Dein Portfolio steht, deine Vermögensaufteilung ist festgelegt – und dann machen die Märkte, was sie wollen. Kurse steigen, fallen, verschieben sich. Plötzlich passt dein Portfolio nicht mehr zu deinem Risikoprofil. Muss das sein? Nicht unbedingt. Wie du mit wenig Aufwand dein Vermögen wieder ins Lot bringst – und wann du dir das komplett sparen kannst –, erfährst du in dieser 5. Lektion unseres Finanzleitfadens.
< Lektion 4 | Überblick | Lektion 6 >
Kurz & bündig
In der letzten Lektion hast du erfahren, wie du dein Vermögen in einen risikoreichen und einen risikoarmen Teil aufteilen kannst. Damit steht das Fundament deines Portfolios. Doch die Märkte halten sich nicht an deine Planung: Kurse steigen und fallen, und mit ihnen verschieben sich die Gewichtungen. Rebalancing bedeutet, die ursprüngliche Aufteilung wiederherzustellen.
Ein Beispiel: Du hast 100’000 CHF angelegt – 75% risikoreich, 25% risikoarm.

Nun brechen die Aktienmärkte um 30% ein. Dein risikoreicher Teil fällt von 75’000 auf 52’500 CHF, die 25’000 CHF auf dem Sparkonto bleiben unverändert. Dein Gesamtvermögen beträgt neu 77’500 CHF – und der risikoarme Anteil liegt plötzlich bei 32% statt 25%. Dein Portfolio ist deutlich konservativer, als du es geplant hast.

Um wieder auf 75/25 zu kommen, müsstest du rund 5’600 CHF vom Sparkonto in den risikoreichen Teil umschichten – ausgerechnet nach einem Crash, wenn das Bauchgefühl dagegen spricht. Genau das ist Rebalancing: eine nüchterne, regelbasierte Korrektur, die dein Portfolio wieder an dein Risikoprofil angleicht.
Doch bevor du jetzt einen Rebalancing-Kalender anlegst: Nicht jedes Portfolio braucht diese Korrektur. Wer einen einzigen globalen ETF hält und den risikoarmen Teil als fixen Frankenbetrag definiert – z.B. 25’000 CHF auf dem Sparkonto, exklusive Notgroschen –, hat schlicht nichts zu rebalancen. Der ETF wird intern vom Anbieter laufend angepasst. Und ein fester Betrag verschiebt sich nicht, egal was die Märkte machen. Beim selben Crash bleiben deine 25’000 CHF, wo sie sind. Dein risikoreicher Teil ist kleiner geworden, aber dein Risikoprofil hat sich nicht verändert. Kein Handlungsbedarf.
Relevant wird Rebalancing also dann, wenn der risikoarme Teil als Prozentsatz definiert ist (wie im Beispiel oben) oder wenn das Portfolio aus mehreren ETFs besteht, etwa in einem Core-Satellite-Ansatz. In beiden Fällen driften die Gewichtungen mit der Zeit auseinander – und du musst aktiv nachjustieren. Wie das pragmatisch und kostengünstig geht, schauen wir uns jetzt an.
Zwei Fragen stellen sich: Wann sollst du rebalancen? Und wie?
In der Theorie gibt es zwei Ansätze: kalenderbasiert und schwellenbasiert. Beim kalenderbasierten Ansatz prüfst du dein Portfolio in festen Intervallen – etwa einmal pro Jahr. Beim schwellenbasierten Ansatz handelst du erst, wenn eine Abweichung einen bestimmten Wert überschreitet, z.B. 5 Prozentpunkte.
In der Praxis lässt sich beides kombinieren: Du prüfst dein Portfolio ein- bis zweimal im Jahr – und greifst nur ein, wenn die Abweichung gross genug ist. Das reicht. Rebalancing ist kein Tagesgeschäft, sondern eine gelegentliche Stellschraube.
Grundsätzlich gibt es drei Methoden, um dein Portfolio wieder an die Zielgewichtung anzugleichen:
Wer jede Position frankengenau ausgleicht, zahlt unnötig hohe Transaktionsgebühren – gerade bei kleineren Beträgen. Konzentrier dich auf die grössten Abweichungen. Stimmt die übergeordnete Aufteilung zwischen risikoreichem und risikoarmem Teil wieder, kannst du kleinere Ungleichgewichte innerhalb des risikoreichen Teils getrost ignorieren. Beim nächsten Spareinschuss richtest du sie einfach wieder aus. Als Faustregel: Weicht eine Position um mehr als 5 Prozentpunkte von ihrer Zielgewichtung ab, ist ein Eingriff angezeigt. Darunter lohnt sich der Aufwand in den meisten Fällen nicht.
Wie das konkret aussieht, zeigt folgende Grafik.

