Bester Broker Schweiz? Ja, es gibt ihn – aber nicht für alle ist er derselbe. Denn die passende Brokerwahl für deine Wertschriften hängt stark von deinen individuellen Bedürfnissen und Erwartungen ab. In diesem Artikel stellen wir dir sechs entscheidende Faktoren vor, damit du sicher deinen persönlichen Favoriten findest – oder gleich mehrere. Dafür vergleichen wir sechs führende Broker, die wir in separaten Reviews sorgfältig getestet haben.
Kurz & bündig
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Wir haben in einem unserer meistbeachteten Artikel Beste ETFs Schweiz und global: And the Winner is… anhand von acht Kriterien schrittweise die Top-ETFs in unterschiedlichen Kategorien auserkoren. Mit diesem Artikel widmen wir uns nun den Plattformen, worüber diese und andere Wertschriften gehandelt werden können. Im Gegensatz zu den ETFs, wo es unseres Erachtens möglich ist, nach rationalen, allgemeingültigen Kriterien die wirklich besten Produkte zu bestimmen, ist das Vorgehen, um zum besten Broker zu gelangen, komplexer.
«Den perfekten Broker gibt es nicht.»
Denn der perfekte Broker für alle böte die tiefsten Preise, das grösste Angebot an Wertschriften, den besten Service und noch vieles mehr, was dein Anlegerherz begehren würde. Doch leider gibt es einen solchen «Über-Broker» nicht. Vielmehr sind grundsätzlich alle Betreiber von Handelsplattformen, egal ob es sich um in- oder ausländische Anbieter handelt, einem starken Wettbewerb ausgesetzt, welcher sie zwingt, sich auf dem Markt klar zu positionieren bzw. von den Mitbewerbern abzugrenzen.
Das heisst für dich als Schweizer Anleger:in, dass du bei der Brokerwahl deine diesbezüglichen Bedürfnisse kennen solltest. Also was ist mir bei der Verwaltung meiner Wertschriften besonders wichtig? Aber auch: Wo bin ich zu Kompromissen bereit?
Wenn du also beispielsweise wie Toni nur in eine Handvoll bekannter «Brot-und-Butter»-ETFs investieren möchtest, benötigst du keinen Broker, welcher mit einem riesigen Angebot an alternativen Nischenprodukten punktet. Oder wenn du (fast) keine Gebühren zahlen möchtest, akzeptierst du womöglich längere Wartezeiten beim Kundenservice und/oder dass der «Billig-Broker» deines Vertrauens zwecks Erschliessung einer zusätzlichen Einnahmequelle, die dich nichts kostet, deine Wertschriften verleiht.
«Eine geeignete Plattform kann dir viel Geld und Ärger sparen!»
Um dir die Wahl des passenden Brokers zu erleichtern, vergleichen wir in diesem Artikel sechs führende Anbieter. Eine kluge Plattformwahl kann dir langfristig viel Geld und Ärger ersparen – deshalb haben wir alle selbst umfassend geprüft und jeweils in einem ausführlichen Testbericht dokumentiert.
Saxo Bank | Swissquote | DEGIRO | Interactive Brokers | Yuh | neon
Wenn für dich ein Startbonus eine Rolle spielt, findest du in den jeweiligen Testberichten die aktuellen Angebote für den Einstieg.
Um die teils deutlichen Preisunterschiede greifbarer zu machen, ziehen wir stellenweise auch drei in der Schweiz sehr bekannte Banken zum Vergleich heran: Migros Bank, PostFinance und UBS – sie gelten als populär, sind aber oft deutlich teurer.
Nachfolgend gehen wir nun die sechs wichtigsten Faktoren durch, die du für die Wahl des richtigen Brokers unbedingt kennen solltest. Wenn du jedoch direkt erfahren möchtest, welche Anbieter sich für welche Anlegerprofile besonders eignen, kannst du gleich zum Schlussfazit springen.
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Mit einem Klick auf unsere Empfehlungen unten kommst du direkt zu den Steckbriefen führender Online-Broker wie DEGIRO, Interactive Brokers, Saxo und Swissquote sowie Neobanken wie Yuh und neon, welche – abhängig von deinen individuellen Bedürfnissen – mit interessanten Angeboten einschliesslich Startbonus aufwarten.

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Und wenn du dich nicht mit einzelnen Wertschriften herumschlagen möchtest, sondern dir lieber automatisiert ein ganzes Anlageportfolio aufbaust, dann benötigst du überhaupt keinen Broker, sondern einen guten Robo-Advisor.
Die wichtigsten Facts & Figures etablierter Robo-Advisors findest du auf unserer Empfehlungsseite.
Dieser Faktor dürfte niemanden kalt lassen. Denn jeden einzelnen Franken, den du für Gebühren & Co. ausgibst, geht dir von deiner Rendite ab. Nachfolgend haben wir dir die wichtigsten Kosten aufgelistet, welche dir der Broker verrechnen kann:
Diese wiederkehrende Gebühr fällt zugunsten des Brokers an – unabhängig davon, ob du handelst oder nicht. Du bezahlst damit für die Verwahrung und Verwaltung deiner ETFs und anderer Wertschriften. Die Kosten richten sich dabei häufig nach der Höhe deines Portfolios.
Ein Negativbeispiel ist die Grossbank UBS: Sie verlangt pauschal 0,35% pro Jahr – bei einem Depot von 100’000 CHF also stolze 350 CHF, Jahr für Jahr. Auch die Migros Bank verfolgt mit 0,23% eine lineare Preisstruktur, ab 750’000 CHF wird’s dann minim günstiger (0,21%).
Andere Anbieter setzen immerhin ein Kostendach: Der führende Schweizer Online-Broker Swissquote verrechnet 0,1% pro Jahr, mindestens jedoch 60 CHF und maximal 200 CHF. Bei PostFinance, die ebenfalls die Plattform von Swissquote nutzt, fällt unabhängig von der Depotgrösse eine fixe Jahresgebühr von 72 CHF an.
Besonders attraktiv sind Plattformen wie Saxo, Interactive Brokers und DEGIRO sowie Neobanken wie Yuh und neon: Bei ihnen fallen gar keine Depotgebühren an – dein Guthaben bleibt also vollständig investiert und wird nicht durch jährliche Fixkosten geschmälert.
Depotgebühren kannst du also mittlerweile ganz vermeiden – das lohnt sich vor allem bei kleineren Vermögen. Falls du dich dennoch für einen Anbieter mit Gebühren entscheidest, achte wenigstens darauf, dass ein klares Kostendach besteht.
Dies ist die transaktionsbedingte Provision zugunsten des Brokers, die bei jedem Kauf oder Verkauf von Wertpapieren wie ETFs anfällt. Das entsprechende Pricing fällt je nach Broker sehr unterschiedlich aus. Grundsätzlich gibt es folgende Preismodelle:
Bei diesem Preismodell variieren die Gebühren in Abhängigkeit des Transaktionswertes: Dieses Preismodell gilt häufig bei etablierten Schweizer Brokern wie PostFinance und teilweise Swissquote. (Beide verfügen über dieselbe Swissquote Plattform. Im Gegensatz zu PostFinance bietet Swissquote auch relativ günstige Fixprovisionen an, vgl. nächster Punkt.) Oft nehmen die Gebühren dabei mit zunehmendem Transaktionswert prozentual ab.
Nicht so bei Saxo: Dort gilt in der Basiskontolösung «Classic» generell 0,08% (Mindestgebühr 3 CHF / 1$ pro Trade), also betraglich ebenfalls variable Provisionen – allerdings zu einem vergleichsweise tiefen, konstanten Prozentsatz. Da es jedoch kein Kostendach gibt, ist Saxo vor allem bei kleineren bis mittleren Beträgen bis rund 10’000 CHF attraktiv. Bei hohen Beträgen wird der absolute Betrag zunehmend spürbar (z.B. 80 CHF Provision bei Trades im Wert von 100’000 CHF).
Ebenfalls mit einem linearen Preismodell unterwegs, aber mit 0,50% deutlich teurer, sind die beiden führenden Schweizer Neobanken Yuh (Mindestgebühr 1 CHF) und neon (keine Mindestgebühr). Damit sind sie preislich nur für Trades im dreistelligen Bereich akzeptabel – etwa bei automatisierten ETF-Sparplänen. Bei grösseren Beträgen werden diese Gebühren wegen des fehlenden Kostendachs schnell unattraktiv (z.B. 50 CHF Provision bei Trades im Wert von 10’000 CHF).
«Heutzutage sind zweistellige Provisionsbeträge für einen ETF-Trade schlicht nicht mehr konkurrenzfähig.»
Dabei werden dir Pauschalgebühren unabhängig des Transaktionsbetrages verrechnet. Dieses Preismodell gilt generell bei DEGIRO (pauschal max. 2€ plus 1€ Bearbeitungsgebühr) sowie teilweise bzw. je nach ETF bei Swissquote (9 CHF). Einige Anbieter wie Cash (29 CHF via Partnerbank Zweiplus) oder die Migros Bank (40 CHF online und 100 CHF über Kundenberater) werben regelmässig für ihr vermeintlich attraktives Fixgebührenmodell. Doch seien wir ehrlich: Heutzutage sind zweistellige Provisionen für einen simplen ETF-Trade schlicht nicht mehr konkurrenzfähig.
Manche Plattformen wie DEGIRO und Interactive Brokers verzichten bei gewissen ETFs ganz auf Provisionen, andere wie Saxo, Yuh oder neon schenken dir die Kaufgebühren, wenn du einen automatischen ETF-Sparplan einrichtest. (Wer bei den Sparplänen die Nase vorn hat, schauen wir uns später genauer an.) So oder so: Dahinter stecken meist Vereinbarungen zwischen den Brokern und den ETF-Anbietern, welche bestimmte ETFs pushen möchten und deshalb die Provisionen übernehmen bzw. den Brokern rückvergüten.
Wichtig: Provisionsfreie Trades sind für dich nur dann wirklich interessant, wenn es sich bei diesen sogenannten «Gratis-ETFs» um attraktive und bereits etablierte Produkte handelt, deren laufende Produktkosten (TER) und weitere Eigenschaften mit jenen von Top-ETFs vergleichbar sind.
«Provisionsfrei bedeutet nicht gratis.»
Ein besonders grosses Angebot an attraktiven und provisionsfreien ETFs bietet der europäische Marktführer DEGIRO an. Aber Achtung: Provisionsfrei ist nicht gleichbedeutend mit gratis. Auch bei DEGIRO nicht. So verrechnet der europäische Marktführer bei jedem Trade pauschal 1€ Bearbeitungsgebühr (vgl. Kapitel unten «Weitere Kosten»).
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DEGIRO bietet ein sehr einfaches Gebührenmodell mit Pauschalpreisen an, welches insbesondere bei grösseren Summen kaum zu schlagen ist. Mit einem Klick auf die Anzeige unten geht’s direkt zur Kontoeröffnung mit Bonusangebot.
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Diese Gebühr fällt immer dann an, wenn du für den Wertschriftenhandel Währungen tauschen musst.
«Die Kosten für den Währungstausch werden allgemein unterschätzt, obschon sie bei den Trades oft am stärksten zu Buche schlagen.»
Die damit verbundenen Kosten werden leider von vielen unterschätzt, auch weil sie oft gut versteckt bzw. separat abgerechnet werden. Schade, denn betragsmässig können gerade die Kosten für den Währungstausch bei deinen Trades am stärksten zu Buche schlagen.
Bei Swissquote beispielsweise zahlst du 0,95% Währungswechselgebühren, was dich bei einer Transaktion im Wert von 10’000 CHF stolze 95 CHF kostet! Immerhin: Bei der Schweizer Marktführerin kannst du (fast) beliebig viele Fremdwährungskonten führen. So könntest du etwa bestehende Euro-Bestände auf dein Multiwährungskonto bei Swissquote transferieren, um bei deinem nächsten ETF-Trade in Euro die Währungswechselgebühren einzusparen. Yuh funktioniert hier ähnlich wie ihre Muttergesellschaft Swissquote.
Deutlich günstigere Währungswechselgebühren von 0,25% bieten Saxo und DEGIRO.
Unsere Erfahrung zeigt: Beim Währungstausch ist Interactive Brokers kaum zu schlagen: 0,002% (Mindestgebühr 2$) – und obendrein gibt es Multiwährungskonten.
Am günstigsten fährst du aber definitiv, wenn du den Währungstausch vermeidest, indem du deine ETFs in deiner Referenzwährung CHF handelst.
Eine Sonderposition nimmt diesbezüglich neon ein: ETFs sind hier nur an der Berner Börse BX Swiss mit Handelswährung CHF verfügbar, womit der Währungswechsel entfällt.
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Interactive Brokers machen Vorzüge wie extrem tiefe Währungswechselgebühren für viele Anleger:innen sehr attraktiv.


