsätzlich gilt: je länger dein Anlagehorizont ist, desto risikoreicher und somit rentabler kannst du dein Geld anlegen. Denn wie wir bereits in diesem Beitrag aufgezeigt haben, können sich beim längerfristigen Anlegen Kursschwankungen und Börsenkorrekturen in der Regel besser ausgleichen. Zudem profitierst du bei einem langem Anlagehorizont vom mächtigen Zinseszins-Effekt.

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Risikobereitschaft

Wichtig ist auch, dass dir bewusst ist, wie viel Risiko du überhaupt eingehen möchtest. Denn selbst der breit diversifizierte Aktien-Index MSCI World mit rund 1600 Aktientiteln hat im Zuge der sogenannten Subprime-Krise in der Zeit vom 31.10.2007 und 9.3.2009 über 57 Prozent (= maximum Drawdown) an Wert verloren (vgl. Factsheet MSCI World).

Wenn du selbst bei solch heftigen Kursverlusten noch ruhig schlafen kannst (und nicht verkaufst), bist du klar der risikofreudige Anleger. Vielleicht bist du aber eher risikoscheu und strebst in erster Linie Werterhalt deiner Anlage an.

Risikofähigkeit

Die Risikofähigkeit drückt aus, welche Wertschwankungen und Verluste du verkraften kannst, ohne in finanzielle Bedrängnis zu geraten. Je weniger du also auf das investierte Kapital angewiesen bist, um deinen Verpflichtungen nachzukommen, desto grösser ist deine Risikofähigkeit.

Zur Verdeutlichung: Ein gut situiertes kinderloses Doppelverdienerpaar verfügt in der Regel über eine ungleich höhere Risikofähigkeit als beispielsweise eine alleinerziehende Mutter.

Wie du deine Asset Allocation bestimmen kannst

Gehen wir mal von einem fiktiven Vermögen von 100’000 Franken aus, welches zinslos und jederzeit verfügbar auf deinem Privatkonto liegt. Weiter nehmen wir an, dass du über ein geregeltes Einkommen verfügst und die laufenden Kosten im Griff hast. Schliesslich planst du für die nächsten 10 Jahre keine grösseren Anschaffungen wie beispielsweise den Erwerb von Wohneigentum.

Gestützt auf das wissenschaftlich orientierte Portfoliomodell nach Markowitz (vgl. auch diesen Artikel)  empfehlen wir, die 100’000 Franken zuerst in einen risikoarmen und einen risikoreichen Teil aufzugliedern, und zwar basierend auf deinem Risikoprofil (vgl. Abbildung 1).

Risikoprofile
Abbildung 1: Drei unterschiedliche Risikoprofile.

Wichtig: Egal welcher Risikotyp du bist, innerhalb der erwähnten Anlagekategorien „risikoarm“ und „risikoreich“ bleiben die Anlagen grundsätzlich gleich zusammengesetzt.

«Im risikoreichen Teil kommst du um Aktien nicht herum.»

Ein Beispiel eines breit diversifizierten Weltportfolios für den risikofreudigen bzw. renditeorientierten Anleger mit langem Anlagehorizont erhältst du in Abbildung 2.

Abbildung 2: Ein Weltportfolio für den renditeorientierten, langfristigen Anleger
Abbildung 2: Ein Weltportfolio für renditeorientierte, langfristige Anleger.

Im risikoreichen Teil kommst du um Aktien nicht herum. Als Anlagevehikel eignen sich ETFs sehr gut, welche breite Marktindices aller Weltregionen abbilden. Weshalb wir ETFs bei der Geldanlage als besonders attraktiv beurteilen, erfährst du in einem separaten Artikel.

Für eine noch breitere Streuung bzw. ein vorteilhafteres Risiko-/Renditeverhältnis sind Immobilien als zusätzliche Assetklasse  eine interessante Option. Doch auch hier gilt: Statt mit Einzeltiteln oder gar Einzelobjekten („Betongeld“) ein unnötiges Klumpenrisiko einzugehen, investiere besser in einen ETF, welcher global zahlreiche Immobilienfirmen bzw. Real Estate Investment Trusts (REITs) enthält.

Im risikoarmen Teil hingegen wird dein Geld in erster Linie auf dem Privatkonto liegen, worauf du jederzeit verfügen kannst. Obligationen bzw. Anleihen erachten wir in Zeiten historisch tiefer Zinsen als keine interessante Option.

«Die Festlegung deiner individuellen, auf dein Risikoprofil abgestimmten Asset Allocation ist das A und O bei deiner Geldanlage.»