Das bisher Beschriebene bezieht sich auf die Ansparphase – also die Zeit, in der du dein Vermögen aufbaust. Doch auch wer im Ruhestand Vermögen entnimmt, kann rebalancen. Das Prinzip dreht sich einfach um: Statt neue Einzahlungen gezielt zu lenken, verkaufst du zuerst Positionen, die über ihrer Zielgewichtung liegen. So bringst du mit jeder Entnahme dein Portfolio näher an die Zielgewichtung – ohne zusätzliche Transaktionen.
Falls du einen Teil deines Vermögens in der 3. Säule hältst: Hier ist Rebalancing in der Regel automatisiert. Du hinterlegst einmalig dein Risikoprofil, und der Anbieter übernimmt die Nachjustierung für dich – oft bereits in den Verwaltungsgebühren enthalten. Um das Rebalancing deines freien Vermögens musst du dich trotzdem selbst kümmern.
Rebalancing hat für Privatanleger:innen in der Schweiz grundsätzlich keine steuerlichen Konsequenzen. Kapitalgewinne auf dem Privatvermögen sind steuerfrei. Einzige Ausnahme: Wer derart häufig und in grossem Umfang handelt, dass die Steuerbehörde einen gewerbsmässigen Wertschriftenhandel vermutet, muss Gewinne als Einkommen versteuern. Bei ein bis zwei Rebalancing-Transaktionen pro Jahr ist das kein Thema.
Das Hauptziel von Rebalancing ist klar: Dein Portfolio soll wieder zu deinem Risikoprofil passen. Doch es gibt einen angenehmen Nebeneffekt, der in der Fachliteratur als Rebalancing-Bonus bekannt ist.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Beim Rebalancing kaufst du systematisch Anlagen nach, die gefallen sind, und reduzierst solche, die gestiegen sind. Du handelst also antizyklisch – und genau dieses Verhalten kann langfristig eine kleine Mehrrendite erzeugen. Verschiedene Studien beziffern diesen Effekt auf rund 0,1 bis 0,5 Prozentpunkte pro Jahr.
Der Rebalancing-Bonus ist kein Naturgesetz. Er funktioniert am besten, wenn Kurse nach Ausschlägen wieder zum Mittelwert zurückkehren – die sogenannte Regression zum Mittelwert. In Phasen mit langanhaltenden Trends kann Rebalancing dagegen bremsen, weil du Gewinner zu früh verkaufst. Kein Geringerer als Charlie Munger, langjähriger Partner von Warren Buffett, lehnte Rebalancing aus genau diesem Grund dezidiert ab: Wer Gewinner systematisch stutze, bremse das Wachstum seines Portfolios.
Hinzu kommen die Transaktionskosten. Wer bei einer teuren Hausbank rebalancen muss, frisst den Bonus schnell wieder auf. Der Rebalancing-Bonus lohnt sich daher nur mit einem kostengünstigen Online-Broker, bei dem die Gebühren pro Transaktion tief sind.
Deshalb: Sieh den Bonus als willkommenes Extra, nicht als Garantie.
«Das eigentliche Argument fürs Rebalancing ist nicht die Mehrrendite – sondern die Risikokontrolle.»
– Partnerangebote –
Noch auf der Suche nach der passenden Finanzlösung? Unsere Empfehlungen – mit attraktiven Startboni.