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Für Transaktionen in der Schweiz fällt die Eidgenössische Umsatzabgabe an. Diese Abgabe, auch Stempelsteuer genannt, fällt linear, d.h. im Verhältnis zum Transaktionswert an, und zwar 0,075% für inländische und 0,15% für ausländische Wertpapiere. Das heisst, bei einem Transaktionswert von 10’000 CHF zahlst du 7.50 bzw. 15 CHF an den Schweizer Fiskus.
Steuerspartipp: Bei ausländischen Brokern wie Interactive Brokers oder DEGIRO fallen keine Stempelsteuern an.
Weitere Informationen zum Thema Steuern findest du in unserem Artikel ETF Steuern Schweiz: Mit diesen 5 Steuerspartipps optimierst du dein Portfolio).
Ferner belasten die Börsen den Banken und Brokern Börsengebühren. Diese Gebühren werden je nach Broker, Preismodell oder Börse voll, teilweise oder gar nicht weiterverrechnet.
Bezogen auf den Aktien- und ETF-Handel sind diese Gebühren bei Saxo und Swissquote bereits in den Provisionen enthalten bzw. werden nicht separat verrechnet. Bei Interactive Brokers wiederum sind sie nur beim Preismodell «Fixpreis» inkludiert, während sie bei DEGIRO für CH-Anleger:innen nur bei ausländischen Handelsplätzen verrechnet werden, und zwar als «Gebühren für Handelsmodalitäten» von jährlich 2.50€ pro Fremdbörse und Jahr.
Weitere Kosten, welche einige Broker separat verrechnen, sind Bearbeitungsgebühren. Bei DEGIRO beläuft sich diese Gebühr auf 1€ pro Trade.
Egal, welcher Anlegertyp du bist, dem Kostenfaktor solltest du grosse Bedeutung beimessen. Denn hohe Gebühren bedeuten weniger Rendite für dich.
Bevorzuge also Handelsplattformen ohne laufende Kosten und wenn schon Depotgebühren, dann sollten sie wie bei Swissquote nach oben gedeckelt sein und nicht mehr als 0,1% des Depotwerts betragen.
Die Courtagen wiederum sollten idealerweise (deutlich) weniger als 1% des Transaktionswerts betragen und gleichzeitig 10 CHF nicht übersteigen. Wähle keinen «Gratis-ETF», nur weil er provisionsfrei ist. Die produktspezifischen Konditionen müssen auch stimmen.
Auch Gebühren für den Währungstausch solltest du möglichst tief halten (max. 0,25%) oder besser ganz vermeiden. Letzteres ist mittels Multiwährungskonten möglich oder (einfacher) indem du Wertschriften in Handelswährung CHF handelst.
Zudem kann es sich insbesondere bei hohen Investitionssummen lohnen, auf einen ausländischen, stempelsteuerfreien Broker wie Interactive Brokers oder DEGIRO auszuweichen.
Schliesslich solltest du auch weitere Kosten wie allfällige Börsen- oder Bearbeitungsgebühren, die einige Broker erheben, kennen und bei der Brokerwahl berücksichtigen, auch wenn diese Gebühren in der Regel moderat ausfallen.
Dieser Faktor ist insbesondere dann wichtig, wenn du klare Vorstellungen bezüglich deiner Anlagen hast. Also du möchtest beispielsweise in ganz bestimmte ETFs investieren und diese womöglich auch noch an deiner bevorzugten Börse erwerben. In einem solchen Fall kommt für dich nur ein Broker in Frage, welcher über das entsprechende Angebot verfügt.
Für Schweizer Anleger:innen, welche bevorzugt über die Schweizer Hauptbörse SIX und/oder mit Nischenprodukten handeln möchten, dürfte Swissquote unschlagbar sein. Swissquote bietet auch alle von uns auserkorenen Sieger-ETFs an der Schweizer Hauptbörse SIX an.
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Der Pionier-Broker Swissquote bietet für Schweizer Investor:innen nicht nur die grösste Auswahl an Anlageprodukten. Alle an der CH-Börse SIX gehandelten ETFs erhältst du zudem zum fairen Pauschalpreis. Mit dem Aktionscode MKT_SFB sicherst du dir Trading Credits und unterstützt gleichzeitig unseren Blog. Mit einem Klick auf die Anzeige unten geht’s direkt zur Kontoeröffnung.

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Das Wertschriftenangebot ist insofern für dich wichtig, als deine Wunsch-ETFs & Co. an deiner bevorzugten Börse auf der Plattform handelbar sein sollten. Bei all unseren empfohlenen Anbietern können wir bei Bedarf für dich entsprechende Produktabklärungen vornehmen. Schreib’ uns einfach dein Anliegen unten in die Kommentare.
Wenn du es bevorzugst, deine Finanzen wahlweise sowohl über den Desktop als auch übers Handy zu regeln, dann bist du bei klassischen Online-Brokern wie Saxo, Swissquote, Interactive Brokers oder DEGIRO bestens bedient. Wir benutzen all diese Plattformen und kommen nach einer kurzen Eingewöhnungszeit damit problemlos zurecht – so sehr sie sich auch beim «Look & Feel» unterscheiden.
Was aber offensichtlich ist: Das vielfältigste Angebot an Plattformen bietet Interactive Brokers an: Nicht weniger als sieben Plattformen, darunter gleich zwei Handy-Apps, mit unzähligen Features stehen für die Börseneinsteigerin bis zum routinierten Trader zur Auswahl.


Auch Saxo richtet sich mit den beiden Plattformen SaxoInvestor und SaxoTrader, die du im Web, per App und – bei SaxoTrader – zusätzlich als Desktop-Download nutzen kannst, gezielt an unterschiedliche Nutzertypen. Swissquote wiederum arbeitet mit einer einzigen Handelsplattform, die sowohl webbasiert als auch als App verfügbar ist. Diese lässt sich aber über individuelle Layouts und Widgets personalisieren. DEGIRO bietet, ähnlich wie Swissquote, eine einzige Plattform, die sowohl webbasiert als auch als App genutzt werden kann – allerdings ohne nennenswerte Möglichkeiten zur Individualisierung.
Am anderen Ende der Skala sind die Plattformen von Neobanken wie Yuh oder neon, die sich auf das mobile Trading per App beschränken und ganz auf webbasierte Lösungen am grossen Bildschirm verzichten.
Neben dem «Look & Feel» der Plattform steuern nützliche Reports wie Transaktionsbestätigungen, Dividendenabrechnungen oder Steuerberichte auch einen wichtigen Teil zur Benutzerfreundlichkeit der Plattform bei. Beim Reporting punkto Aussagekraft und Komfort haben für uns die einheimischen Anbieter Swissquote und Saxo die Nase vorn.
Während nämlich beispielsweise bei Swissquote Dividendeneingänge einschliesslich allfälliger Steuern separat mittels eines übersichtlichen PDF automatisch im Kundenpostfach landen, müssen diese Informationen bei DEGIRO und Interactive Brokers manuell abgerufen werden.
Saxo wiederum bietet ab dem Steuerjahr 2025 elektronische Steuerauszüge kostenlos an. Praktisch, denn die entsprechenden Wertschriftendaten können dadurch automatisch in die Steuererklärung übertragen werden – was dir insbesondere bei komplexeren Portfolios viel Zeit spart.
Alle Plattformen sind heute grundsätzlich benutzerfreundlich – ob dir eine Oberfläche gefällt, ist wohl einfach Geschmackssache.
Interactive Brokers und Saxo bieten mit mehreren Plattformen und hoher Individualisierung den grössten Funktionsumfang. Swissquote nutzt nur eine Plattform (Web + App), lässt sich aber über Widgets gut personalisieren. DEGIRO bleibt bewusst schlank und bietet kaum Anpassungsmöglichkeiten, ist dafür schnell und übersichtlich. Yuh und neon konzentrieren sich ganz auf mobiles Trading via App und verzichten vollständig auf Desktop- oder Browserlösungen.
Einheimische Broker wie Saxo und Swissquote machen es dir bei Transaktionsbelegen, Steuerunterlagen und anderen Reportings deutlich einfacher als viele ausländische Anbieter.
Bezüglich dieses Faktors solltest du dir insbesondere die folgenden drei Fragen stellen:
Wir beurteilen die Sicherheitsstandards bei all unseren Kooperationspartnern als hoch, auch wenn sich die einzelnen Sicherheitsaspekte stark voneinander unterscheiden. Gemeinsam und ebenfalls der Sicherheit förderlich sind Saxo, Swissquote, DEGIRO und Interactive Brokers gleichermassen das hohe Renommee und die starke Marktstellung.
Saxo, Swissquote (beide CH) und DEGIRO (NL/D) verfügen beispielsweise über Banklizenzen und sind somit staatlich reguliert. Das heisst, dass ETFs als Sondervermögen gelten und somit vor einer Insolvenz des Brokers geschützt sind. Interactive Brokers hingegen verfügt über keine Banklizenz. Folglich werden Barmittel und Wertschriften separat verwahrt, womit deine Vermögenswerte bei einer Insolvenz des Brokers ebenfalls geschützt wären bzw. nicht in die Konkursmasse fielen.
Die bereits seit 1977 existierende Interactive Brokers gewährt überdies eine überdurchschnittlich hohe Einlagensicherung von 500’000 USD, während sie bei Saxo, Swissquote und DEGIRO bei 100’000 CHF bzw. EUR beträgt.
Bei den ETF-Anbietern ist die Wertpapierleihe weit verbreitet. Ob ein ETF verliehen wird, steht jeweils im Kleingedruckten des Produktdatenblatts. Aber auch dein Broker kann deine Wertschriften gegen Sicherheiten an Dritte verleihen, um einen Zusatzverdienst zu generieren. Das damit verbundene Verlustrisiko schätzen wir als sehr gering ein.
Dennoch: Bei Brokern ohne Wertpapierleihe entfällt dieses Risiko. Bei DEGIRO können deine Wertschriften verleiht werden, ob du willst oder nicht. Die generierten Einnahmen daraus verwendet DEGIRO, um ein möglichst tiefes Preisniveau anzubieten. Das heisst, es fliessen keine Gelder direkt an dich zurück. Diesbezüglich ist die Regelung bei Saxo, Swissquote und Interactive Brokers für dich vorteilhafter: Im Gegensatz zu DEGIRO werden deine Wertpapiere nur optional, d.h. mit deiner Zustimmung verleiht. Zudem wirst du am Gewinn beteiligt (vgl. auch Kapitel unten «Zusatzverdienste durch Wertpapierleihe»).
Auch wenn dieses Thema bei Saxo, Swissquote, Interactive Brokers oder DEGIRO unterschiedlich ausgestaltet ist, beurteilen wir alle vier renommierten und erfolgreichen Broker als sehr sicher. Wenn du jedoch aus Risikoüberlegungen deine Wertschriften nicht verleiht haben möchtest, fällt DEGIRO raus.
Professionell gemachte Erklärvideos und informative FAQs bieten mittlerweile fast alle Broker an. Der Kundenservice ist besonders dann relevant, wenn dir eine spezifische Frage mit einer gewissen Dringlichkeit und Wichtigkeit unter den Nägeln brennt. Denn in solchen Fällen zeigt sich, wie leistungsfähig der Kundensupport der Plattform wirklich ist.
Als Faustregel gemäss unseren Erfahrungen gilt: Heimische Anbieter wie Saxo und Swissquote, aber auch die hiesigen Neobanken Yuh und neon, bieten oft einen effizienteren Kundenservice an als die internationalen Schwergewichte DEGIRO und Interactive Brokers. Letzterer fällt insbesondere durch lange Antwortzeiten ab, welche teilweise über eine Woche betragen können.
Für manche mag es auch ein relevanter Pluspunkt sein, dass bei den genannten CH-Anbietern die Anliegen direkter (telefonisch) und in vertrautem Rahmen (Muttersprache und besseres Verständnis für CH-spezifische Anfragen wie beispielsweise Steuerthemen) behandelt werden können.
Wem kurze Antwortzeiten, hohe Kompetenz bei CH-spezifischen Anliegen und/oder ein direkter telefonischer Kontakt im vertrauten Rahmen am Herzen liegen, ist in der Regel mit heimischen Anbietern wie Saxo oder Swissquote klar besser bedient als mit ausländischen Playern.
Es gibt unzählige Features, womit sich die Broker von der Konkurrenz abheben wollen. Doch viele davon dürften für dich – wenn überhaupt – nur einen bescheidenen Zusatznutzen bieten. Folgende Zusatzservices betrachten wir als besonders interessant:
Regelmässiges, automatisches Investieren mittels Sparplan ist eine entscheidende Voraussetzung für den erfolgreichen Vermögensaufbau. Diesem wichtigen Thema haben wir mit ETF-Sparplan Schweiz: 3 starke Gründe für die Autopilot-Strategie einen separaten Beitrag gewidmet. Besonders attraktiv in Bezug auf Preis und Auswahl präsentiert sich dabei Saxo: Der Broker bietet alle seine über 100 sparplanfähigen ETFs ohne Kaufgebühren an.
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Saxo Bank bietet nicht nur eine grosse Auswahl an sparplanfähigen ETFs ohne Kaufgebühren an, sondern überzeugt allgemein mit einem attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis. Mit einem Klick auf die Anzeige unten geht’s direkt zur Kontoeröffnung mit Bonusangebot.

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Wenn du ein risikofreudiges und renditeorientiertes Naturell wie Toni bist, dürften Wertpapierkredite bzw. sogenannte Lombardkredite eine prüfenswerte Option für dich sein. Mit einem solchen Kredit hebelst du deine Wertschriften, was zu stärkeren Wertschwankungen deines Portfolios und – im positiven Fall – zu beträchtlich höherer Rendite führen kann. Entscheidend dabei sind möglichst tiefe Zinsen: Toni hebelt sein ETF-Portfolio seit einigen Jahren bei Interactive Brokers aufgrund der vergleichsweise attraktiven Zinskonditionen für Lombardkredite. Neben den tiefen Zinsen ist ihm als Kreditnehmer eine hohe Flexibilität bezüglich Laufzeit, Verfügbarkeit und Währungen wichtig.
| CHF | EUR | USD | |
|---|---|---|---|
| DEGIRO | 2,50%* – 4,00% | 4,75%* – 6,25% | 5,25%* – 6,90% |
| Interactive Brokers | 1,50%** | 3,451%** | 5,14%** |
| Saxo Bank | 2,00%*** | 3,91%*** | 6,80%*** |
| Swissquote | 3,00% | 4,93% | 6,82% |
Falls du mehr über Lombardkredite einschliesslich Portfolio-Simulationen erfahren möchtest, empfehlen wir dir unseren Artikel Lombardkredit beim ETF-Kauf: Booster für deine Eigenkapitalrendite oder Spiel mit dem Feuer?.
Die Wertpapierleihe haben wir bereits beim Faktor #4 «Sicherheit & Regulierung» erwähnt. Zur Erinnerung: Sie dient der Erzielung zusätzlicher Einnahmen und zum Ausgleich von Kosten. Bei Online-Brokern ist die Wertpapierleihe für dich nur dann interessant, wenn sie optional ist und du an den Einnahmen beteiligt wirst. Dies ist bei Saxo, Swissquote, Interactive Brokers und neu auch bei DEGIRO der Fall. Toni und Stefan partizipieren beide am «Programm zur Optimierung der Aktienrendite» von Interactive Brokers, indem sie ihre Portfolios durch Interactive Brokers verleihen lassen und damit an den «marktüblichen» Zinseinnahmen zu 50% beteiligt werden. Die nachfolgende Abbildung zeigt anhand des Beispiels von Swissquote, wie die Wertpapierleihe in der Praxis funktioniert.