Fazit

Die Festlegung deiner individuellen, auf dein Risikoprofil abgestimmten Asset Allocation ist das A und O für eine erfolgreiche Geldanlage.

Ausgehend von deinem Risikoprofil wird dein Vermögen zuerst in einen „risikoreichen“ und „risikoarmen“ Teil gegliedert. Danach erfolgt die Gewichtung der einzelnen Assetklassen.

Der risikoreiche Teil entspricht einem breit diversifizierten Weltportfolio, bestehend aus den Anlageklassen „Aktien“ und beispielsweise „Immobilien“. 

Für besagte Assetklassen eignet sich das AnlagevehikelETF“ (Exchange-traded Fund) besonders gut.

Der risikoarme Teil entspricht im Wesentlichen Bankguthaben (Anlagevehikel „Privatkonto“).

Im nächsten Artikel widmen wir uns dem Thema „Rebalancing“ und der Frage, wie du bei unterschiedlicher Wertentwicklung der einzelnen Assetklassen deine ursprüngliche Asset Allocation einfach und kostengünstig wiederherstellen kannst.

Einen Gesamtüberblick über das Thema „Investieren“ erhältst du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

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Disclaimer

Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.

Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.

Was passiert, wenn du 10’000 Franken über mehrere Jahrzehnte auf einem Sparkonto liegen lässt – und was, wenn du sie breit gestreut in Aktien investierst?

Sparen fühlt sich sicher an. Geld anlegen klingt riskant. Doch wer die Zahlen kennt, denkt vielleicht anders. In diesem Artikel vergleichen wir die langfristige Entwicklung eines Sparkontos mit dem bekanntesten Weltaktienindex MSCI World – mit echten Daten, konkreten Beispielen und ohne Fachjargon. Du wirst sehen, warum die scheinbar sichere Wahl langfristig die teurere sein kann – und welche Rolle dabei ein oft unterschätzter Effekt spielt: der Zinseszins.

Stefan & Toni | 4 Kommentare
aktualisiert am 11.3.2026

Kurz & bündig

Geld anlegen oder sparen? Der Langzeitvergleich

Stell dir zwei Personen vor. Beide haben 10’000 Franken gespart – und beide brauchen das Geld für die nächsten Jahrzehnte nicht.

Anna legt ihr Geld auf ein Sparkonto. Sicher, bequem, keine Überraschungen.

Beat entscheidet sich anders: Er investiert in Aktien – konkret in einen Fonds, der die grössten Unternehmen aller Industriestaaten enthält, den MSCI World. Er kauft damit quasi ein kleines Stück von Apple, Nestlé, Toyota und hunderten anderen Firmen gleichzeitig.

Am Ende schaut Anna auf ihr Konto: aus 10’000 sind rund 17’000 Franken geworden. Nicht schlecht – wäre da nicht die Inflation, die einen Grossteil davon still und leise aufgefressen hat.

Aus 10’000 werden 180’000 Franken

Beat hingegen hat im selben Zeitraum über 180’000 Franken auf dem Konto – das 18-fache seines ursprünglichen Einsatzes, bei einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 8,4%.

Wie ist das möglich? Die Antwort liegt in drei Faktoren – wobei einer davon besonders unterschätzt wird:

Die unheimliche Kraft des Zinseszins-Effekts

Entscheidend ist, was mit den Gewinnen passiert. Werden die ausgeschütteten Dividenden jedes Jahr ausgegeben, landet Beat am Ende bei rund 83’000 Franken. Werden sie hingegen automatisch reinvestiert, arbeitet das Geld weiter und erwirtschaftet seinerseits neue Gewinne. Gewinne auf Gewinne. Jahr für Jahr. Das Ergebnis: über 180’000 Franken.

Die Grafik zeigt den Unterschied deutlich: Bei der oberen Linie werden die Dividenden reinvestiert – der Zinseszins wirkt mit voller Kraft. Bei der unteren Linie werden sie ausgegeben – der Zinseszins wirkt nur eingeschränkt über die Kursgewinne. Der Abstand zwischen den beiden wächst mit jedem Jahr.

MSCI vs. Sparkonto
Performance im Langzeitvergleich 1989–2025: In jeder der 37 Jahre war der MSCI World dem Sparkonto überlegen – trotz Krisen. Wertentwicklung einer einmaligen Investition von 10’000 CHF. MSCI World mit/ohne Reinvestition der Dividenden, in CHF, Währungsrisiko berücksichtigt. Ohne Steuern und Transaktionskosten. Quellen: MSCI Inc. (MSCI World Total Return Index); SNB, Zinssätze Spareinlagen; BFS, Landesindex der Konsumentenpreise (LIK)

Diesen Effekt nennt man Zinseszins. Albert Einstein soll ihn einmal als das 8. Weltwunder bezeichnet haben – und die Zahlen geben ihm recht.