– – – – –
Rebalancing ist kein drittes grosses Anlage-Prinzip neben Diversifikation und Asset Allocation – sondern die Wartung, die dafür sorgt, dass dein Portfolio auch nach Marktschwankungen zu deinem Risikoprofil passt.
Wer es einfach hält – ein globaler ETF und ein fixer Frankenbetrag auf dem Sparkonto –, braucht sich darum nicht zu kümmern. Für alle anderen gilt: Ein- bis zweimal im Jahr prüfen, bei grösseren Abweichungen nachjustieren, am besten über neue Einzahlungen statt über Verkäufe. Perfektion ist dabei fehl am Platz – solange die übergeordnete Aufteilung stimmt, kannst du kleinere Ungleichgewichte getrost ignorieren.
In Lektion 6 schauen wir uns das Anlagevehikel genauer an, das in diesem Leitfaden immer wieder auftaucht: den ETF. Was steckt dahinter – und warum sprechen wir von einer Revolution der privaten Geldanlage?
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-04-14: Artikel vollständig überarbeitet und aktualisiert.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über das Rebalancing nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Wie viel deines Vermögens gehört in Aktien – und wie viel bleibt auf dem Bankkonto? Die Antwort darauf ist der wichtigste Entscheid bei deiner Geldanlage. Nicht die Wahl des richtigen ETF, nicht der perfekte Einstiegszeitpunkt – sondern die Frage, wie du dein Vermögen strukturierst. Wie du deine persönliche Asset Allocation Schritt für Schritt bestimmst und welche Rolle dabei dein Risikoprofil, die Liquiditätsreserve und die 3. Säule spielen, erfährst du in dieser vierten Lektion unseres Finanzleitfadens.
< Lektion 3 | Überblick | Lektion 5 >
Kurz & bündig
Hinter dem englischen Begriff Asset Allocation steckt eine simple Idee: die Strukturierung deines Vermögens. Konkret geht es um die Frage, wie du dein Geld auf verschiedene Anlageklassen verteilst – wie viel fliesst in Aktien, wie viel bleibt auf dem Bankkonto, wie viel steckst du allenfalls in Immobilien oder andere Anlagen?
Wenn Diversifikation der Bauplan ist, dann ist die Asset Allocation – oder eben deine Vermögensstruktur – das Fundament deines Hauses. Sie bestimmt, wie stabil das Gebäude steht, nicht die Farbe der Wände oder das Modell der Küche. Zahlreiche Studien bestätigen genau das: Nicht die Wahl einzelner Produkte, sondern die Aufteilung deines Vermögens hat den grössten Einfluss auf den langfristigen Anlageerfolg. An deiner Vermögensaufteilung richtest du alle weiteren Anlageentscheide aus.
Bevor wir in die Details gehen, lohnt sich ein Blick auf das Gesamtbild. Dein Vermögen lässt sich in drei Bereiche gliedern, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen:
Zu jeder soliden Finanzplanung gehört eine Liquiditätsreserve – ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Bankkonto. Diese Reserve dient dazu, unvorhergesehene Ausgaben wie Jobverlust, Krankheit oder grössere Reparaturen abzufedern, ohne dass du deine Investitionen antasten musst.
Auch wenn die Liquiditätsreserve ebenfalls risikoarm auf dem Bankkonto liegt – sie ist nicht Teil deiner Asset Allocation. Der Unterschied: Der risikoarme Anteil deiner Anlage ist eine bewusste strategische Entscheidung innerhalb deines Portfolios. Die Liquiditätsreserve hingegen ist eine Voraussetzung, die erfüllt sein muss, bevor du überhaupt ans Investieren denkst. Sie ist reserviert für Notfälle – und damit tabu für Anlagezwecke. Ebenso Vorrang hat die Tilgung allfälliger Konsumkredite – deren Zinsen übersteigen jede realistische Anlagerendite.
Erst was nach Notgroschen und Schuldenabbau übrig bleibt, ist dein frei verfügbares Anlagevermögen. Und genau dieses Vermögen wird nun per Asset Allocation strukturiert.
Wie du dein frei verfügbares Vermögen aufteilst, hängt von deinem individuellen Risikoprofil ab – also vom Zusammenspiel deiner Risikobereitschaft und deiner Risikofähigkeit, die wir in Lektion 2 ausführlich behandelt haben.
Zur Erinnerung: Risikobereitschaft beschreibt, wie viel Kursverlust du aushältst, ohne nachts wach zu liegen oder in Panik zu verkaufen. Risikofähigkeit beschreibt, wie viel Verlust dein Portemonnaie verkraftet, ohne dass du in finanzielle Bedrängnis gerätst – bestimmt durch deine finanzielle Ausgangslage und deinen Anlagehorizont.
Beide Faktoren müssen im Einklang stehen. Ein Beispiel: Du bist jung, gut verdienend und könntest finanziell problemlos 50% Kursverlust verkraften. Aber bei minus 20% wirst du nervös und verkaufst. Dann ist nicht deine Risikofähigkeit entscheidend, sondern deine Risikobereitschaft – sie setzt die engere Grenze. Umgekehrt: Wer sich als risikofreudig einstuft, aber in drei Jahren eine Wohnung kaufen will, sollte sich an die tiefere Risikofähigkeit halten. Kurz: Der vorsichtigere der beiden Faktoren gibt den Rahmen vor.
Basierend auf deinem Risikoprofil teilst du dein frei verfügbares Anlagevermögen in zwei Teile auf: einen risikoreichen und einen risikoarmen Teil. Als Faustregel gilt: Je höher der Aktienanteil, desto risikoreicher – aber auch renditeträchtiger – ist dein Portfolio.
Gehen wir von einem fiktiven Anlagevermögen von 100’000 Franken aus – der Notgroschen ist bereits gesichert. Du verfügst über ein geregeltes Einkommen und hast die laufenden Kosten im Griff. Fünf typische Aufteilungen für dein Vermögen:
| Risikoprofil | Risikoreich* | Risikoarm** |
|---|---|---|
| Defensiv | 0–20% | 80–100% |
| Konservativ | 20–40% | 60–80% |
| Ausgewogen | 40–60% | 40–60% |
| Dynamisch | 60–80% | 20–40% |
| Offensiv | 80–100% | 0–20% |
Beim offensiven Profil empfehlen wir aufgrund der hohen Schwankungsanfälligkeit einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren. Konservativere Modelle mit tiefem Aktienanteil eignen sich dagegen auch für kürzere Zeiträume.
Der risikoreiche Teil ist der Renditetreiber deines Portfolios – und sein wichtigster Baustein sind Aktien.
«Im risikoreichen Teil kommst du um Aktien nicht herum.»
Konkret erfüllt er vier Aufgaben:
Als Anlagevehikel eignen sich ETFs besonders gut, die breite Marktindizes aller Weltregionen abbilden. Weshalb wir ETFs bei der Geldanlage als besonders attraktiv beurteilen, erfährst du in Lektion 6.
Die einfachste und zugleich eleganteste Lösung: Mit einem einzigen globalen ETF – etwa dem Vanguard FTSE All-World oder einem MSCI ACWI ETF – investierst du in Tausende Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, gewichtet nach Marktkapitalisierung. Ein einziger Kauf, globale Streuung, minimaler Aufwand. Das ist die Kernidee des passiven Investierens – und für die meisten Anleger:innen der optimale Einstieg.
Wer über dieses Fundament hinausgehen möchte, kann den Core-Satellite-Ansatz aus Lektion 3 anwenden. Der Core – 70 bis 100% des risikoreichen Teils – bleibt ein breit diversifizierter Aktien-ETF. Wer möchte, ergänzt den Rest bis maximal 30% im Satellit mit gezielten Beimischungen:
Faustregel: Je exotischer die Anlage, desto kleiner ihre Gewichtung.
Der risikoarme Teil ist der Stabilitätsanker deines Portfolios – und die Beruhigungspille für dein Nervenkostüm. Wenn die Börsen wieder einmal 30% einbrechen, ist es dieser Teil, der dafür sorgt, dass du gelassen bleibst. Konkret erfüllt er drei Aufgaben:
Bankguthaben – auf Spar- oder Privatkonto – sind die einfachste und liquideste Variante. Du kannst jederzeit darauf zugreifen. In der Schweiz sind Guthaben bis 100’000 CHF pro Person und Bank durch die Einlagensicherung geschützt. Die Renditeerwartung ist klar: bestenfalls ein gewisser Inflationsschutz, aber kein reales Vermögenswachstum. Das ist auch nicht die Aufgabe dieses Teils – er soll dir Sicherheit und Handlungsfähigkeit geben.
Obligationen hoher Bonität – etwa Schweizer Staatsanleihen mit Bestnote «AAA» – bieten ebenfalls hohe Sicherheit. Ihre Rendite bewegt sich in der Schweiz aber historisch nahe an der Inflation. Wer nach Abzug der Teuerung auf nennenswerten Ertrag hofft, wird bei Schweizer Obligationen in der Regel enttäuscht. Als Stabilisator im Portfolio können sie dennoch eine Rolle spielen – insbesondere für Anleger:innen mit einem ausgewogenen oder konservativen Profil.
Weitere Optionen wie Kassenobligationen oder Festgeld bieten etwas mehr Rendite als das Sparkonto, binden dafür aber das Kapital für eine feste Laufzeit. Eine Übersicht dazu findest du in Lektion 2.
«Die Festlegung deiner individuellen, auf dein Risikoprofil abgestimmten Asset Allocation ist das A und O bei deiner Geldanlage.»