Swissquote ist nicht nur ein Online-Broker wie Saxo, DEGIRO oder Interactive Brokers, sondern bietet zusätzlich vollwertige Banking-Funktionen. Neben dem Handel können Swissquote Kund:innen Zahlungen tätigen und Karten nutzen – ein klarer Vorteil für alle, die Trading und Banking in einer einzigen Plattform vereinen möchten.
Auch Anbieter wie neon oder Yuh kombinieren Banking und Anlagemöglichkeiten, allerdings in deutlich vereinfachter Form. Während sich diese Lösungen primär an Börsenneulingen richten, positioniert sich Swissquote mit ihrem breiteren Funktionsumfang und der professionellen Handelsplattform klar im Segment der vollwertigen Online-Banken und Broker.
Den perfekten Broker für alle gibt es nicht. Tiefste Preise, grösste Auswahl und bester Service – das wäre die Quadratur des Kreises. Wie wir anhand unserer sechs Faktoren gesehen haben, weist jeder Broker seine eigenen Stärken und Schwächen auf. Entscheidend ist, was dir wichtig ist und wo du bereit bist, Kompromisse einzugehen.
Bezogen auf den Wertschriftenhandel fassen wir nachfolgend die wichtigsten Stärken und Schwächen von vier führenden Online-Brokern – Saxo, Swissquote, DEGIRO und Interactive Brokers – sowie von den beiden grössten Schweizer Neobanken Yuh und neon zusammen.
In separaten Testberichten haben wir diese Anbieter ausführlich getestet, sind von ihnen überzeugt und deshalb eine Kooperation eingegangen. Weitere Informationen über diese Anbieter einschliesslich Aktionscodes und Links zu den Reviews findest du auf unserer Empfehlungsseite.
Natürlich gibt es noch viele andere Broker auf dem Markt – unsere Auswahl soll dir eine praxisnahe Orientierung bei der Wahl der für dich passenden Plattform bieten.
Nach dem Gebührenstreichkonzert in den vergangenen Jahren bietet Saxo ein für Schweizer Banken sehr attraktives Pricing: keine Depotkosten, faire Handelsgebühren und alle ETF-Sparpläne ohne Kaufprovisionen. Wenn dir zudem Vielfalt bei den Plattformen und/oder Sicherheitsaspekte wie eine Schweizer Banklizenz mit Einlagensicherung von 100’000 CHF wichtig sind, dürfte Saxo dein Favorit sein.
Weitere Informationen inklusive Startbonus findest du in unserem Saxo Bank Testbericht.
Legst du Wert auf einen effizienten Kundenservice mit Verständnis für schweizspezifische Anliegen, ein besonders vielseitiges Angebot verschiedener Anlageklassen und die Kombination von Trading und klassischem Banking – also alles aus einer Hand – und akzeptierst dafür allgemein etwas höhere Preise als bei den günstigsten Online-Brokern, dann ist die heimische Marktführerin Swissquote vermutlich deine erste Wahl.
Weitere Informationen inklusive Startbonus findest du in unserem Swissquote Textbericht.
Schätzt du hingegen ein einfaches Preismodell ohne Depotgebühren und Stempelsteuern sowie mit unglaublich tiefen Pauschalpreisen – egal, wie hoch deine Investitionen sind – und akzeptierst Einschränkungen bei Produktangebot und bei Features (z. B. keine automatischen Sparpläne), dann wirst du dich beim europäischen Marktführer DEGIRO sehr gut aufgehoben fühlen.
Weitere Informationen inklusive Startbonus findest du in unserem DEGIRO Testbericht.
Schliesslich wirst du mit Interactive Brokers insbesondere dann glücklich, wenn du von den extrem günstigen Preisen bei Trading (vor allem an US-Börsen), Lombardkrediten, Währungswechseln und dem vielschichtigen Plattformen-Angebot profitieren möchtest. Auf der anderen Seite solltest du dich von der komplexen Gebührenstruktur, den umständlich manuell zu erstellenden Reportings und dem teilweise trägen Kundenservice nicht abschrecken lassen.
Weitere Informationen inklusive Startbonus findest du in unserem Interactive Brokers Testbericht.
Neobanken wie Yuh oder neon überzeugen mit Übersicht, Kompaktheit und einem gut verständlichen Gebührenmodell, ideal für kleinere Investitionssummen oder automatisierte ETF-Sparpläne, die teilweise ohne Kaufprovisionen verfügbar sind. Das Angebot an Anlageprodukten ist derzeit noch überschaubar, einzelne ETFs sind jedoch durchaus attraktiv. Wer unkompliziert ausschliesslich über die Handy-App starten und erste Erfahrungen im Wertschriftenhandel sammeln möchte, findet hier einen einfachen Einstieg.
Weitere Informationen inklusive Startbonus findest du in unseren Testberichten zu Yuh und neon.
Nein, natürlich nicht. Denn mit Ausnahme von Swissquote fallen weder bei den Online-Brokern Saxo, DEGIRO und Interactive Brokers noch bei den Neobanken Yuh undneon Depotgebühren oder andere laufende Kosten an. Das heisst: Du kannst mehrere Anbieter ohne zusätzliche Kosten parallel nutzen oder sie ganz einfach einmal ausprobieren.
Ein möglicher Ansatz ist daher eine Multi-Broker-Strategie, bei der du gezielt die Stärken verschiedener Plattformen kombinierst und genau die Services nutzt, die dir jeweils am meisten bringen. So stellst du dir nach deinem Gusto das Beste aus unterschiedlichen «Broker-Welten» zusammen. Genau so handhabt es beispielsweise Stefan, der sein Anlageportfolio bewusst auf mehrere Plattformen verteilt hat.
Welcher ist dein bester Broker Schweiz? Teile uns gerne mit, welche Kriterien für dich bei der Wahl deines Wunschbrokers entscheidend sind und welche Erfahrungen du gemacht hast – wir freuen uns auf deine Meinung in der Kommentarspalte.
2026-01-13: Punktuelle Änderungen vorgenommen, Lombardkredit-Tabelle aktualisiert
2025-12-06: Saxo bei optionaler Wertpapierleihe erwähnt.
2025-11-20: Erläuterungen zu den Plattformen SaxoInvestor und SaxoTrader aktualisiert.
2025-10-20: Neuer Abschnitt bei den Zusatzservices eingefügt: «Alles aus einer Hand»
2025-08-22: Umfassende Aktualisierung und Ergänzung um den Online-Broker Saxo Bank (Schweiz).
2025-01-15: Zinssätze für Lombardkredite aktualisiert.
2024-11-11: Erwähnt, dass DEGIRO Fremdwährungskonten eingeführt hat.
2024-07-21: Deutlicher darauf hingewiesen, dass fürs bessere Verständnis ein Broker-Vergleich Schweiz beigezogen wurde.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen «Bester Broker Schweiz…»-Artikel nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben und fürs bessere Verständnis einen Broker-Vergleich Schweiz mit sechs zuvor sorgfältig getesteten Anbietern beigezogen. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
B
Die Schweizer Bank Cler lancierte 2018 mit Zak eine innovative Banklösung, die es bisher auf dem Schweizer Markt noch nicht gab: gratis und unkompliziert auf deinem Smartphone. Gut ein Jahr ist es her, seit wir erstmals über Zak berichtet haben. Seither ist bei der ersten Mobile Banking App der Schweiz einiges passiert. Mit diesem umfassenden Zak Online Bank Schweiz Update erfährst du, mit welchen Innovationen diese smarte Schweizer Neobank aufwarten kann und ob sie für dich geeignet ist.
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Auflösung Kooperation mit Zak: Per 31.10.2023 wurde im gegenseitigen Einvernehmen die mehrjährige Kooperation zwischen diesem Blog und Zak beendet. Stattdessen sind wir neue Kooperationen mit den Schweizer Marktführern Yuh und neon eingegangen. Denn wir sind der Meinung, dass diese beiden führenden Neobanken nicht nur erfolgreicher am Markt agieren, sondern aktuell auch klar das attraktivere Angebot anbieten. Die wichtigsten Konditionen haben wir auf unserer Empfehlungsseite inkl. Aktionscodes zusammengestellt.
Abgrenzung: Dieser Review bezieht sich auf Zak, eine App basierte Banklösung der Bank Cler. Bank Cler spezifische Leistungen, welche nicht für Zak angeboten werden, sind nicht Gegenstand dieses Reviews.
Irrtum vorbehalten: Wir haben für diesen Zak Online Bank Schweiz Review nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Unser Ziel ist es, eine möglichst objektive und aussagekräftige Momentaufnahme zu präsentieren, welche dich bei der Wahl deiner Bank unterstützt. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein und/oder sind wichtige Aspekte vergessen gegangen, so bist du herzlich eingeladen, uns entsprechende Verbesserungen mitzuteilen.
Zak ist eine Schweizer Mobile Banking App, mit der du sparen, zahlen, einkaufen, vorsorgen und andere Finanzgeschäfte regeln kannst.

Zak ist ein Produkt der Bank Cler. Die Bank Cler ist eine Schweizer Bank mit Hauptsitz in Basel und seit 2019 eine Tochtergesellschaft der Basler Kantonalbank.
Am 27. Februar 2018 lancierte die Bank Cler mit Zak die erste Neobanking-App der Schweiz.
Zak entwickelt sich dynamisch weiter. Seit unserem letztem Zak Review im Mai 2021 sind uns besonders die folgenden Innovationen positiv aufgefallen:
Wir werden diese Verbesserungen später im Bericht noch näher erläutern.
Folgende Argumente sprechen für eine hohe Sicherheit:
Stefan und Toni sind bereits seit über einem Jahr zufriedene Zak-Kunden. Das heisst, unsere Kontoeröffnungen liegen schon länger zurück. An dieser Stelle deshalb nur so viel: Die Kontoeröffnung erfolgt komplett online über das Smartphone – in weniger als 15 Minuten.
Die zu durchlaufenden sieben Schritte des Anmeldeprozederes findest du in unserem ersten Zak Erfahrungsbericht.
Zu den Basisleistungen gehören das Privatkonto Zak, die Zak Visa Debitkarte sowie der Zahlungsverkehr. Positiv: Die meisten der damit verbundenen Services sind gratis. Nachfolgend gehen wir auf diese drei Bankleistungen näher ein:
Mit Zak erhältst du ein gratis Privatkonto. Das heisst, du bezahlst für die Kontoführung keine Jahresgebühren.
Bei Zak steht dir nur ein Konto, welches in Heimwährung CHF geführt wird, zur Verfügung.
Auf deinem Privatkonto erhältst du bis 25’000 CHF 0,75% Zins (Stand: 5.5.2023).
Hingegen kannst du dein Konto in sogenannte «Spartöpfe» und «Gemeinsame Töpfe» thematisch aufgliedern. Dank dieses praktischen Feature kannst du deine Finanzen, seien es deine täglichen Haushaltsausgaben oder spezielle Anschaffungen, ganz einfach und transparent planen.
Neu ist es dir zudem möglich, an jedem beliebigen Kalendertag eines Monats zu sparen, und zwar mit oder ohne vordefinierten Sparbetrag. Zur Veranschaulichung haben wir dir folgende Beispiele zusammengestellt:

Das folgende Video Tutorial erklärt dir anschaulich das zaksche Topfsystem.
Endlich: Zak hat dem Kartendschungel ein Ende gesetzt: Statt Kreditarte, Maestro-Karte und Prepaid-Karte gibt es neu die Zak Visa Debitkarte für alles.

Damit sind Zahlungen weltweit möglich – online und in Geschäften. Und wenn dir eine physische Karte zu umständlich ist, kannst du die Zak Visa Debit im virtuellen Wallet deines Smartphones hinterlegen und bequem über Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay bezahlen.
Der volle Überblick über deine Finanzen: Alle Kartenzahlungen werden gleich von deinem Konto abgebucht und im Menü «Meine Bewegungen» angezeigt.
Wichtig ist dabei, dass du immer einen positiven Kontosaldo aufweist. Denn Kontoüberzüge und damit verbundene hohe Zinszahlungen sind – im Gegensatz zu einer Kreditkarte – mit der Debitkarte nicht möglich.
Optional kannst du zudem bei jeder Bewegung eine Push-Nachricht anfordern. Du kannst deine Zahlungen auch sofort deinen Töpfen zuordnen.
Erfreulich: Mit dieser neuen Debitkarte bezahlst du keine Jahresgebühr. Zahlungen in der Schweiz sind ebenfalls kostenlos und auch im Ausland fallen keine zusätzlichen Bearbeitungsgebühren an. Schliesslich sind Bargeldbezüge an Bancomaten der Bank Cler gebührenfrei.
Nur in folgenden drei Situationen fallen beim Einsatz der Zak Visa Debit Karte Gebühren an:

Die letzten beiden Kostenpositionen sind vermeidbar, weshalb wir sie als nicht relevant erachten.
Einzelzahlungen manuell oder via QR-Code, Daueraufträge sowie Lastschriftverfahren (LSV) sind bei Zak kostenlos.
Neu und ebenfalls gratis bietet Zak den praktischen Service eBill an – die digitale Rechnung für die Schweiz. Damit können mit wenigen Klicks Rechnungen geprüft und bezahlt werden.
Auslandzahlungen innerhalb des SEPA-Raums sind in Heimwährung CHF kostenlos. Überweisungen in Euro erfolgen mittels eines automatischen Währungswechsels. Dabei kommt der jeweilige Tageskurs der Bank Cler zur Anwendung. Bei unserer Testüberweisung am 4.7.2022 kam ein Devisenkurs von EUR/CHF von 1.02204 zur Anwendung, was einer (zu hohen) Marge von rund 2% (!) entspricht.
Der Zahlungsverkehr bei Zak kennt folgende beiden Einschränkungen:
Gutschriften in CHF sind kostenlos. Zahlungseingänge in Fremdwährungen werden automatisch in CHF umgerechnet, und zwar basierend auf den jeweiligen Tagesdevisenkursen der Bank Cler.
Gemäss vier Testüberweisungen in Euro und US-Dollar auf das Zak CHF-Konto kamen folgende Devisenkurse zur Anwendung:
In Abstimmung mit den präzisen Interbanken-Kursen gemäss dem Währungsrechner von SIX beinhalten die Devisenkurse von Zak eine Marge von rund 2% (!), was vergleichsweise sehr hoch ist. Auf unsere Anfrage hat uns Zak diesen Wert bestätigt.
Schliesslich bietet Zak für den «internen» Zahlungsverkehr optional das Plug-in «Zak Instant» an. Mit dessen Aktivierung können Zak-Kundinnen und -Kunden sich Geldbeträge überweisen, und zwar – wie bei Twint – in Echtzeit.
Ja, die Zak App kann noch mehr als die zuvor genannten Basisleistungen. Sie deckt auch Themen wie Vorsorgen, Versicherungen, Shopping sowie das kostenpflichtige Leistungspaket Zak Plus ab. Darauf gehen wir nachfolgend näher ein:
Vorsorgen in der Säule 3a ist in steuerlicher Hinsicht attraktiv. Zak bietet hierzu zwei Modelle an, welche auch kombinierbar sind: «Vorsorgekonto 3» und «Wertschriften». (Die nachfolgenden Ausführungen bezüglich des Anlagehorizonts sind keine Empfehlungen von Zak, sondern entsprechen unserer Überzeugung, wonach kurzfristig nicht in die schwankungsanfällige Aktienklasse «Aktien» investiert werden sollte.)
Wer einen kürzeren Anlagehorizont hat, z.B. weil er in drei Jahren ein Eigenheim erwerben oder nächstes Jahr auswandern möchte, der dürfte sich vorzugsweise für das «Vorsorgekonto 3» entscheiden. Diese Variante ist keinen Marktturbulenzen ausgesetzt, da ausschliesslich Barmittel angelegt werden. Die Verzinsung beträgt aktuell 0,10%. Es fallen keine Gebühren an.
Wer hingegen einen längeren Anlagehorizont verfolgt, für den bietet Zak alternativ oder in Kombination drei nachhaltige Anlagelösungen mit Wertschriften an. Das Depot sowie alle Transaktionen sind kostenlos. Die laufenden Kosten (TER) betragen jährlich 1,25% des angelegten Betrags. Das erscheint uns relativ hoch, weshalb wir vor Abschluss dieser Vorsorgelösung einen Konkurrenzvergleich empfehlen.

Neu ist Zak eine Kooperation mit dem innovativen Versicherer LINGS eingegangen. Speziell daran ist, dass du deine liebsten Stücke taggenau versichern kannst.
Für Stefan, leidenschaftlicher Hobby-Fotograf, kostet seine Kamera mit Objektiv für eine eintägige Fotosession beispielsweise gerade mal 75 Rappen (vgl. Abbildung 6). Ein fairer Deal!
Kranken-, Reisegepäck- und Cyberversicherungen runden das Assekuranzangebot bei Zak ab.

Schnäppchenjäger finden in der App unter der Rubrik «Zaktion» laufend neue Angebote, wie beispielsweise ein JBL Go 3 Minilautsprecher für 33.00 statt 46.90 CHF.
«Das perfekte Angebot für alle, die flexibel bleiben wollen. Klimaschutz inklusive.» So zumindest wird dieses Leistungspaket für monatlich 8 CHF von der Bank Cler angepriesen.
«Flexibel» bedeutet hier der unbeschränkte Zugang zu allen Geldautomaten weltweit zu günstigen Konditionen.
Und mit «Klimaschutz inklusive» sind die 0,2 Rappen gemeint, welche Zak für jeden Franken, den Zak Plus Kundinnen und Kunden mit ihrer Karte ausgeben, fürs Klima spenden. Also nach dem Motto «Mit gutem Gewissen Geld ausgeben». Konkret geht es um ein jährlich wechselndes Klimaschutzprojekt im Rahmen der Zak Green Impact Initiative.
Schliesslich wird Zak Plus Kundinnen und Kunden in den Geschäftsstellen der Bank Cler ein Kaffee spendiert.
Nachfolgende Abbildung stellt den Leistungsumfang von Zak und Zak Plus gegenüber.

In der nachfolgenden Tabelle findest du die Preise für alle wesentlichen Leistungen der beiden Kontomodelle Zak und Zak Plus.
| Leistungen | Zak | Zak Plus | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Privatkonto Zak | |||
| Kontoführung | gratis | 8 CHF pro Monat | |
| Zinssatz | 0,00% | 0,00% | Kontoüberzüge sind nicht möglich |
| PDF-Kontoabschluss per 31.12. | gratis | gratis | |
| PDF-Kontoauszug, monatlich | gratis | gratis | |
| Rückzugsbeschränkung | keine | keine | |
| Zak Visa Debitkarte | |||
| Bargeldbezug an Bank Cler Bancomaten - von CHF - von EUR | gratis ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | gratis ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | basierend auf Visa-Referenzkurs |
| Bargeldbezug an fremden Bancomaten in der Schweiz - von CHF - von EUR | 2 CHF pro Bezug 5 CHF pro Bezug plus ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | gratis ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | basierend auf Visa-Referenzkurs |
| Bargeldbezug an Geldautomaten im Ausland | 5 CHF pro Bezug plus ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | basierend auf Visa-Referenzkurs |
| Einkäufe bezahlen - in der Schweiz - im Ausland | gratis ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | gratis ca. 0,5% Wechselkursaufschlag | basierend auf Visa-Referenzkurs |
| Kartensperrung - temporär via App - permanent via Kundenberater | gratis 50 CHF | gratis 50 CHF | |
| Ersatzkarte | 20 CHF | 20 CHF | |
| Zahlungsverkehr | |||
| Zahlungseingänge - in CHF - in Fremdwährungen | gratis zum Tageskurs von Bank Cler | gratis zum Tageskurs von Bank Cler | Wechselkurs-Marge von ca. 2% |
| Zahlungen, Dauerauftrag und LSV in der Schweiz in CHF | gratis | gratis | |
| Zahlungen und Dauerauftrag in der Schweiz in Euro | zum Tageskurs von Bank Cler | zum Tageskurs von Bank Cler | Wechselkurs-Marge von ca. 2% |
| Zahlungen und Dauerauftrag im Ausland in Euro | zum Tageskurs von Bank Cler | zum Tageskurs von Bank Cler | Wechselkurs-Marge von ca. 2%; Zahlungen ausserhalb SEPA-Raum nicht möglich |
Wie Tabelle 1 zeigt, sind bei Zak die Basisleistungen Kontoführung sowie Zahlungsverkehr und Kartennutzung im Inland gratis.
Kosten fallen für dich immer dann an, wenn Fremdwährungen, sei es bei Einkäufen im Ausland, beim Bargeldbezug oder beim Zahlungsverkehr, im Spiel sind.
Die preislichen Unterschiede zwischen den Kontomodellen Zak und Zak Plus sind überschaubar. Für die monatlichen 8 CHF Kontogebühr bei Zak Plus erhältst du im Wesentlichen mehr Flexibilität beim Bargeldbezug.
Konkret sparst du mit Zak Plus die Fixgebühren bei allen Barbezügen an fremden Geldautomaten (d.h. an nicht Bank Cler Bancomaten) im In- und Ausland.
Im Umkehrschluss heisst das für dich: Wenn du hauptsächlich mit Karte bezahlst bzw. nicht auf (fremde) Geldautomaten im In- und Ausland angewiesen bist, dann bist du mit dem gratis Kontomodell Zak definitiv besser bedient.
Allgemein empfehlen wir alle Anfragen zuerst dem Chat Bot von Zak via App mitzuteilen. Denn so können (für ihn) einfache Standardfragen umgehend beantwortet werden.
Wenn er nicht weiterhelfen kann, dann ist er so freundlich und verweist auf die Hotline des menschlichen Supports der Bank Cler.
Diese kostenlose Hotline für spezifischere Anfragen haben wir als recht effizient (mit einigen Minuten in der Warteschlaufe muss jeweils gerechnet werden), durchwegs in schweizerdeutscher Sprache, immer freundlich und meistens kompetent erlebt. Letzteres hängt naturgemäss von der jeweiligen Auskunftsperson ab.
Weitere Informationen zum Zak Support findest du in unserem ersten Zak Erfahrungsbericht.
Zak eignet sich für alle digital affinen Sparfüchse, welche
Wenn du auf einen oder mehrere der folgenden vier Services Wert legst, können wir dir Zak nicht empfehlen:
2023-10-31: Auf Auflösung Kooperation und Neobanken-Alternativen hingewiesen.
2023-05-05: Zinssatz auf 0,75% aktualisiert.
2023-02-16: Textblock „Kurz & bündig“ eingefügt; neuer Zinssatz von 0,4% erwähnt.
Für eine erfolgreiche, langfristige Geldanlage benötigst du einen verlässlichen Kompass. Davon sind wir überzeugt. In diesem Artikel erfährst du, welche 7 Prinzipien wir eisern befolgen – und wo wir es nicht so genau nehmen.
Kurz & bündig
Contents
Ein Prinzip ist für uns ein Grundsatz, dem unser Handeln und Verhalten zugrunde liegt. Prinzipien sind schlank, geben Orientierung und sind auch bei Veränderungen und Überraschungen anwendbar.
Mit anderen Worten: Eine erfolgreiche, langfristige Geldanlage orientiert sich nicht an schnelllebigen Trends und Moden, sondern basiert auf einem dauerhaften Fundament in Form von klugen Prinzipien. Daran halten wir uns in allen Wirtschafts- und Börsenlagen.
Weshalb wir das tun? Nun ja, wir sind einfach überzeugt, dass das Befolgen einiger Grundsätze massgeblich zum Erfolg beim Investieren beiträgt.
Nachfolgend erläutern wir unsere sieben Prinzipen und begründen, weshalb es sich lohnt, sie konsequent zu befolgen.
Deine langfristige Geldanlage profitiert mit diesem Prinzip gleich doppelt:

Sicher, dein hart Erspartes sollte nicht leichtfertig investiert werden. Eine seriöse Vorbereitung und ein durchdachter Plan sind natürlich wichtig. Aber spätestens nach ein paar Monaten Analyse & Co. ist die Zeit reif, zu «springen». Bei Vielen passiert aber das Gegenteil: Sie zögern und zaudern – und schieben Finanzangelegenheiten oft über Jahre buchstäblich auf die lange Bank.
Auf dem Sparkonto verliert aber dein Geld laufend an Wert: Die kümmerliche Verzinsung kann die Inflation meist nicht wettmachen. Und selbst, wenn es unter dem Strich einmal reale Zugewinne geben sollte, fallen diese so bescheiden aus, dass an einen spürbaren Zinseszinseffekt nicht zu denken ist.
Was ist also konkret zu tun? Stelle dir eine zu deinem Risikoprofil passende Asset Allocation zusammen und investiere in deinen ersten ETF. (Wie das geht, erfährst du in den nachfolgenden Prinzipien.)

Hast du deine erste Investition gemeistert, solltest du unbedingt dranbleiben. Und genau darum geht es bei diesem Prinzip.
Konkret: Kaum ist der Lohn auf dem Konto eingetroffen, wird per Dauerauftrag ein fix definierter Betrag an den Broker, den Robo-Advisor und/oder andere Anlage-Plattformen (z.B. Vorsorge 3a, P2P, Collectibles) deines Vertrauens überwiesen und renditeorientiert investiert.
Das Statement hinter diesem Prinzip ist klar: Investments first! Das heisst, wenn am Ende des Monats wieder einmal nichts mehr übrigbleibt, so schränkst du halt den Konsum ein und lässt dein Vermögen unabhängig von den Launen deiner Ausgabendisziplin Monat für Monat munter weiterwachsen.

Hier geht es um die zentrale Frage, ob du einen aktiven oder passiven Anlageansatz verfolgst. Unsere Portfolios sind konsequent passiv ausgerichtet: kein Stock Picking und kein Market Timing.
Unsere «Homebase» (Core) bei der langfristigen Geldanlage sind Aktien. Passiv bedeutet für diese Assetklasse, indexbasiert zu investieren. Dies ist einfach und günstig. Ersteres spart dir Zeit, letzteres Geld.
Passiv investieren bedeutet für uns aber auch, wissenschaftsbasiert investieren. Denn dass der passive Ansatz der erfolgsversprechendere ist, belegen zahlreichen Studien.
Dank dem genialen Anlagevehikel «ETF» ist die Umsetzung eines passiven Anlageansatzes für die langfristige Geldanlage kinderleicht: Schon mit einem einzigen ETF kannst du global in über tausend Unternehmen investieren. In unserem Artikel «ETF kaufen: So einfach geht’s!» sowie im dazugehörigen Video unten zeigen wir dir auf, wie du mit wenigen Klicks in einen ETF investieren kannst.
Wenn du auf manuelle Trades verzichten möchtest und es noch bequemer haben möchtest, dann setze dein Portfolio einfach in den Autopilot-Modus. Wie das geht? Ganz einfach. Entscheide dich für einen günstigen Robo-Advisor, teile «ihm» dein Risikoprofil mit und füttere ihn mittels eines Dauerauftrags regelmässig mit Geld. Fertig.
Statt manueller Trades investiert der Robo-Advisor automatisch nach deinen Vorgaben. Einfacher kannst du die Sparplan-Idee nicht umsetzen! (vgl. auch unsere Empfehlungsseite oder unseren Artikel «Robo-Advisor Schweiz: 3 Anbieter im Vergleich»)

Diversifiziert Investieren, heisst nicht nur unterschiedliche Anlageklassen wie Aktien und Immobilien zu berücksichtigen, sondern auch innerhalb einer Anlageklasse breit zu streuen.
Wie schon erwähnt: Unsere bevorzugte und betraglich mit Abstand grösste Anlageklasse sind Aktien. Dabei ziehen wir auf Indizes basierende ETFs den Einzeltiteln vor. Bei den Indizes wiederum präferieren wir globale oder regionale den länderspezifischen. Also «MSCI World» schlägt «SMI».
Mit einem gut diversifizierten Portfolio schliesst du einen Totalverlust (wie bei Einzeltiteln) aus. Zudem erzielst du ein besseres Rendite-/Risikoverhältnis. Oder wie es Harry Markowitz, Nobelpreisträger und Erfinder der modernen Portfoliotheorie, ausdrückte: Den einzigen «Free Lunch» bei der Geldanlage gibt es mit Diversifikation.
Wichtig dabei ist, dass du vor dem Investieren deine bevorzugte Vermögensdiversifikation dokumentierst. Diese Vermögensstrukturierung, die sogenannte Asset Allocation, gibt dir pro Anlageklasse die Zielwerte vor und schützt deine langfristige Geldanlage vor unüberlegtem Handeln. Mehr dazu findest du in unseren Artikeln «Diversifikation: Nicht alle Eier in den gleichen Korb» und «Asset Allocation: Das A und O deiner Geldanlage».