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Langfristig sind wir alle tot

Nun wirst du vielleicht einwenden: So viele Jahrzehnte habe ich gar nicht. Fair enough.

Gehen wir also von einem kürzeren Anlagehorizont aus – sagen wir 10 Jahre. Das ist aus unserer Sicht das Minimum für Aktienanlagen. Denn Aktien können kurzfristig sehr stark schwanken: In einem einzigen Jahr (2008) verlor der MSCI World über 40% seines Wertes!

Geld anlegen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Damit sind wir bei der nächsten Knacknuss: dem vermeintlich richtigen Einstiegszeitpunkt.

Dazu lassen wir Anna und Beat ihr Startkapital von 10’000 Franken in alle möglichen 10-Jahresperioden seit 1989 investieren – und schauen, was dabei herauskommt.

Weiter gehen wir davon aus, dass sowohl Anna als auch Beat die Erträge in Form von Zinsen resp. Dividenden in ihrer Anlage belassen. Somit profitieren beide vom Zinseszinseffekt.

Rollende 10-Jahresperioden 1989–2025: Wer 10 Jahre investiert blieb, erzielte stets eine positive Rendite – ausser in der Dotcom-Periode. Annualisierte Rendite (% p.a.) je Zehnjahresfenster, in CHF, Währungsrisiko berücksichtigt. Negative Inflationswerte infolge der SNB-Frankenaufwertung ab 2015. Ohne Steuern und Transaktionskosten. Quellen: MSCI Inc. (MSCI World Total Return Index); SNB, Zinssätze Spareinlagen; BFS, Landesindex der Konsumentenpreise (LIK)

In fast allen 10-Jahresperioden wirft die Aktienanlage deutlich mehr Rendite ab als das Sparkonto – mit einer einzigen Ausnahme.

Bei Anna glänzt die Periode 1989–1998 mit 3,28% pro Jahr. Am schlechtesten schneidet 2013–2022 ab: mickrige 0,17% nominal.

Beat erzielt seine beste Rendite in der Periode 1990–1999: satte 15,14% pro Jahr. Am schlechtesten läuft es in der Periode 1999–2008 – ein Verlust von 1,23% jährlich. Doppeltes Pech: Beat stieg ausgerechnet auf dem Dotcom-Höchststand ein, und die Finanzkrise 2008 verhagelte ihm kurz vor dem Verkauf die Performance.

Das Problem: Den richtigen Einstiegszeitpunkt kennen wir nicht – und wer darauf wartet, wartet oft zu lang. Die Lösung ist so einfach wie wirkungsvoll: regelmässig Geld anlegen, statt auf den perfekten Moment zu spekulieren. Wer monatlich investiert, kauft mal teuer, mal günstig – und glättet so die Auswirkungen von grossen Kursschwankungen über die Zeit.

Besonders auffällig: Ab der Periode 2013–2022 gleicht das Sparkonto die Inflation nicht mehr aus. Wer sein Geld dort liess, verlor trotz nominaler Zinsen real an Kaufkraft.

Zur Vollständigkeit: In unseren Berechnungen haben wir Währungsrisiken, Kosten und Steuern nicht berücksichtigt.

Bei den Kosten fällt das kaum ins Gewicht: Das Sparkonto ist kostenlos, und die jährlichen Gebühren für ETFs sind heute minimal – oft unter 0,2% pro Jahr. Währungsrisiken und Steuern thematisieren wir in späteren Lektionen.

Fazit

Die Zahlen sind eindeutig: Geld anlegen – langfristig und breit gestreut in Aktien – erzielt deutlich höhere Renditen als auf dem Sparkonto. Der Zinseszins tut dabei still und leise seine Arbeit – je länger, desto kraftvoller. Den «richtigen» Einstiegszeitpunkt gibt es dabei nicht – und wer darauf wartet, verliert wertvolle Zeit.

Diese Lektion hat gezeigt, was historisch möglich war – nicht, was garantiert ist. Ob und wie du selbst investierst, hängt von deiner persönlichen Situation und deinem Risikoprofil ab. Darum geht es in den nächsten Lektionen.

In Lektion 2 schauen wir genauer hin: Was steckt hinter dem Verhältnis von Risiko und Rendite – und warum gibt es das eine nie ohne das andere?

Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.

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Updates

2026-03-11: Text und Datenmaterial aktualisiert.

Disclaimer

Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.

Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über das Geld anlegen nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.