Was passiert, wenn du 10’000 Franken über mehrere Jahrzehnte auf einem Sparkonto liegen lässt – und was, wenn du sie breit gestreut in Aktien investierst?
Sparen fühlt sich sicher an. Geld anlegen klingt riskant. Doch wer die Zahlen kennt, denkt vielleicht anders. In diesem Artikel vergleichen wir die langfristige Entwicklung eines Sparkontos mit dem bekanntesten Weltaktienindex MSCI World – mit echten Daten, konkreten Beispielen und ohne Fachjargon. Du wirst sehen, warum die scheinbar sichere Wahl langfristig die teurere sein kann – und welche Rolle dabei ein oft unterschätzter Effekt spielt: der Zinseszins.
Kurz & bündig
- Breit gestreut in Aktien investiert zu haben, hat sich historisch deutlich mehr gelohnt als sparen – rund 8% jährlich gegenüber 1,5% auf dem Sparkonto, das kaum die Inflation schlägt.
- Der Zinseszins macht den grossen Unterschied: Wer früh beginnt, lässt seine Gewinne für sich arbeiten.
- Kurzfristig schwanken Aktien – wer mindestens zehn Jahre Zeit mitbringt, kann diese Schwankungen aussitzen.
- Auf den perfekten Moment zu warten lohnt sich nicht. Wer regelmässig investiert, ist langfristig besser dran.
- Diese erste Lektion zeigt, was historisch möglich war – keine Garantie für die Zukunft, aber eine starke Motivation, sich mit dem Thema Investieren zu beschäftigen.
Contents
Geld anlegen oder sparen? Der Langzeitvergleich
Stell dir zwei Personen vor. Beide haben 10’000 Franken gespart – und beide brauchen das Geld für die nächsten Jahrzehnte nicht.
Anna legt ihr Geld auf ein Sparkonto. Sicher, bequem, keine Überraschungen.
Beat entscheidet sich anders: Er investiert in Aktien – konkret in einen Fonds, der die grössten Unternehmen aller Industriestaaten enthält, den MSCI World. Er kauft damit quasi ein kleines Stück von Apple, Nestlé, Toyota und hunderten anderen Firmen gleichzeitig.
Am Ende schaut Anna auf ihr Konto: aus 10’000 sind rund 17’000 Franken geworden. Nicht schlecht – wäre da nicht die Inflation, die einen Grossteil davon still und leise aufgefressen hat.
Aus 10’000 werden 180’000 Franken
Beat hingegen hat im selben Zeitraum über 180’000 Franken auf dem Konto – das 18-fache seines ursprünglichen Einsatzes, bei einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 8,4%.
Wie ist das möglich? Die Antwort liegt in drei Faktoren – wobei einer davon besonders unterschätzt wird:
- Langer Anlagehorizont – Zeit ist der wichtigste Faktor
- Hohe Renditen – Aktien werfen historisch deutlich mehr ab als Sparkonten
- Zinseszins – Gewinne werden laufend reinvestiert und erwirtschaften ihrerseits neue Gewinne
Die unheimliche Kraft des Zinseszins-Effekts
Entscheidend ist, was mit den Gewinnen passiert. Werden die ausgeschütteten Dividenden jedes Jahr ausgegeben, landet Beat am Ende bei rund 83’000 Franken. Werden sie hingegen automatisch reinvestiert, arbeitet das Geld weiter und erwirtschaftet seinerseits neue Gewinne. Gewinne auf Gewinne. Jahr für Jahr. Das Ergebnis: über 180’000 Franken.
Die Grafik zeigt den Unterschied deutlich: Bei der oberen Linie werden die Dividenden reinvestiert – der Zinseszins wirkt mit voller Kraft. Bei der unteren Linie werden sie ausgegeben – der Zinseszins wirkt nur eingeschränkt über die Kursgewinne. Der Abstand zwischen den beiden wächst mit jedem Jahr.

Diesen Effekt nennt man Zinseszins. Albert Einstein soll ihn einmal als das 8. Weltwunder bezeichnet haben – und die Zahlen geben ihm recht.