Basierend auf dem zuvor erwähnten Anlagekonzept in Form einer schriftlich dokumentierten Asset Allocation geht es nun darum, die Zielwerte mit Leben zu füllen. Das heisst, eine Produktauswahl zu treffen.
Erst wenn du glasklar verstehst, welches die wichtigsten Eigenschaften deiner künftigen Anlage sind, wie sie funktioniert und welche Risiken damit verbunden sind, solltest du überhaupt an eine Investition denken (vgl. beispielsweise unseren Artikel «ETFs: Worauf du bei der Wahl achten solltest»).

Ein passiver Anlageansatz ist per se schon deutlich günstiger als ein aktiver. Und dennoch: Auch beim passiven Investieren gibt es zwei relevante Kostenfaktoren, welche deine langfristige Geldanlage bzw. die entsprechende Rendite unnötig beeinträchtigen: Broker- und Produktgebühren.

Entscheide dich also für einen günstigen Broker und halte die Produktkosten tief, indem du günstige, am Markt etablierte ETFs wählst (vgl. auch unseren Artikel «Beste ETFs Schweiz und global: And the winner is…»).
Positiv: Beides, Broker und ETFs, gibt’s mittlerweile auch für Schweizer Anleger:innen zu sehr attraktiven Preisen.

Dieses Prinzip fasst in einem gewissen Masse die vorangegangen zusammen. Wir sind alles emotionale Wesen und neigen zu Schnellschüssen und Überaktivitäten. Planloses Handeln an der Börse solltest du jedoch unbedingt vermeiden, denn es schadet deiner Rendite.
Die Lösung: Präzisiere deine Prinzipien mit Regeln. Damit gibst du deinen Prinzipen einen konkreten Umsetzungsrahmen und vermeidest kostspielige Fehler. Deine langfristige Geldanlage wird es dir danken!
Fürs bessere Verständnis haben wir dir nachfolgend zu jedem der oben beschriebenen Prinzipien mögliche Regeln zugeordnet. Diese Regeln sind beispielhaft und sind auf deine individuellen Bedürfnisse abzustimmen.

Auch wenn uns, Toni und Stefan, diese sieben Prinzipien «heilig» sind, heisst dies nicht, dass unsere Portfolios identisch wären.
Im Gegenteil: Unsere langfristige Geldanlage zeichnet sich bei der konkreten Ausgestaltung durch eine grosse Vielfalt und unterschiedliche Vorgehensweisen aus. Insbesondere bei den folgenden fünf Aspekten:
Im Gegensatz zu unseren sieben Prinzipien betrachten wir diese unterschiedlichen Ausprägungen unserer Portfolios als nicht matchentscheidend für unseren Anlageerfolg. Sie stehen einfach für unsere individuellen Präferenzen bei der langfristigen Geldanlage.
Welche Prinzipien sind dir bei der Geldanlage wichtig? Über deine Meinung freuen wir uns!
Haftungsausschluss: Investieren birgt Risiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über die langfristige Geldanlage nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Starke Kursrückgänge lösen oft genau das aus, was an der Börse besonders gefährlich ist: emotionales Handeln. Angst, Unsicherheit und der Drang, etwas zu tun, sind natürliche Reaktionen – führen jedoch selten zu klugen Anlageentscheiden.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie wir in der letzten Korrekturphase vorgegangen sind, welche Überlegungen uns dabei geleitet haben – und in welchen zwei Situationen ein Verkauf dennoch notwendig sein kann.
Ausserdem werfen wir einen Blick zurück: Welche Muster sich in früheren Börsencrashs gezeigt haben – und wie du dieses Wissen für künftige Anlageentscheidungen nutzen kannst.
Kurz & bündig
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Die Finanzmärkte bleiben wohl noch auf längere Sicht volatil. Die Rückkehr von Donald Trump ins Weisse Haus, geopolitische Spannungen sowie wirtschaftspolitische Unsicherheiten in den USA und China verstärken die Nervosität vieler Anlegerinnen und Anleger spürbar. Die Märkte reagieren darauf mit heftigen Ausschlägen – mal nach unten, mal mit kurzlebigen Erholungen.
In solchen Phasen stellen sich viele die Frage: Ist das noch Teil des normalen Börsengeschehens – oder erleben wir gerade eine echte Zeitenwende?
Auch wir spüren, wie politische Unsicherheit das Bedürfnis nach Kontrolle auslöst – und damit die Versuchung, im Portfolio aktiv zu werden. Doch gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig es ist, Finanzentscheide nicht aus dem Bauch heraus zu treffen. Nicht jeder Rückgang verlangt nach einer Reaktion – aber manche Umbrüche können ein strategisches Umdenken notwendig machen.
Wir gehen später noch auf die verschiedenen Handelsoptionen bei einem Börsencrash ein. Eines vorweg ist jedoch glasklar: Wer in der Krise überhastet verkauft, den Erlös an der Seitenlinie parkiert und erst wieder einsteigt, wenn sich die Börse erholt hat, riskiert spürbare Verluste im Portfolio. Die nachfolgende Grafik zeigt, wie stark sich das auswirken kann.

Wenn die Börsen fallen, steigt der Puls. Das Gefühl, jetzt etwas tun zu müssen, ist tief in uns verankert – evolutionär gesehen war schnelle Reaktion oft überlebenswichtig. Doch an der Börse ist genau dieser Reflex problematisch: Wer sich von Angst oder kurzfristigen Schlagzeilen treiben lässt, trifft selten gute Entscheide.
Typische emotionale Reaktionen in solchen Phasen sind:
Diese psychologischen Fallen sind keine Schwäche – sie betreffen uns alle, auch erfahrene Anlageprofis. Deshalb ist es so wichtig, sich ihrer bewusst zu sein und klare Prinzipien im Umgang mit Marktschwankungen zu haben. Genau das war auch unser Leitfaden in der aktuellen Phase: zuerst beobachten, dann nachdenken – und erst danach, falls überhaupt nötig, handeln.
Ein kühler Kopf zahlt sich an der Börse fast immer aus – emotionales Handeln hingegen leider sehr selten.
Der Exit-Schritt, der meist aus der Angst heraus erfolgt – aber in bestimmten Fällen durchaus berechtigt sein kann. Grundsätzlich sehen wir zwei legitime Verkaufsgründe:
Wer kurzfristig auf Kapital angewiesen ist oder merkt, dass das eigene Risikoprofil nicht mehr zur Lebenssituation passt, kann über einen (Teil-)Verkauf nachdenken. Allerdings zeigt sich in solchen Fällen oft ein strategisches Versäumnis: Wer auf Aktienanlagen setzt, sollte über einen ausreichend langen Anlagehorizont verfügen – idealerweise zehn Jahre oder mehr. Denn die Vergangenheit zeigt, dass sich Börsenkurse über längere Zeiträume immer wieder erholen. Wer mitten in einer Korrektur verkaufen muss, weil das Geld bald gebraucht wird, hat sein Portfolio nicht sauber mit seinen Bedürfnissen abgestimmt.
Ein weiterer Grund für einen Verkauf ist tiefes Misstrauen gegenüber den Kapitalmärkten an sich. Wer davon überzeugt ist, dass der Kapitalismus langfristig scheitert oder freie Märkte strukturell vor dem Aus stehen, muss seine Anlagestrategie grundsätzlich hinterfragen. In diesem Fall ist nicht ein Kursrückgang das Problem, sondern das Vertrauen in das gesamte System.
Egal aus welchem Grund: Ein Verkaufsentscheid sollte nie aus einem Bauchgefühl heraus getroffen werden, sondern auf einer fundierten Einschätzung basieren – nüchtern, strategisch und professionell.
Die wohl häufigste – und oft auch sinnvollste – Strategie: nichts tun. Wer ein breit diversifiziertes Portfolio hat, das zur eigenen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft passt, kann vorübergehende Rückgänge in der Regel gut aushalten. Historisch gesehen haben sich die Märkte nach Krisen oft schneller erholt, als viele erwartet hätten. Geduld zahlt sich also in den meisten Fällen aus – vorausgesetzt, man hat die Nerven dazu.
Zum Nichtstun gehört übrigens auch, den laufenden Sparplan nicht zu unterbrechen, sondern einfach weiter laufen zu lassen und sich an den günstigen Kursen zu erfreuen.
Wer in Krisenzeiten seinen Sparplan unbeirrt weiterlaufen lässt oder wie in Option 3 unten seine Investments sogar erhöht, profitiert vom Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effect). Das heisst, dank den tieferen Börsenkursen bekommst du mehr Anteile für den gleichen Betrag.
Die beiden Zitate, die oft dem Bankier Nathan Rothschild zugeschrieben werden – «Kaufe, wenn die Kanonen donnern.» und «Kaufe, wenn Blut auf den Strassen fliesst – selbst wenn es dein eigenes ist.» – bringen die Idee des antizyklischen Investierens pointiert auf den Punkt. Sie stehen sinnbildlich für die Strategie, gerade in Zeiten grösster Verunsicherung beherzt zuzukaufen.
Zukaufen während einer Marktkorrektur kann tatsächlich eine der besten Möglichkeiten sein, von Rückgängen zu profitieren – vorausgesetzt, du verfolgst eine regelbasierte Strategie.
Angenommen, du hast ein Portfolio mit einer Ziel-Allokation von 80% Aktien und 20% Liquidität. Dein gesamtes Vermögen beträgt 200’000 CHF, also:
Nun korrigiert die Börse um 20%, was dein Portfolio beeinflusst. Dein Vermögen beträgt nun nur noch 168’000 CHF, und die Aufteilung hat sich verändert:
Um deine ursprüngliche Ziel-Allokation von 80% Aktien und 20% Liquidität wiederherzustellen, musst du deinen Aktienanteil aufstocken, sodass deine Aktienposition wieder auf 80% des neuen Gesamtvermögens von neu 168’000 CHF kommt, also:
Das bedeutet, du investierst aus Mitteln des Spartopfs zusätzliche 6’400 CHF in Aktien(-ETFs), um dein Portfolio wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Dieser regelbasierte Ansatz hilft dir, in einem Marktabschwung nicht aus Angst oder Euphorie zu handeln, sondern deine ursprüngliche Strategie beizubehalten. Wenn du kontinuierlich diesen Ansatz verfolgst, kannst du von tieferen Kursen profitieren und bleibst gleichzeitig fokussiert auf deine langfristigen Ziele.
Bitte beachte, dass du beim Kauf von Aktien bzw. bei dieser Art von Rebalancing deine Liquiditätsreserve stets unangetastet lassen solltest. Eine Faustregel besagt, dass du mindestens drei Monatsausgaben als Geldpuffer für kurzfristige Engpässe oder unerwartete Ausgaben bereithalten solltest. Damit bleibst du jederzeit finanziell flexibel.
Nach dem Überblick über drei Handlungsoptionen auf eine Marktkorrektur – verkaufen, aussitzen oder zukaufen – möchten wir dir zeigen, wie wir beim letzten Kurssturz, verursacht durch Trumps Zollhammer, konkret vorgegangen sind Denn Theorie ist das eine. Entscheidend wird es, wenn’s echt wird.
Stefan liess sich nicht beirren und hielt an seinem langfristigen Plan fest: Bereits im Dezember 2024 – kurz vor der Eskalation des Zollstreits – startete er ergänzend zu seinem ETF-Portfolio einen neuen Sparplan über VIAC Invest in ein globales Aktienportfolio. Sein Ziel: Den stetigen Vermögensaufbau mit einem laufenden Rebalancing zu verbinden – automatisch, diszipliniert und ohne hektische Eingriffe.
Denn wenn die ursprünglich anvisierte Vermögensverteilung durch Marktbewegungen über die Zeit vom realen Portfolio abweicht, braucht es nicht zwingend manuelle Umschichtungen. Mit dem Sparplan à la VIAC Invest, findependent oder anderen günstigen Robo-Advisors lässt sich nicht nur bequem mittels eines Dauerauftrags das Vermögen aufbauen, sondern auch das Gleichgewicht im Portfolio Schritt für Schritt wiederherstellen – ganz einfach per Knopfdruck.
Zur Veranschaulichung: Der US-Aktienanteil lag etwas über dem Zielwert, weshalb er diesen im neuen Sparplan untergewichtete.
Diese Herangehensweise hat klare Vorteile: Bei fallenden Kursen bekommt Stefan dank des bereits erläuterten Cost-Average-Effect mehr Anteile für den gleichen Betrag. Gleichzeitig minimiert die «Dauerauftrag»-Methode das Risiko, grössere Summen zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu investieren – und sorgt für emotionale Stabilität, wenn es an den Märkten stürmisch wird.