Eine Frage, die uns immer wieder erreicht: Wo in meiner Asset Allocation gehört eigentlich das 3a-Guthaben hin – risikoarm oder risikoreich?
Unsere Antwort: Weder noch. Dein 3a-Guthaben ist gebundenes Vorsorgevermögen – du kannst es nicht einfach abheben, wenn du willst. Vorzeitige Bezüge sind nur in wenigen Fällen möglich, etwa beim Kauf von Wohneigentum, bei Auswanderung oder beim Schritt in die Selbständigkeit. Deshalb gehört die Säule 3a nicht in dieselbe Schublade wie dein frei verfügbares Vermögen, sondern folgt eigenen Regeln.
Was aber nicht heisst, dass du sie ignorieren solltest – im Gegenteil. Wer noch 10, 20 oder mehr Jahre bis zur Pensionierung hat, sitzt auf einem enormen Zinseszins-Hebel. Und genau deshalb empfehlen wir, die 3. Säule aktienbasiert anzulegen. Der grösste Renditefresser dabei? Die Gebühren. Traditionelle Bankprodukte verlangen oft 1% oder mehr pro Jahr – klingt nach wenig, kann sich aber langfristig zu Zehntausenden Franken an entgangener Rendite summieren. Günstige Online-Anbieter mit Gebühren unter 0,5% machen hier einen gewaltigen Unterschied.
– Partnerangebote –
Noch auf der Suche nach der passenden Finanzlösung? Unsere Empfehlungen – mit attraktiven Startboni.

– – – – –
Die Asset Allocation ist der wichtigste Entscheid bei deiner Geldanlage – wichtiger als die Wahl einzelner Produkte, wichtiger als der Einstiegszeitpunkt, wichtiger als die Frage, ob du ETF A oder ETF B kaufst. Sie ist dein Fixstern, an dem du alle weiteren Anlageentscheide ausrichtest.
Das Prinzip ist einfach: Sichere zuerst deine Liquiditätsreserve. Teile dann dein frei verfügbares Vermögen basierend auf deinem Risikoprofil in einen risikoreichen und einen risikoarmen Teil auf. Im risikoreichen Teil stehen breit diversifizierte Aktien-ETFs im Kern – wer möchte, ergänzt mit Beimischungen nach dem Core-Satellite-Prinzip. Im risikoarmen Teil sorgen Bankguthaben für Stabilität und ruhigen Schlaf. Dein 3a-Guthaben betrachtest du separat – aktienbasiert und kostengünstig.
Notiere deine Ziel-Allokation – damit du sie periodisch überwachen und bei Bedarf gegensteuern kannst. Denn wenn Aktien steigen oder fallen, verschiebt sich die Gewichtung automatisch. Wie du deine ursprüngliche Portfoliostruktur einfach und kostengünstig wiederherstellst, behandeln wir in unserer nächsten Lektion: Rebalancing.
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-04-10: Artikel vollständig überarbeitet und aktualisiert.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über die Asset Allocation nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Warum schlägt ein breit gestreutes Portfolio den vermeintlich cleversten Aktientipp? Die Antwort steckt in einem der mächtigsten Konzepte der modernen Finanztheorie – und im einzigen echten «Free Lunch» beim Investieren. Wie du Diversifikation in zwei Stufen wirkungsvoll einsetzt, wo ihre Grenzen liegen und was das für deinen Vermögensaufbau bedeutet, erfährst du in dieser dritten Lektion unseres Finanzleitfadens.
< Lektion 2 | Überblick | Lektion 4 >
Kurz & bündig
Zugegeben: Einfach ist es nicht, dem vermeintlich sicheren Aktientipp mit rosigen Gewinnaussichten aus dem vertrauten Bekanntenkreis zu widerstehen. Nötig ist es aber allemal!
«Die Jagd nach Einzeltiteln, auch Stock-Picking genannt, kann gründlich nach hinten losgehen.»
Investierst du nämlich in einen Einzeltitel, sind substanzielle Kursverluste ohne Aussichten auf eine nachhaltige Erholung ein leider allzu realistisches Szenario. Und zwar sind davon längst nicht nur exotische Titel betroffen, sondern ebenso bekannte und etablierte Schweizer Unternehmen.
Die Swatch Group, einst ein beliebter Titel an der Schweizer Börse, hat seit ihrem Hoch im November 2013 rund 70% ihres Wertes verloren – wie der Chart eindrücklich zeigt.

Noch drastischer ist der Worst Case: Konkurs. Die Swissair, einst stolze Fluggesellschaft der Nation, musste im Oktober 2001 am Boden bleiben – Aktionäre verloren alles. Nicht viel besser erging es den Anlegern der Credit Suisse: Einst eine der grössten Banken der Welt, wurde sie im März 2023 nach einer Vertrauenskrise für wenig Geld notfallmässig von der UBS übernommen. Aktionäre verloren praktisch alles.
Das Gegenteil von Stock-Picking ist übrigens nicht zwingend passives Investieren – auch aktiv verwaltete Fonds halten oft Hunderte von Titeln und sind damit breit diversifiziert. Das eigentliche Gegenkonzept ist die Konzentration auf wenige Titel. Und genau diese Konzentration erhöht das Risiko – ohne die Rendite zu steigern.
Aber Konzentration zeigt sich nicht nur im Stock-Picking. Wer sein gesamtes Vermögen auf dem Sparkonto hält, konzentriert sich ebenfalls auf eine einzige Anlageform – mit dem Unterschied, dass hier nicht Kursverluste drohen, sondern schleichender Kaufkraftverlust durch Inflation. Und der Zinseszinseffekt, der langfristig den entscheidenden Unterschied macht, bleibt praktisch wirkungslos. Wie gross dieser Unterschied über Jahrzehnte ist, haben wir in Lektion 1 gezeigt.
Wie Diversifikation dieses Risiko löst – und was die Wissenschaft dazu sagt – erfährst du im nächsten Kapitel.
Damit sind wir bei der Modernen Portfoliotheorie (MPT) nach Harry Markowitz angelangt. Für seine bahnbrechende Doktorarbeit hat er im Jahr 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten.
Markowitz führte erstmals einen theoretischen Nachweis über die positive Auswirkung von Diversifikation auf Risiko und Rendite eines Gesamtportfolios. Kern seiner Theorie ist die Unterscheidung zwischen systematischem und unsystematischem Risiko.
Dem systematischen Risiko – also Marktrisiken wie Zinsanstiege, Rezessionen oder politische Instabilitäten – sind alle Wertpapiere am Markt unterworfen. Es lässt sich nicht wegdiversifizieren und ist schlicht der Preis des Investierens selbst.
Das unsystematische Risiko hingegen ist das unternehmensspezifische Risiko – etwa Managementfehler wie beim Abgasskandal von VW. Dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation verringern. Und das ist die entscheidende Pointe: Der Markt entschädigt dich für das systematische Risiko – für das unsystematische nicht. Wer auf Einzeltitel setzt, trägt also unnötiges Risiko, ohne dafür mehr Rendite erwarten zu können.
«Das unternehmensspezifische Risiko lässt sich durch Diversifikation verringern – das Marktrisiko nicht.»
Die stärksten Diversifikationseffekte erreichst du, wenn du Anlagen mit möglichst tiefer Korrelation kombinierst. Die Bandbreite erstreckt sich von +1 (gleiche Entwicklung) über 0 (unabhängige Entwicklung) bis –1 (gegenläufige Entwicklung). Innerhalb der Assetklasse Aktien liegen typische Korrelationen zwischen 0.70 und 0.95 – der Effekt ist real, aber begrenzt. Deutlich mehr bringt die Kombination verschiedener Assetklassen, wie wir weiter unten sehen.
Markowitz hat nicht nur gezeigt, dass Diversifikation das Risiko senkt – er hat auch präzisiert, wie viel Risiko für eine gegebene Rendite mindestens eingegangen werden muss. Das Ergebnis ist die Effizienzlinie (englisch: Efficient Frontier).
Die Effizienzlinie entsteht, wenn man alle denkbaren Portfoliokombinationen in einem Diagramm einträgt – mit dem Risiko auf der X-Achse und der erwarteten Rendite auf der Y-Achse.
Portfolios auf der Kurve sind effizient: Sie erzielen für ein gegebenes Risiko die maximal mögliche Rendite. Portfolios darunter sind ineffizient – zu viel Risiko für zu wenig Rendite. Portfolios oberhalb der Kurve sind schlicht nicht erreichbar.