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Langfristig sind wir alle tot
Nun wirst du vielleicht einwenden: So viele Jahrzehnte habe ich gar nicht. Fair enough.
Gehen wir also von einem kürzeren Anlagehorizont aus – sagen wir 10 Jahre. Das ist aus unserer Sicht das Minimum für Aktienanlagen. Denn Aktien können kurzfristig sehr stark schwanken: In einem einzigen Jahr (2008) verlor der MSCI World über 40% seines Wertes!
Geld anlegen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Damit sind wir bei der nächsten Knacknuss: dem vermeintlich richtigen Einstiegszeitpunkt.
Dazu lassen wir Anna und Beat ihr Startkapital von 10’000 Franken in alle möglichen 10-Jahresperioden seit 1989 investieren – und schauen, was dabei herauskommt.
Weiter gehen wir davon aus, dass sowohl Anna als auch Beat die Erträge in Form von Zinsen resp. Dividenden in ihrer Anlage belassen. Somit profitieren beide vom Zinseszinseffekt.

In fast allen 10-Jahresperioden wirft die Aktienanlage deutlich mehr Rendite ab als das Sparkonto – mit einer einzigen Ausnahme.
Bei Anna glänzt die Periode 1989–1998 mit 3,28% pro Jahr. Am schlechtesten schneidet 2013–2022 ab: mickrige 0,17% nominal.
Beat erzielt seine beste Rendite in der Periode 1990–1999: satte 15,14% pro Jahr. Am schlechtesten läuft es in der Periode 1999–2008 – ein Verlust von 1,23% jährlich. Doppeltes Pech: Beat stieg ausgerechnet auf dem Dotcom-Höchststand ein, und die Finanzkrise 2008 verhagelte ihm kurz vor dem Verkauf die Performance.
Das Problem: Den richtigen Einstiegszeitpunkt kennen wir nicht – und wer darauf wartet, wartet oft zu lang. Die Lösung ist so einfach wie wirkungsvoll: regelmässig Geld anlegen, statt auf den perfekten Moment zu spekulieren. Wer monatlich investiert, kauft mal teuer, mal günstig – und glättet so die Auswirkungen von grossen Kursschwankungen über die Zeit.
Besonders auffällig: Ab der Periode 2013–2022 gleicht das Sparkonto die Inflation nicht mehr aus. Wer sein Geld dort liess, verlor trotz nominaler Zinsen real an Kaufkraft.
Zur Vollständigkeit: In unseren Berechnungen haben wir Währungsrisiken, Kosten und Steuern nicht berücksichtigt.
Bei den Kosten fällt das kaum ins Gewicht: Das Sparkonto ist kostenlos, und die jährlichen Gebühren für ETFs sind heute minimal – oft unter 0,2% pro Jahr. Währungsrisiken und Steuern thematisieren wir in späteren Lektionen.
Fazit
Die Zahlen sind eindeutig: Geld anlegen – langfristig und breit gestreut in Aktien – erzielt deutlich höhere Renditen als auf dem Sparkonto. Der Zinseszins tut dabei still und leise seine Arbeit – je länger, desto kraftvoller. Den «richtigen» Einstiegszeitpunkt gibt es dabei nicht – und wer darauf wartet, verliert wertvolle Zeit.
Diese Lektion hat gezeigt, was historisch möglich war – nicht, was garantiert ist. Ob und wie du selbst investierst, hängt von deiner persönlichen Situation und deinem Risikoprofil ab. Darum geht es in den nächsten Lektionen.
In Lektion 2 schauen wir genauer hin: Was steckt hinter dem Verhältnis von Risiko und Rendite – und warum gibt es das eine nie ohne das andere?
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
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Updates
2026-03-11: Text und Datenmaterial aktualisiert.
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Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über das Geld anlegen nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
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4 Kommentare
8 übersichtliche Lektionen, toll geschrieben! Auf meinem Blog habe ich eine Finanzwanderroute angelegt 🙂 über dein Feedback wäre ich sehr gespannt! LG Eric
Danke für die Blumen, Eric. Übrigens, eine originelle, gelungene Idee, deine Finanzwanderroute. Viel Erfolg mit deinem Blog!
LG Stefan von SFB
Hallo zusammen
Toller Beitrag zum Thema investieren
Herzlichen Dank Manuel für dein positives Feedback! Stefan & Toni