Toni setzt ebenfalls auf einen klaren Plan – geht dabei aber offensiver vor. Auch er bleibt durchgehend voll investiert und hält kein Cash für «bessere» Kurse zurück. Stattdessen nutzt er bei ausgeprägten Rücksetzern von 20%, 30% und 40% gezielt Lombardkredite, um sein bestehendes Portfolio mit zusätzlichem Kapital zu verstärken.
Sein Vorgehen folgt festen Regeln: Ein moderater, je nach Stärke der Korrektur gestaffelter Hebel (Loan-to-Value ab 20% bis max. 40%), kein unnötiges Risiko und kein Einsatz «aus dem Bauch heraus».
Dank dem allgemein tiefen Zinsniveau und den attraktiven Konditionen von Interactive Brokers – für seinen letzten Wertschriftenkredit im April 2025 bezahlte Toni lediglich 1% Zinsen – bleibt die Strategie insbesondere in Tiefzinsphasen tragfähig.
Bei breit diversifizierten ETF-Portfolios wie dem MSCI World liegt die erforderliche Sicherheitsleistung (Maintenance Margin) typischerweise bei rund 15% des gesamten Portfoliowerts – also gemessen am Marktwert aller Positionen, ohne Abzug des eingesetzten Fremdkapitals.
Tonis Strategie ist so ausgestaltet, dass selbst grössere Rückschläge – wie der rund 55-prozentige Einbruch während der Finanzkrise – keinen Margin Call ausgelöst hätten. Zwar wird Fremdkapital eingesetzt, was das Risiko grundsätzlich erhöht, doch die Belehnungsgrenzen sind bewusst konservativ gewählt. Dadurch kann Toni auch bei starken Kursschwankungen gelassen bleiben und behält die Kontrolle über seine Positionen.
In den letzten Jahren hat Toni diese Strategie bei drei markanten Rücksetzern erfolgreich angewendet: beim «Trump-Zollhammer» 2025, beim Aktienmarktrückgang 2022 und beim Corona-Crash 2020. Sobald sich die Kurse wieder alten Höchstständen annähern, veräussert Toni die zugekauften Anteile wieder und nutzt die Erlöse, um den Lombardkredit zurückzuzahlen.
Der Vorteil seiner Hebelstrategie: Sofortige Wirkung und maximale Kapitaleffizienz. Die Kehrseite: höhere Volatilität – in beide Richtungen.
Mehr über das Hebeln mit Wertschriftenkrediten und die damit verbundenen Risiken findest du in unserem Artikel «Lombardkredit beim ETF Kauf».

Abgesehen von einer Liquiditätsreserve für unerwartete Ausgaben halten weder Stefan noch Toni Liquidität zurück, um auf bessere Börsenzeitpunkte zu «warten» – denn wir glauben nicht an Market Timing, sondern an Time in the Market. Entscheidend ist nicht, den perfekten Moment zu treffen, sondern überhaupt dabei zu bleiben – mit Disziplin, System und einem klaren Plan.
So unterschiedlich unsere Wege auch sind – das zugrunde liegende Prinzip ist dasselbe: langfristig investiert zu bleiben, rational zu handeln und die Marktschwäche als Chance zu nutzen.
Bei Börsencrashs (rapide Korrektur) oder Bärenmärkten (langsamere Korrektur) fallen die Aktienkurse aufgrund des weit verbreiteten Pessimismus und der negativen Anlegerstimmung von den jüngsten Höchstständen um 20 Prozent oder mehr, bis ein neuer temporärer Tiefpunkt erreicht ist. Bei Kursabschlägen zwischen 10 und 20 Prozent spricht man von einer Börsenkorrektur.
Börsencrashs fühlen sich im Moment des Geschehens immer beängstigend an – doch sie sind nichts Neues. Wer einen Schritt zurücktritt, erkennt: Die Finanzmärkte haben in der Vergangenheit schon viele Krisen erlebt – und sich jedes Mal wieder erholt. Ein Blick in die Geschichte hilft dir, aktuelle Turbulenzen besser einzuordnen und Panikreaktionen zu vermeiden.

Der beträchtliche Zuwachs eines investierten US-Dollars im Chart oben unterstreicht die enormen Vorteile einer langfristigen Anlage. Dennoch war es alles andere als ein stetiger Anstieg in diesem superlangen Zeitraum von über 150 Jahren. So kam es zu nicht weniger als 19 Marktzusammenbrüchen, die unterschiedlich schwerwiegend waren.
Nachfolgend wollen wir auf fünf besonders spektakuläre Börsencrashs näher eingehen:
Am 12. März 2020, einen Tag nach der offiziellen Pandemie-Erklärung durch die internationale Gesundheitsbehörde WHO, brechen die Börsen weltweit ein. Der Dow Jones verliert über 10%, der grösste Tagesverlust seit dem «Schwarzen Montag» 1987. Auch in den folgenden Tagen geht es steil bergab – am 16. März fällt der US-Markt nochmals um über 12%. Und doch: Nur wenige Monate später sind viele Indizes wieder auf Vorkrisenniveau.
Den Corona Crash haben wir im Artikel «Börsencrash 2020: Was sollen Anleger jetzt tun?» ausführlich behandelt.
Ausgehend von der US-Immobilienblase (insbesondere Subprime-Markt) gerät das globale Finanzsystem ins Wanken. Nach der Lehman-Pleite im September 2008 geraten die Börsen weltweit unter Druck: Von Januar bis Oktober verlieren viele Indizes 30 bis 50%. Die USA rutschen in eine tiefe Rezession – und trotzdem folgt ab 2009 eine der längsten Börsenhausse der Geschichte.
Die Euphorie rund um neue Technologien und Internetfirmen treibt die Börsen auf Rekordhöhen – bis im Frühjahr 2000 die Realität zuschlägt. Der Nasdaq verliert allein im April fast 30%, über das Jahr gesehen sogar 39,3%. Viele Techfirmen verschwinden, doch langfristig entwickelt sich der Technologiesektor zum Wachstumsmotor.

Am 19. Oktober 1987 verliert der Dow Jones 22,6% – an einem einzigen Tag. Die Gründe: Haushaltsdefizite, Zinserhöhungen und automatisierte Verkaufsprogramme. Die Panik greift weltweit um sich. Der Schock sitzt tief, doch die schwarzen Wolken am Börsenhimmel verziehen sich allmählich: Ein Jahr später haben sich die Kurse weitgehend erholt.

Die vielleicht berühmteste Krise beginnt mit einem Kursrutsch am 24. Oktober 1929, dem «Schwarzen Donnerstag». Was folgt, ist ein massiver Ausverkauf, der zur schwersten jemals erfassten Wirtschaftskrise führt. Die Kurse stürzen global bis zu 80% ab, und es dauerte über 20 Jahre, bis sich die Märkte vollständig erholten – ein extremer Fall, der aber auch von der fehlenden wirtschaftspolitischen Reaktion geprägt war.

Krisen sind unvermeidlich – sie gehören zu den Märkten genauso wie Perioden der Stabilität und des Wachstums. Doch was zählt, ist nicht, wie oft die Märkte einbrechen, sondern wie du auf diese Rückschläge reagierst. Die Vergangenheit zeigt uns unmissverständlich, dass die Märkte sich langfristig immer wieder erholen und du nach Börsencrashs gestärkt herauskommst, wenn du ruhig bleibst, deinen Plan verfolgst und nicht in Panik gerätst.
Oder wie der legendäre Investor Warren Buffett treffend sagt: «Nur wenn die Flut zurückgeht, sieht man, wer ohne Badehose schwimmt.»
Nutze die Lehren aus vergangenen Krisen, um deinen eigenen, individuell auf deine Ziele und dein Risikoprofil abgestimmten Plan zu verfeinern. Denke daran: Die Börse ist ein Marathon, kein Sprint.
Dein erfolgreicher Weg an den Finanzmärkten beginnt mit der Überzeugung, ruhig zu bleiben – auch wenn die Märkte verrückt zu spielen drohen. Wer langfristig und überlegt handelt, gehört selbst in turbulenten Zeiten zu den Gewinnern.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel zum Thema Börsencrash nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Diesmal widmen wir uns einem sehr kontroversen Thema: das Hebeln der Eigenkapitalrendite mittels Aktien-ETFs auf Pump. Ja, mehr noch: Für viele Anleger:innen, einschliesslich der Blogger-Community, stellen kreditfinanzierte Investments ein No-Go dar. Nicht für uns. In diesem Blogbeitrag berichten wir über unsere Erfahrungen mit Lombardkrediten, zeigen dir auf, wie du das Schreckensszenario «Margin Call» souverän umschiffst und wann du unbedingt die Finger von Wertschriftenkrediten lassen solltest.
Kurz & bündig
Beginnen wir mit einem kurzen, verlockenden Gedankenspiel: «Wenn globale ETFs langfristig gut 8 Prozent Rendite pro Jahr abwerfen und die Kreditzinsen deutlich darunter liegen, dann ist es doch ein Bombengeschäft, ja ein No-Brainer, fremdfinanziert zu investieren.»
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Ein Lombardkredit ist ein Wertschriftenkredit. Das heisst, gegen Verpfändung deiner liquiden Wertschriften, wie Aktien (-ETFs) oder Obligationen (Anleihen), erhältst du von deiner Depotbank einen Kreditrahmen, den du flexibel beanspruchen kannst. Die verpfändeten Wertschriften bleiben in deinem Eigentum, und du profitierst weiterhin von allfälligen Wertsteigerungen und Dividendenzahlungen.
Für den beanspruchten Kredit bezahlst du einen Zins. Dieser Zins ist oft deutlich tiefer als bei einem Privat- bzw. Konsumkredit. Denn die Bank erhält mit deinen verpfändeten Wertschriften eine zusätzliche Sicherheit (anlog der Immobilienfinanzierung mittels eines Hypothekarkredits). Damit sinkt das Ausfallrisiko für die kreditgebende Bank beträchtlich. Das heisst, solltest du nicht mehr in der Lage sein, Zinsen und Kredit zurückzuzahlen, kann die Bank dein Pfand in Form von Wertschriften einfach verkaufen. Zusammenfassend weist der Lombardkredit folgende Merkmale auf:
Gemäss unseren Recherchen werden auf dem Schweizer Markt häufig Kontokorrent- und seltener Festvorschuss-Lombardkredite angeboten. Im Gegensatz zum Festvorschuss gibt es bei der Kontokorrent-Variante üblicherweise weder eine fixe Laufzeit, noch einen fixen Kreditbetrag, noch einen fixen Zinssatz. Stattdessen kannst du bei der Kontokorrent-Variante in der Regel den Kredit jederzeit kündigen und den gewährten Kreditrahmen flexibel nach effektivem Bedarf nutzen (und nur darauf Zins bezahlen!). Schliesslich ist auch der Zins flexibel, d.h. er kann je nach Marktlage auf Tagesbasis variieren. In diesem Artikel wollen wir uns auf die Variante «Kontokorrent-Lombardkredit» konzentrieren.
Die Ausführungen im Abschnitt oben stellen eine Vereinfachung des Wertschriftenkreditgeschäfts dar. Vor Aufnahme eines Lombardkredits solltest du die individuellen Vertragsbedingungen und das Kleingedruckte deiner kreditgebenden Depotbank genau zu studieren.
Mit dem Lombardkredit kannst du verschiedene Ziele verfolgen. In jedem Fall erhältst du zusätzliche Liquidität, ohne dass du deine Wertschriften verkaufen musst. Diese zusätzlichen Barmittel kannst du für unterschiedliche Zwecke einsetzen: beispielsweise für eine Weltreise, eine neue Küche oder für zusätzliche Investitionen.
Wir konzentrieren uns auf die zusätzlichen Investitionen (in Aktien-ETFs), denn nur in diesem Fall kannst du deine Eigenkapitalrendite hebeln. Das heisst, wenn du mit einem Hebel oder Leverage investierst, verfolgst du grundsätzlich immer das gleiche Ziel: mit geringem Kapitaleinsatz grosse Geldsummen bewegen.
Nüchtern bzw. finanziell betrachtet lohnt sich ein Lombardkredit immer dann, wenn die Kursgewinne einschliesslich Dividenden über den Kreditzinsen liegen.
Die verpfändeten Vermögenswerte werden zu einem Prozentsatz des jeweiligen Marktwertes belehnt. Dieser sogenannte Belehnungssatz, auch Beleihungssatz oder Loan to Value Ratio (LTV) genannt, variiert je nach Risiko, Handelbarkeit des Wertpapiers und Bank.
Nehmen wir an, du verfügst über ein globales Aktien-ETF-Portfolio mit einem Börsenwert von 100’000 CHF und möchtest einen Lombardkredit aufnehmen. Deine Depotbank nimmt zuerst eine Risikobeurteilung deines Portfolios vor. Darauf basierend ermittelt sie den Belehnungssatz, welcher nicht überschritten werden darf, ansonsten ein Margin Call droht. Dazu aber später.
Je sicherer dein Portfolio von der Bank bewertet wird, desto höher wird der maximale Belehnungssatz sein. In diesem Artikel, einschliesslich des nachfolgenden Beispiels, gehen wir jeweils von einem maximalen LTV von 50% aus, welcher für ein breit diversifiziertes Aktien-ETF-Portfolio realistisch ist.
Dies bedeutet, dass du zu deinen eigenfinanzierten Wertschriften im Wert von 100’000 CHF maximal nochmals 100’000 CHF als Fremdkapital erhältst. Schöpfst du den gesamten Kreditrahmen aus und investierst ihn in Wertschriften, dann verfügst du über einen Hebel von zwei.
Je höher der Belehnungssatz bzw. LTV ist, desto mehr Hebelpotenzial hast du. Die LTV-Formel lautet also:
LTV = Loan / Value = Lombardkredit / Depotwert
Depotwert = 200’000 (aktueller Kurswert bestehend aus Eigenkapital und Kredit)
Eigenkapital = 100’000
Kredit (Loan) = 100’000
LTV = 100’000 / (200’000) = 0,50 = 50%
Ausgehend von einem LTV von 50% zeigt die nachfolgende Grafik das Zusammenspiel zwischen Kursentwicklung und LTV. Grundsätzlich gilt: Steigen die Kurse bzw. der Depotwert, sinkt der LTV und umgekehrt.
Dank der zu Beginn und danach mehrheitlich steigenden Kurse kam der LTV während der gesamten 14-jährigen Periode nie in die kritische Gefahrenzone «Margin Call», was in unserem Beispiel einen LTV von über 50% bedeutet hätte. (Wie wir später noch belegen werden, raten wir dringend ab, gleich zu Beginn den gesamten Kreditrahmen von LTV 50% auszuschöpfen.)