«Diversifikation ist der einzige Free Lunch beim Investieren: gleiche Renditeerwartung – aber weniger Risiko.»
Ein globaler Aktien-ETF wie der FTSE All-World liegt nahe am MEP – dem Maximum-Ertrags-Portfolio am oberen Ende der Effizienzlinie. Ein einzelner Aktientitel wie die Swatch Group hingegen liegt rechts ausserhalb der Kurve: Bei gleicher oder sogar tieferer Renditeerwartung trägst du deutlich mehr Risiko – ohne dafür entschädigt zu werden. Genau das ist der «Free Lunch» der Diversifikation: nicht mehr Rendite, sondern weniger Risiko bei gleicher Renditeerwartung.
Theorie ist schön – aber wie setzt du Diversifikation konkret um? Und wie weit musst du gehen? Die alte Börsenweisheit, wonach man nicht alle Eier in denselben Korb legen soll, kommt in zwei Stufen. Doch zunächst solltest du eine wichtige Voraussetzung erfüllen.
Der Notgroschen. Bevor du investierst, solltest du ein Bankguthaben von drei bis sechs Monatsausgaben als Liquiditätsreserve zurückbehalten. Diese Reserve dient dazu, unvorhergesehene Ausgaben – infolge Jobverlust, Krankheit oder Reparaturen – abzufedern, ohne dass du deine Investitionen antasten musst. Ebenfalls Vorrang hat die Tilgung allfälliger Konsumkredite, denn deren Zinsen übersteigen jede realistische Anlagerendite. Erst wenn du diese Reserve gebildet hast und frei von Konsumschulden bist, kannst du den Rest deines Vermögens wirklich langfristig anlegen.
Beginnen wir mit der wichtigsten Ebene: Aktien breit streuen. Eine einfache Faustregel hilft bei der Orientierung:

Wer einen MSCI World ETF kauft und glaubt, perfekt diversifiziert zu sein, sollte genauer hinschauen: Rund 70% des Index entfallen auf US-Aktien, davon über 20% allein auf die sieben grössten Technologiekonzerne («Magnificent Seven»). Zudem deckt der MSCI World ausschliesslich entwickelte Märkte grosser und mittlerer Unternehmen ab – Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien sind nicht enthalten. Wer echte geografische Streuung will, hat zwei Möglichkeiten: entweder den Emerging-Markets-Anteil mit einem separaten ETF ergänzen, oder direkt auf einen MSCI ACWI bzw. FTSE All-World setzen, die Schwellenländer bereits enthalten. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, nimmt zusätzlich einen Small-Cap-ETF ins Portfolio – und erfasst damit auch die kleineren Unternehmen.
Auch der Gesetzgeber kennt Diversifikationsregeln: Für UCITS-Fonds – die Standardstruktur der meisten in der Schweiz erhältlichen ETFs – gilt die sogenannte 5-10-40-Regel: Einzelne Positionen über 5% des Fondsvermögens dürfen zusammen nicht mehr als 40% ausmachen. UCITS ist dabei kein Muss, sondern ein Qualitätsmerkmal, das Anleger:innen schützen soll. Andere ETFs – etwa jene, die den bekanntesten Schweizer Index SMI abbilden – erfüllen die Anforderungen nicht, da Nestlé, Novartis und Roche zusammen regelmässig über 50% des Index ausmachen. Wenn du also gut gestreut investieren möchtest, solltest du auf das UCITS-Label achten.
Wenn du global investierst, investierst du automatisch in Fremdwährungen – ein FTSE All-World besteht zu rund 60% aus US-Dollar-Titeln. Entscheidend ist dabei nicht, ob du deinen ETF in CHF oder USD kaufst, sondern in welchen Währungsräumen die Unternehmen im Fonds tätig sind.
Ist das ein Grund, auf globale Diversifikation zu verzichten? Nein. Langfristig überwiegen die Diversifikationsvorteile deutlich, und Währungsschwankungen gleichen sich über die Zeit teilweise aus. Währungsgesicherte ETFs («hedged») gibt es zwar, sie kosten aber mehr und fressen langfristig Rendite. Für die meisten Anleger:innen mit langem Horizont ist das Währungsrisiko schlicht auszuhalten – und Teil des Pakets.
In Kombination mit einer soliden Liquiditätsreserve auf dem Bankkonto bist du mit Stufe 1 bereits gut aufgestellt – ein globaler Aktien-ETF deckt das Wichtigste ab. Wenn du aber noch einen Schritt weitergehen möchtest – Schwankungen reduzieren oder zusätzliche Renditechancen erschliessen –, kombinierst du verschiedene Assetklassen. Das ist Stufe 2.
Noch wirkungsvoller als die Streuung innerhalb von Aktien ist die Kombination verschiedener Assetklassen – weil deren Korrelationen untereinander deutlich tiefer sind als innerhalb der Assetklasse Aktien. Während Aktien aus verschiedenen Märkten noch Korrelationen von 0.70 bis 0.95 aufweisen, liegen die Korrelationen zwischen Aktien und anderen Assetklassen oft deutlich tiefer – teilweise nahe bei null oder sogar negativ. Je tiefer die Korrelation, desto grösser der Diversifikationseffekt.
Obligationen entwickeln sich oft gegenläufig zu Aktien – in Krisenzeiten steigen Anleihepreise, wenn alle nach Sicherheit suchen. Allerdings gilt das nicht immer: 2022 verloren sowohl Aktien als auch Anleihen massiv an Wert, als die Zentralbanken die Zinsen drastisch erhöhten. Anleihen sind also kein Allheilmittel, können aber über lange Zeiträume ein wertvoller Portfolioanker sein.
Ein klassisches Beispiel ist das 60/40-Portfolio: 60% globale Aktien, 40% Anleihen. Es gilt seit Jahrzehnten als bewährter Ausgangspunkt für Personen mit einem ausgewogenen Anlageverhalten – mehr Stabilität, aber auch weniger Rendite als bei der reinen Aktienanlage. Wer einen langen Anlagehorizont hat und auf maximales Wachstum setzt, wird Anleihen als Renditebremse empfinden. Die richtige Gewichtung hängt letztlich vom individuellen Risikoprofil ab – genau das Thema der nächsten Lektion.
Wer sein Portfolio über klassische Assetklassen hinaus erweitern möchte, findet im Bereich der alternativen Anlagen weitere Diversifikationsquellen – mit unterschiedlichen Rendite-, Risiko- und Liquiditätsprofilen.
Alle Assetklassen können das Portfolio sinnvoll ergänzen – aber keine ersetzt das stabile Fundament aus diversifizierten Aktien-ETFs. Die goldene Regel: Je exotischer die Anlage, desto kleiner sollte ihre Gewichtung sein.
Der Core-Satellite-Ansatz löst das scheinbare Dilemma zwischen Diversifikation und Konzentration elegant auf. Die Idee ist simpel:
Der entscheidende Vorteil: Du behältst die Disziplin der Diversifikation im Kern, ohne auf die Freude am aktiven Anlegen zu verzichten. Und du weisst jederzeit, was auf dem Spiel steht.
Hier kommt ein Punkt, den Finanzblogs oft verschweigen, weil er die Hauptbotschaft zu untergraben scheint. Aber er gehört zur Wahrheit:
Aussergewöhnliche Renditen entstehen durch Konzentration, nicht durch Diversifikation.
Warren Buffett erzielte seine Überrenditen, weil er massiv auf wenige sorgfältig ausgewählte Unternehmen setzte. Private-Equity-Fonds outperformen den Markt – sofern sie es tun – ebenfalls durch konzentrierte Wetten. Wer in der Vergangenheit alles auf Nvidia oder Apple gesetzt hätte, wäre heute reich.
Das klingt verlockend – ist aber für die grosse Mehrheit kein realistischer Pfad. Und zwar aus einem einfachen Grund: Konzentration erhöht nicht nur die Chancen, sondern gleichermassen die Risiken. Für jeden Buffett gibt es Hunderte, die auf das falsche Pferd gesetzt haben und Totalverluste erlitten. Überrenditen durch Konzentration erfordern fundierte Analysen, ein robustes psychologisches Profil, viel Zeit – und vor allem ein erhebliches Mass an Glück.
Für die meisten Privatanleger:innen gilt deshalb: Diversifikation ist nicht der Weg zu Superrenditen – aber der Weg zu soliden, risikobereinigten Renditen über Jahrzehnte. Und genau das ist es, was nachhaltiger Vermögensaufbau in der Praxis bedeutet.
– Partnerangebote –
Noch auf der Suche nach der passenden Finanzlösung? Unsere Empfehlungen – mit attraktiven Startboni.

– – – – –
Diversifikation ist kein fauler Kompromiss – sie ist der einzige nachgewiesene «Free Lunch» beim Investieren: gleiches Renditepotenzial, weniger Risiko. Wenn du Einzeltitel häufst, trägst du unnötiges Risiko ohne entsprechende Renditeentschädigung. Und wenn du dein Vermögen auf dem Sparkonto parkierst, vermeidest du zwar Kursschwankungen – zahlst aber einen anderen Preis: schleichenden Kaufkraftverlust durch Inflation und entgangenen Zinseszins.
Bereits die erste Stufe – ein globaler Aktien-ETF kombiniert mit einer soliden Liquiditätsreserve – bildet ein tragfähiges Fundament. Wenn du noch weitergehen möchtest, diversifizierst du zusätzlich über verschiedene Assetklassen hinweg – mit Augenmass.
Der Core-Satellite-Ansatz kombiniert das Beste aus beiden Welten: ein stabiles Fundament dank Diversifikation und Raum für gezielte Positionen dank kontrollierter Konzentration.
In der vierten Lektion dieses Finanzleitfadens setzen wir genau hier an und widmen uns der Asset Allocation – also der Frage, wie du dein Gesamtvermögen abgestimmt auf dein individuelles Risikoprofil auf die verschiedenen Assetklassen verteilst.
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-04-10: Rohstoffe und Kryptowährungen zu den alternativen Anlageklassen hinzugefügt.
2026-04-06: Artikel vollständig überarbeitet und aktualisiert.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über die Diversifikation der Geldanlage nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Warum wirft die eine Vermögensanlage eine attraktive Rendite ab, während eine andere kaum die Inflation schlägt? Die Antwort steckt im magischen Dreieck der Geldanlage – und in einem Zielkonflikt, dem niemand entkommt. Welche drei Faktoren bei deinem Vermögensaufbau entscheidend sind, wie sie voneinander abhängen und welche Ziele du gleichzeitig verfolgen kannst – und welche nicht – erfährst du in dieser zweiten Lektion unseres Finanzleitfadens.
< Lektion 1 | Überblick | Lektion 3 >
Kurz & bündig
Das magische Dreieck der Geldanlage bezeichnet die drei untereinander konkurrierenden Ziele der Vermögensanlage: Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit. Die Abbildung unten symbolisiert diese Ziele durch die Eckpunkte eines Dreiecks.