Kurz: Sehr direkt, und zwar sowohl bei steigenden als auch fallenden Kursen. Dieser Leverage ist also ein zweischneidiges Schwert.
Konkret anhand des Zahlenbeispiels oben: Steigt nach einem Jahr dein Wertschriftendepot um 10% auf 220’000 CHF, so verdoppelst du dank des Kredithebels deine Eigenkapitalrendite auf 20% (20’000 Kursgewinne Wertschriften / 100’000 investierte Eigenmittel). Ohne Lombardkredit würde deine Eigenkapitalrendite hingegen nur 10% betragen.
Bei Kursverlusten sieht’s entsprechend düster aus: Bei einem 10% Börsentaucher sinkt dein Depotwert auf noch 180’000 CHF. Deine gehebelte Negativ-Eigenkapitalrendite verdoppelt sich und beträgt somit -20% (20’000 Kursverluste / 100’000 investierte Eigenmittel) statt -10% ohne Lombardkredit.
Die Zinsen für Lombardkredite variieren von Anbieter zu Anbieter sehr stark. Aber auch unter den preislich attraktiveren Online-Brokern können sich die Konditionen recht deutlich voneinander unterscheiden, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:
| CHF | EUR | USD | |
|---|---|---|---|
| DEGIRO | 2,50%* - 4,00% | 4,75%* - 6,25% | 5,25%* - 6,90% |
| Interactive Brokers | 1,50%** | 3,451%** | 5,14%** |
| Saxo Bank | 2,00%*** | 3,91%*** | 6,80%*** |
| Swissquote | 3,00% | 4,93% | 6,82% |
Die jeweils aktuellen Lombardkredit-Konditionen der vier Anbieter kannst du den nachfolgenden Links entnehmen: DEGIRO | Interactive Brokers | Saxo Bank | Swissquote
Auf unserer neuen Empfehlungsseite findest du die wichtigsten Eigenschaften und Konditionen (einschliesslich Bonus-Guthaben) dieser vier Online-Broker.
Gemäss unseren Erfahrungen hat Interactive Brokers auch über längere Betrachtungszeiträume äusserst attraktive Konditionen für Lombardkredite angeboten. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, wenn du deine eigenen Recherchen anstellst und zuerst die Konditionen deiner bestehenden Depotbank prüfst. Denn die zu verpfändenden Wertschriften müssen im Depot der kreditgebenden Bank sein.
Risiko und Lombardkredit sind eng miteinander verbunden, weshalb wir diesem Thema besonders viel Raum geben möchten. Insbesondere die folgenden drei Risiken solltest du verstehen und im Auge behalten:
Das Risiko mit der grössten finanziellen Tragweite sehen wir beim durch den Broker erzwungenen Verkauf der Sicherheiten. Wie kann es soweit kommen? Grundsätzlich immer dann, wenn der Depotwert deines Margin-Kontos (d.h. ein Konto, das teilweise mit Wertschriftenkredit finanziert wird) unter den von der Depotbank geforderten Mindestbetrag (Maintenance Margin) fällt, womit der LTV die maximal zulässige Limite übersteigt.
Obschon der Begriff «Margin Call» nach wie vor gebräuchlich ist und seit dem gleichnamigen Film von 2011 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist, wird er schon lange nicht mehr wörtlich umgesetzt.

Dein Bankberater wird also nicht wie früher zum Hörer greifen, sondern dich schriftlich auffordern, innert einer bestimmten Frist, zusätzliches Kapital einzuschiessen oder deine Positionen zu verkaufen.
Andernfalls bzw. wenn du dem Margin Call nicht nachkommst, schliesst dein Bankberater die entsprechenden Positionen selber. Er verkauft also die im Wert gefallenen Sicherheiten zu einem aus Sicht des Anlegers äusserst ungünstigen Zeitpunkt.
Um einen Margin Call zu vermeiden, solltest du folgende präventive Gegenmassnahmen erwägen:

Die Zinsen für Lombardkredite können sich je nach Marktlage und Währung verändern. Massgeblich für die Entwicklung der Lombardkredite in Heimwährung ist der Leitzins, welcher durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) bestimmt und regelmässig überprüft wird.
Je höher der Leitzins, desto höher also der Lombardkreditzins und desto höher die laufenden Zinskosten. Neben dem Leitzins beeinflusst die Marge der kreditgebenden Bank die Zinskosten. Wie wir bereits oben gesehen haben, variieren die Konditionen bei Lombardkrediten von Anbieter zu Anbieter stark.

Trotz dieser Zinsanstiege in jüngster Zeit sind die Zinsen in der Schweiz im Vergleich zum Ausland (USA und Euroraum) aktuell deutlich tiefer und waren es in der Regel auch in der Vergangenheit. Dies schlägt sich in den je nach Währung stark variierenden Lombardzinssätzen nieder.
Nichtsdestotrotz, um das Risiko von übermässigen Zinskosten zu vermeiden, solltest du folgende Gegenmassnahmen erwägen:
Die beiden oben genannten Risiken sind mit einem regelbasierten Vorgehen in den Griff zu bekommen. Davon sind wir überzeugt. Wir werden später noch konkreter darauf eingehen. Ganz anders sieht es aber aus, wenn Emotionen überhandnehmen und sich nach hohen (Buch-)Verlusten Panik ausbreitet.
Das heisst, du solltest dir ehrlich folgende Frage beantworten: Wie habe ich bisher auf Kursverluste reagiert? Wenn du stets cool geblieben bist und jeweils (regelbasiert) dein Portfolio zu tiefen Kursen wieder aufgestockt hast, könnten Lombardkredite eine Option für dich sein.
Wenn du hingegen, wie wohl die meisten Anleger:innen, unter Verlustaversion leidest, solltest du unserer Meinung nach generell die Finger von Lombardkrediten lassen. Eine intakte Lebensqualität, wozu auch guter Schlaf dazugehört, ist definitiv ein wichtigerer Wert als Gewinnmaximierung!
Unabhängig von der allgemeinen Börsenlage stellt sich die Frage, ob das zuvor beschriebene Zinsumfeld über Aufnahme eines Lombardkredits entscheiden soll oder nicht.
Während für Stefan eine Kreditaufnahme nur bei moderaten Lombardkredit-Zinssätzen (unter 3%) in Frage käme, spielt das Zinsniveau für Toni nur eine untergeordnete Rolle bzw. beeinflusst seinen Entscheid über eine Kreditaufnahme kaum.
So oder so, zum Glück handelt es sich bei der Schweiz traditionellerweise um ein Tiefzinsland, weshalb Lombardkredite in Heimwährung vergleichsweise günstig sind.
In der Praxis wird der Lombardkredit oft kurzfristig für spekulative Anlagen eingesetzt. Wer kurzfristig auf Gewinne spekulieren möchte, hebelt also insbesondere in Bullenmärkten bzw. in Börsenhaussen.
Der Spekulant erhofft sich dabei, dass der Kurs einer vielversprechenden Aktie bald durch die Decke gehen wird.
Er nutzt also das Momentum. Im Finanzkontext beschreibt das Momentum die Tendenz, dass Aktien mit vergleichsweise starken Wertsteigerungen in jüngster Vergangenheit auch in naher Zukunft überdurchschnittlich gut performen.
Eine gegenläufige Tendenz wird mit dem Begriff «Regression zur Mitte» aus der Statistik ausgedrückt. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das die langfristige Entwicklung der Rendite von Kapitalanlagen beeinflusst.
Statistisch gesehen ist es nämlich so, dass sich die Rendite bei Aktien und anderen Wertanlagen über einen längeren Zeitraum immer um den sogenannten mittleren Durchschnitt bewegt. Das heisst also, dass die Bruttorendite deiner Geldanlage früher oder später zu einem langfristigen Marktdurchschnitt zurückgeht – ganz egal, ob die Ausgangsrenditen positiv oder negativ waren. Das Ganze gilt allerdings vor allem für mittel- bis langfristige Zeiträume. Für Zeitspannen von weniger als 5 Jahren trifft die Regression zur Mitte nicht zu.
Basierend auf diesem Phänomen erscheint es wiederum sinnvoll, in Bärenmärkten mittels Wertschriftenkrediten zu hebeln. Am besten also, wenn die Kurse beispielsweise eines MSCI World Index deutlich unter dem Allzeithoch liegen.
| Start | Ende | Dauer in Tagen | Drawdown | nach 1 Jahr | +/- Höchststand* |
|---|---|---|---|---|---|
| 20.11.1980 | 12.08.1982 | 630 | -28% | 47% | 6% |
| 27.08.1987 | 26.10.1987 | 60 | -24% | 25% | -5% |
| 04.01.1990 | 28.09.1990 | 267 | -26% | 21% | -10% |
| 20.07.1998 | 05.10.1998 | 77 | -21% | 36% | 7% |
| 27.03.2000 | 09.10.2002 | 926 | -51% | 36% | -33% |
| 31.10.2007 | 09.03.2009 | 495 | -59% | 70% | -30% |
| 21.05.2015 | 11.02.2016 | 266 | -19% | 24% | 0% |
| 26.01.2018 | 25.12.2018 | 333 | -20% | 31% | 5% |
| 12.02.2020 | 23.03.2020 | 40 | -34% | 74% | 15% |
Zwischenfazit: Das kurzfristig orientierte Spekulieren liegt uns fern. Deshalb gilt für uns: Wenn schon ein Lombardkredit, dann nur bei Börsenkursen, die deutlich unter dem Allzeithoch liegen und – was Stefan betrifft – bei einem moderaten Zinsniveau.
Hypothekarschulden werden in der Schweiz üblicherweise nicht vollständig amortisiert. Wie sieht es beim Lombardkredit aus?
Basierend auf der im Zusammenhang mit Lombardkrediten für uns entscheidenden Erkenntnis, wonach in der Vergangenheit nur ein Jahr nach Kurstauchern überdurchschnittlich starke Erholungen an den Märkten einsetzten (vgl. Tabelle oben), haben wir eine strikt regelbasierte Exit-Strategie entwickelt. Dieses Regelwert beinhaltet die folgenden drei Regeln:
Mit diesen drei Regeln stellen wir sicher, dass sogar bei einem extremen Börsencrash von 60% kein Zwangsverkauf zum ungünstigsten Zeitpunkt infolge «Margin Call» droht.
In der nachfolgenden Tabelle haben wir vier Exit-Szenarien S1 – S4 mit den jeweiligen Amortisationszeitpunkten durchgespielt.
Die Tabelle ist wie folgt zu lesen: Folgt eine Kurskorrektur um 25% (bis <40%), so handelt es sich um Szenario 1 (S1). Folgt eine Kurskorrektur um 40% (bis <50%), so handelt es sich um Szenario 2 (S2). Szenario 2 beinhaltet alle oberhalb liegenden weissen Zeilen, also auch die ersten drei von S1. Analog geht es weiter mit den Extrem-Szenarien 3 und 4, welche massive Kursverluste von 50% resp. 60% adressieren und deshalb sehr selten eintreffen werden. Jedes Szenario ist grün hervorgehoben und besteht aus zwei Ereignissen (separate Zeilen): Kurserholung bis Höchststand und Kreditamortisation.
Wir sind wieder davon ausgegangen, dass die Depotbank Lombardkredite bis zum einem maximalen LTV von 50% vergibt. Wird also dieser Schwellenwert überschritten, droht der Zwangsverkauf bzw. es kommt zum Margin Call.