Die Rendite beschreibt den Ertrag einer Investition und ist für viele Anleger:innen der wichtigste Ausgangspunkt. Typische Ertragsquellen sind Dividenden, Zinszahlungen oder Kursgewinne.
Je höher die angestrebte Rendite, desto grösser sind in der Regel die eingegangenen Risiken – eine dauerhaft hohe Rendite ohne entsprechende Schwankungen gibt es nicht. Genau hier beginnt der Zielkonflikt im magischen Dreieck der Geldanlage.
Für den langfristigen Vermögensaufbau ist entscheidend, dass Erträge möglichst wiederangelegt werden. Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass das Vermögen über die Zeit exponentiell wachsen kann.
Wichtig ist zudem die Rendite nach Kosten, Steuern und Inflation: Gebühren und Teuerung können den realen Ertrag deutlich schmälern. Gerade bei langfristigen Anlagen lohnt es sich daher, auf kostengünstige und effiziente Produkte zu achten – etwa breit diversifizierte ETFs, die eine ganze Anlageklasse wie Aktien abbilden und dabei wenig kosten. Welche dabei besonders überzeugen, zeigt unser Artikel Beste ETFs Schweiz und global.
Die Verfügbarkeit – oft auch Liquidität genannt – beschreibt, wie schnell eine Anlage wieder in Bargeld oder Bankguthaben umgewandelt werden kann. Je kürzer dieser Zeitraum ist, desto liquider ist die Anlage.
Dabei spielen nicht nur die Zeit, sondern auch die Kosten der Umwandlung eine Rolle. Verkaufsgebühren, Spreads oder allfällige Strafkosten können den tatsächlich verfügbaren Betrag reduzieren.
Die Liquidität hängt stark von der Anlageklasse ab: Börsengehandelte Wertpapiere wie ETFs oder Aktien lassen sich börsentäglich veräussern, während Immobilien oder private Beteiligungen deutlich weniger flexibel sind.
Im Kontext des magischen Dreiecks zeigt sich: Eine hohe Verfügbarkeit geht oft zulasten der Rendite oder Sicherheit. Wer schnell auf sein Geld zugreifen möchte, muss in der Regel Abstriche bei einem der anderen beiden Faktoren in Kauf nehmen.
Mit der Sicherheit ist der Erhalt des investierten Vermögens gemeint. Sie beschreibt, wie stark eine Anlage Schwankungen unterliegt und wie hoch das Risiko eines dauerhaften Verlusts ist.
Ein wichtiger Faktor zur Erhöhung der Sicherheit ist die Diversifikation. Durch die Streuung über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen können Risiken reduziert werden.
Gleichzeitig gilt: Absolute Sicherheit gibt es bei renditeorientierten Anlagen nicht. Selbst breit diversifizierte Portfolios unterliegen kurzfristigen Schwankungen.
Im magischen Dreieck der Geldanlage steht Sicherheit im Spannungsfeld zu Rendite und Verfügbarkeit. Höhere Sicherheit geht häufig mit tieferen Renditeerwartungen oder eingeschränkter Flexibilität einher.
Das Magische Dreieck der Geldanlage macht deutlich, dass sich alle drei Ziele – Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit – nicht gleichzeitig maximieren lassen. Wer zwei davon in den Vordergrund stellt, muss beim dritten zwangsläufig Abstriche in Kauf nehmen. Diese Grundregel gilt unabhängig von der Anlageklasse oder dem Marktumfeld.
Konkret stehen dir drei Varianten zur Auswahl:

Aktien stehen exemplarisch für diese Kombination. Sie können langfristig eine attraktive Rendite erzielen und sind während der Börsenhandelszeiten jederzeit veräusserbar. Gleichzeitig unterliegen sie zum Teil erheblichen Kursschwankungen – temporäre Wertverluste von 30% oder mehr sind historisch keine Seltenheit.
Die Sicherheit hängt dabei stark davon ab, wie breit das Investment gestreut ist. Wer auf Einzelaktien setzt, riskiert im Extremfall einen Totalverlust – etwa wenn ein Unternehmen in Konkurs geht. Bei einem global diversifizierten Aktienfonds – etwa einem ETF auf den Weltaktienmarkt – ist ein Totalverlust hingegen praktisch ausgeschlossen, da Tausende von Unternehmen gleichzeitig wertlos werden müssten. Diversifikation reduziert das Risiko also erheblich – sie hebt den Zielkonflikt im magischen Dreieck aber nicht auf.
Ebenfalls in diese Kategorie fallen Rohstoffe wie Öl, Getreide oder Edelmetalle – wobei Gold eher als Wertspeicher und Inflationsschutz gilt denn als klassische Renditeanlage – sowie Immobilienaktien und REITs (börsengehandelte Immobilienfonds). Besonders spekulativ sind Kryptowährungen, die zu den volatilsten Anlageklassen überhaupt zählen.
Eine weitere Option in diesem Bereich ist P2P-Crowdlending: Anleger:innen verleihen Geld direkt an Privatpersonen oder Unternehmen und erhalten dafür höhere Zinsen als auf dem Sparkonto. Die Renditeerwartungen sind attraktiv, aber das Kreditausfallrisiko ist real – die Einlagensicherung greift hier nicht. Mehr dazu in unserem Artikel Crowdlending: P2P Schweiz im Höhenflug.

Das klassische Bankkonto kombiniert maximale Flexibilität mit hoher Sicherheit: Guthaben bis 100’000 CHF pro Person und Bank sind in der Schweiz durch die Einlagensicherung geschützt, und das Geld ist jederzeit verfügbar. Weil die Bank das Kapital aber nicht längerfristig einplanen kann, fällt die Verzinsung entsprechend tief aus. Im aktuellen Zinsumfeld reicht die Rendite kaum aus, um die Inflation auszugleichen – der reale Wert des Kapitals bleibt damit bestenfalls erhalten oder sinkt sogar schleichend.
Wer also auf maximale Sicherheit und Verfügbarkeit setzt, geht damit ein anderes Risiko ein: schleichender Kaufkraftverlust und der Verzicht auf reales Vermögenswachstum.

Typisch für diese Kombination sind Anlageformen, bei denen das Kapital für eine feste Laufzeit gebunden wird – im Gegenzug winkt ein höherer Zins als auf dem klassischen Bankkonto, der zumindest einen realen Werterhalt ermöglichen kann.
Kassenobligationen sind festverzinsliche Wertpapiere, die von Banken ausgegeben werden. Anleger:innen leihen der Bank ihr Kapital für eine definierte Laufzeit – in der Regel zwischen zwei und zehn Jahren – und erhalten dafür regelmässige Zinszahlungen. Da die Bank mit dem Kapital planbarer wirtschaften kann, vergütet sie dies mit einem Zinsaufschlag gegenüber dem Spar- oder Privatkonto. Bis 100’000 CHF pro Person und Bank greift zudem die Einlagensicherung.
Ähnlich funktioniert das Festgeld: Auch hier wird ein Betrag für eine vereinbarte Laufzeit angelegt und zu einem festen Zinssatz verzinst. Der wesentliche Unterschied zur Kassenobligation liegt darin, dass Festgeld kein Wertpapier ist – es handelt sich um eine reine Bankeinlage, die ebenfalls von der Einlagensicherung profitiert.
Der gemeinsame Preis beider Anlageformen ist die eingeschränkte Verfügbarkeit: Wer vorzeitig auf sein Geld zugreifen möchte, ist auf Kulanzlösungen der Bank angewiesen oder muss mit Einbussen rechnen.
Hinweis: Im aktuellen Tiefzinsumfeld fallen auch die Zinsen auf Kassenobligationen und Festgeld bescheiden aus. Ein Anbietervergleich lohnt sich dennoch, da die Konditionen je nach Bank spürbar variieren können.
Wie dein persönliches magisches Dreieck aussieht, ist keine abstrakte Frage – es hängt direkt von deinem individuellen Risikoprofil ab. Dieses setzt sich aus deiner Risikobereitschaft und deiner Risikofähigkeit zusammen.
Das beschreibt deine Risikobereitschaft – also deine psychologische Einstellung gegenüber Schwankungen und möglichen Verlusten. Wer ruhig schläft, auch wenn das Portfolio vorübergehend 20 Prozent an Wert verliert, hat eine hohe Risikobereitschaft. Wer hingegen bei jedem Kursrückgang in Panik gerät, sollte konservativer anlegen – unabhängig davon, was rechnerisch möglich wäre. Die Risikobereitschaft ist subjektiver Natur und wird unter anderem durch Erfahrungen, Persönlichkeit und Finanzbildung geprägt.
Das beschreibt deine Risikofähigkeit – also deine objektive, finanzielle Situation. Sie hängt davon ab, wie viel Kapital du zur Verfügung hast, welche Verpflichtungen du trägst und wann du das investierte Geld voraussichtlich benötigst. Wer hohe fixe Ausgaben hat oder in absehbarer Zeit auf das Kapital angewiesen ist, hat schlicht weniger Spielraum für Risiko – unabhängig von der persönlichen Einstellung.
Beide Faktoren zusammen bestimmen, welches der drei Ziele im magischen Dreieck für dich Priorität haben sollte.
Ein Beispiel: Wer in den nächsten zwei bis drei Jahren eine grössere Ausgabe plant – etwa den Kauf eines Eigenheims – sollte sein Vermögen primär auf hohe Verfügbarkeit und Sicherheit ausrichten. Selbst wer grundsätzlich risikofreudig ist und Kursschwankungen gelassen begegnet, wäre in dieser Situation schlecht beraten, risikoreich zu investieren. Die Risikofähigkeit – hier reduziert durch den kurzen Anlagehorizont – setzt eine klare Grenze, die die Risikobereitschaft überstimmt.
Kurz gesagt: Risikobereitschaft beschreibt, was du willst – Risikofähigkeit beschreibt, was du dir leisten kannst. Für eine solide Anlagestrategie müssen beide im Einklang stehen.
– Partnerangebot –
Noch auf der Suche nach der passenden Finanzlösung? Unsere Empfehlungen – mit attraktiven Startboni.

——
Der Traum einer hochrentablen, jederzeit verfügbaren und gleichzeitig 100% sicheren Anlage ist ausgeträumt. Leider. Wie in anderen Lebensbereichen kommen wir auch bei der Geldanlage nicht um Kompromisse herum.
Welche Kombination die richtige ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab: von deiner Risikobereitschaft und deiner Risikofähigkeit – die auch deinen Anlagehorizont einschliesst. Es gibt keine universell beste Antwort – nur die für dich passende.
In Lektion 3 schauen wir genauer hin: Wie lässt sich durch eine kluge Diversifikation das Rendite-Risiko-Verhältnis optimieren – und was bedeutet das konkret für dein Portfolio?
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-04-05: Text und Abbildungen vollständig überarbeitet.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über das magische Dreieck der Geldanlage nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.