Wer bei einer Kurskorrektur von -60% mehr Sicherheitsmarge haben bzw. den LTV unter 50% drücken möchte, verzichtet auf die 3. Kreditaufnahme bei Kurskorrektur -50%. Mit dieser einfachen Massnahme würde nach einem Börsencrash von 60% ein LTV von 45% resultieren (statt 50% gemäss Tabelle).
Was bedeutet dies nun für deine Rendite? Nachfolgend haben wir die Eigenkapitalrendite von Szenario 1 (S1) mit derjenigen ohne Kredithebel verglichen. Zu beachten ist, dass wir bei beiden Berechnungen dasselbe Eigenkapital einsetzen, und zwar jenes zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme. Wir sind zudem von 3% Kreditkosten und einer Kreditdauer von 1 Jahr ausgegangen.
Eingesetztes Eigenkapital = 75’000 CHF (Depotwert zum gleichen Zeitpunkt wie bei Kreditaufnahme)
Kursgewinn = 25’000 CHF (100’000 CHF – 75’000 CHF)
Eigenkapitalrendite = 33,3% (25’000 CHF / 75’000 CHF = Gewinn / eingesetztes EK)
Eingesetztes Eigenkapital = 75’000 CHF (Wert Eigenkapital zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme)
Kursgewinn = 31’250 CHF (125’000 CHF – 93’750 CHF)
Kreditkosten p.a. = 563 CHF (=18’750 CHF * 3%)
Gewinn nach Kreditkosten = 30’687 (= 31’250 CHF – 563 CHF)
Eigenkapitalrendite = 40,9% (= 30’687 / 75’000 = Gewinn / eingesetztes EK)
Wie erwähnt kannst du die zusätzliche Liquidität, welche du durch den Lombardkredit erhältst, für unterschiedliche Zwecke verwenden. Wenn du beispielsweise den Kredit «verkonsumierst», liegt der Vorteil insbesondere darin, dass du deine Wertschriften nicht verkaufen musst, um an die erforderliche Liquidität zu kommen. Zudem profitierst du in der Regel von tieferen Zinsen als bei einem Privatkredit.
Uns interessieren an dieser Stelle jedoch nur Lombardkredite, welche in zusätzliche Wertschriften investiert werden. Die aufgeführten Vor- und Nachteile entsprechen unserer subjektiven Meinung und sind im Vergleich zu einem klassischen, nicht gehebelten Investment zu verstehen.
Vor- und Nachteile von Lombardkrediten
Nachfolgend stellen wir zwei andere Möglichkeiten vor, wie du mit Hebelwirkung bzw. Leverage-Effekt investieren kannst.
Bei dieser Variante investierst du in spezielle Hebel-ETFs, welche zwar wie klassische ETFs einen Index abbilden, dessen Kursentwicklung jedoch um einen bestimmten Faktor verstärkt wird. Liegt beispielsweise ein Faktor zwei zugrunde und der Referenzindex steigt an einem Tag um 2%, dann schiesst der Leveraged-ETF um 4% in die Höhe. Im Gegensatz zum Lombardkredit erhältst du bei einem Hebel-ETF keine zusätzliche Liquidität und das Angebot ist noch recht bescheiden. Nichtsdestotrotz, das Konzept hinter Leveraged-ETFs finden wir spannend, weshalb wir dieser Anlagemöglichkeit einen separaten Artikel widmen werden.
Strukturierte Produkte mit Hebelwirkung sind komplexe Finanzprodukte, mit denen auf eine Kursbewegung des zugrundeliegenden Wertes reagiert werden kann. Beliebte zugrundeliegende Werte sind einzelne Aktien, Indizes, Rohstoffe und Währungen. Strukturierte Produkte mit Hebelwirkung lehnen wir ab, weil sie unserer Meinung nach zu teuer und zu wenig transparent sind. Letzteres zeigt sich insbesondere in ihrer oft undurchsichtigen Konstruktion.
Es liegt auf der Hand: Die Aufnahme eines Wertschriftenkredits eignet sich nur für nervenstarke Anleger:innen und sollte wohlüberlegt sein. Denn der mit der Kreditaufnahme einhergehende Hebel wirkt auf beide Seiten: Kursgewinne als auch -verluste werden verstärkt. Zudem können die Kreditzinsen kurzfristig steigen, was dein Nervenkostüm zusätzlich strapazieren kann.
Überdies solltest du ein Lombardkredit nur dann in Betracht ziehen, wenn du vorhandene Barmittel oder anderes, günstigeres Eigenkapital bereits investiert hast.
Wem diese Punkte bewusst sind, sollte sich nun gegen die Risiken wappnen, welche mit einem Lombardkredit einhergehen.
Und damit kommen wir zurück auf unser einleitendes Gedankenspiel. Leider ist es kein No-Brainer, fremdfinanziert zu investieren, auch wenn die Renditen an der Börse langfristig höher liegen dürften als die Zinsen für Lombardkredite – insbesondere in unserer Heimwährung CHF.
Denn anders als bei eigenfinanzierten ETFs kannst du bei fremdfinanzierten Wertschriften starke Kursverluste nicht einfach in bewährter Buy and Hold Manier aussitzen. Grund dafür ist der Margin Call bzw. das damit verbundene Risiko, wonach du deine Wertschriften zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen musst.
Um die mit dem Margin Call verbundenen finanziellen Verluste zu vermeiden, solltest du den von der Bank gewährten Kreditrahmen nie ganz ausschöpfen. Damit verschaffst du dir eine wichtige Sicherheitsmarge – und ruhigere Nächte.
Zudem solltest du aufpassen, dass dir die Zinskosten nicht aus dem Ruder laufen. Konkret könnte diese zweite Sicherheitsmassnahme darin bestehen, dass du – basierend auf einer seriösen Budgetplanung – die erwarteten Zinskosten vorsichtig kalkulierst (d.h. mit einer Sicherheitsmarge bzw. einem hohen, kalkulatorischen Zinssatz von 5%). Eine weitere Massnahme gegen hohe Zinskosten könnte darin bestehen, dass du dir bei der Kreditaufnahme ein Zinslimit festlegst.
Schlussfazit: Fremdfinanzierte Aktien-ETFs boostern deine Eigenkapitalrendite bei steigenden Kursen. Ein Spiel mit dem Feuer wird ein Lombardkredit für dich dann, wenn du keine regelbasierten Sicherheitsvorkehrungen getroffen hast – und deshalb in einen Margin Call taumelst.
2025-08-17: Margin Sätze für Lombardkredite der Anbieter DEGIRO, Interactive Brokers und Swissquote aktualisiert sowie die Sätze von Saxo Bank neu hinzugefügt.
2025-01-14: Margin-Sätze für Lombardkredite der Anbieter DEGIRO, Interactive Brokers und Swissquote aktualisiert.
2024-07-02: Margin-Sätze für Lombardkredite der Anbieter DEGIRO, Interactive Brokers und Swissquote aktualisiert.
Transparenzhinweis: Im Gegensatz zu Stefan hat Toni zum Zeitpunkt der Publikation dieses Artikels sein Portfolio mit einem Lombardkredit gehebelt, und zwar von Interactive Brokers. Zuvor haben beide erste Erfahrungen mit Lombardkrediten von DEGIRO gesammelt.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Risiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Mit diesem Beitrag wollen wir dir eine in der Schweiz noch relativ unbekannte, aber stark wachsende Anlageklasse näherbringen: Crowdlending, auch Peer-to-Peer (P2P) oder Marketplace Lending genannt. In diesem ersten Artikel erfährst du, was P2P-Kredite sind und wie sich der Schweizer Markt präsentiert. Dabei stützen wir uns auf den aktuellen Crowdfunding Monitor Switzerland 2019 der Hochschule Luzern.
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Crowdlendig ist eine von fünf Kategorien des Crowdfunding und vereint mit rund 262 Mio. Franken das grösste Kreditvolumen auf sich (vgl. Abbildung 1)

Das Crowdlending umfasst die Finanzierung von Unternehmen oder Privaten durch Kredite (Fremdkapital). Im Unterschied zur klassischen Kreditvergabe gibt es beim Crowdlendig keine dazwischengeschaltete Bank. Stattdessen erfolgt die Vermittlung der Kredite online über eine Plattform. Der Anbieter eines solchen Marktplatzes übernimmt gegen eine Gebühr in der Regel die Risikoeinschätzung des Kreditnehmers sowie das gesamte Inkassowesen, einschliesslich Zahlungserinnerungen, Mahnungen und Betreibungen.
Als Gegenleistung für die Kreditgewährung erhaltst du als Darlehensgeber Zinszahlungen, deren Höhe im Wesentlichen abhängig vom Bonitätsrisiko, von der Kreditdauer und der Kreditart ist. Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt das Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Akteuren im Crowdlendig-System vereinfacht auf.

Neben Privat- und KMU-Krediten werden in der Schweiz auch Hypotheken an Privatpersonen ohne eine dazwischengeschaltete Bank vergeben. Kredite an Privatpersonen werden auch als Consumer Crowdlending bezeichnet, solche an Unternehmen als Business Crowdlending. Für Kredite in Form von Hypotheken wird auch der Begriff Real Estate Crowdlending verwendet. So unterschiedlich diese Varianten im Detail sein mögen, über eine entscheidende und kosteneffiziente Eigenschaft verfügen sie alle: eine teure Bank als Intermediär entfällt.
Innerhalb der Kategorie Crowdlendig machen KMU-Kredite mit 134.4 Mio. Franken den Löwenanteil aus. Danach folgen die Immobilienkredite (70.5) sowie die Konsumkredite an Private (57) (vgl. Abbildung 3). Letztere sind im Verhältnis zum Gesamtmarkt der Konsumkredite mit 1,3% (2018) weiterhin marginal.

Mit dem Anbieter Cashare wurde in der Schweiz bereits 2008 die erste sogenannte P2P-Plattform gegründet. Per Ende 2018 präsentiert sich der Schweizer Markt mit insgesamt 15 aktiven Plattformen deutlich vielfältiger (vgl. Abbildung 4).
Die Plattformen fokussieren sich meist auf ein oder zwei Segmente von Crowdlending. Im Bereich des Business und Consumer Crowdlending gibt es auch Anbieter, die hypothekarisch besicherte Kredite anbieten. Die Business Crowdlending-Plattformen richten sich typischerweise an kleine bis mittelgrosse Unternehmen (KMU). Consumer Crowdlending Plattformen sind im Konsumkreditmarkt aktiv.
Die Wachstumsdynamik in Bezug auf die Anzahl neuer Plattformen hat sich deutlich reduziert. Im Jahr 2018 ist mit Funders nur noch eine neue Crowdlending-Plattform in den Schweizer Markt eingetreten.
Obschon erst 2015 gestartet, ist CreditGate24 punkto Kreditvolumen klar die grösste Crowdlending-Plattform (Stand 2019).

Die Gebühren im Crowdlending beziehen sich in der Regel auf die Höhe der Kreditsumme (vgl. Abbildung 5). Gebühren fallen oftmals auf Kreditgeber- und Kreditnehmerseite an. Zudem können diese je nach Plattform sowohl bei Abschluss als auch über die Zeit anfallen. Die Bandbreiten sind dementsprechend hoch und die Gebührenmodelle teilweise schwierig vergleichbar.

– P a r t n e r a n g e b o t –
Ein aktuell besonders attraktiver Broker ist gemäss unserer Erfahrung und aufgrund der niedrigen Kosten für ETFs «DEGIRO» (Link zum DEGIRO Review). Bei Interesse kannst du dich bei DEGIRO über unseren Partnerlink anmelden, womit du dir Trading Credits von 100 CHF (mit Bedingungen) sicherst und gleichzeitig unseren Blog unterstützt.
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Betrachtet man die Crowdfunding-Volumen pro Kopf im internationalen Vergleich, so gehört die Schweiz zu den relevanteren Märkten weltweit. Wie Abbildung 6 zeigt, liegt die Schweiz zwar mit Platz 7 (2017) weit hinter den Spitzenreitern USA und Grossbritannien zurück, aber überraschend deutlich vor unseren Nachbarn. Zu beachten ist, dass sich die Werte auf alle Kategorien des Crowdfundig (vgl. Abbildung 1), d.h. nicht nur auf das Crowdlendig beziehen.

In Anlehnung an den Crowdfunding Monitor 2019 lassen sich folgende Marktthesen für das Crowdlendig ableiten:
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Wenn du langfristig, selbstbestimmt und erfolgreich Vermögen aufbauen willst, führt kaum ein Weg daran vorbei: In ETFs investieren ist heute die cleverste Art der Geldanlage. Börsengehandelte Indexfonds ermöglichen dir mit einer einzigen Transaktion, kostengünstig und transparent in tausende Unternehmen weltweit anzulegen – ohne teuren Fondsmanager. Was hinter dem Kürzel steckt, warum ETFs die Geldanlage revolutioniert haben und weshalb auch du davon profitieren kannst, erfährst du in dieser 6. Lektion unseres Finanzleitfadens.
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Kurz & bündig
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ETF steht für Exchange Traded Fund – auf Deutsch: börsengehandelter Indexfonds. In diesen drei Worten steckt bereits das Wesentliche.
Indexfonds bedeutet: Ein ETF bildet einen bestimmten Börsenindex nach – etwa den MSCI World mit über 1’000 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Der ETF kauft die im Index enthaltenen Aktien und hält sie im selben Verhältnis. Steigt der Index um 2%, steigt auch der ETF um rund 2%. Fällt der Index, fällt der ETF. Kein Fondsmanager entscheidet, welche Aktien gekauft oder verkauft werden – das übernehmen die Indexregeln. Das macht ETFs passiv und unterscheidet sie grundlegend von klassischen Anlagefonds, bei denen ein Managementteam aktiv versucht, den Markt zu schlagen.
Börsengehandelt bedeutet: Du kannst einen ETF jederzeit während der Handelszeiten an der Börse kaufen und verkaufen – genau wie eine Einzelaktie. Im Gegensatz zu klassischen Fonds, die einmal pro Tag einen Kurs berechnen, siehst du bei einem ETF in Echtzeit, was er wert ist.
Und die Kosten? Weil kein Fondsmanager Aktien analysieren und auswählen muss, entfällt ein grosser Teil der Gebühren, die bei aktiv verwalteten Fonds anfallen. Die jährlichen Kosten (ausgedrückt als TER, Total Expense Ratio) liegen bei breit diversifizierten ETFs typischerweise zwischen 0,1% und 0,3% des investierten Kapitals – Tendenz weiter sinkend. Denn der intensive Wettbewerb unter den ETF-Anbietern sorgt dafür, dass die Gebühren buchstäblich erodieren. Was vor zehn Jahren noch 0,5% kostete, gibt es heute für einen Bruchteil. Zum Vergleich: Aktive Fonds verlangen oft das Fünf- bis Zehnfache – und das Jahr für Jahr. Besonders bitter: Die grosse Mehrheit dieser teuren Fonds schafft es nicht einmal, den Markt zu schlagen. Du zahlst also mehr und bekommst weniger.
Die Idee, den Markt nicht zu schlagen, sondern einfach abzubilden, ist älter als viele denken. 1975 gründete John «Jack» Bogle die Investmentgesellschaft Vanguard und lancierte kurz darauf den ersten Indexfonds für Privatanleger:innen – den «Vanguard 500 Index Fund». Die Idee war damals revolutionär und wurde von der Wall Street belächelt: Ein Fonds, der gar nicht erst versucht, den Markt zu übertreffen? Bogle behielt recht.
Es dauerte allerdings noch fast zwei Jahrzehnte, bis die Idee ihren nächsten Evolutionsschritt machte. Am 22. Januar 1993 brachte State Street Global Advisors den ersten börsengehandelten Indexfonds auf den Markt: den «SPDR S&P 500 ETF» (Börsenticker: SPY). Der «Spider», wie er umgangssprachlich genannt wird, bildet die 500 grössten börsenkotierten US-Unternehmen ab – und ist mit einem verwalteten Vermögen von rund 700 Milliarden US-Dollar heute der grösste ETF der Welt. Zum Vergleich: Bei seiner Lancierung waren es 6,5 Millionen.
Seit den 2000er-Jahren hat sich das Wachstum massiv beschleunigt. Weltweit stecken mittlerweile über 20 Billionen US-Dollar in ETFs – eine Zahl mit 13 Nullen. Der Trend ist kein Hype, sondern die logische Konsequenz einer überlegenen Produktinnovation.
Die Schweizer Börse SIX gehörte zu den ersten in Europa, die ein ETF-Segment einführten – das war im Jahr 2000. Seither ist das Angebot rasant gewachsen: 2026 sind über 2’000 ETFs an der SIX kotiert, verteilt auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien oder – seit einigen Jahren – Kryptowährungen. Zum Vergleich: 2018 waren es noch rund 1’300. Den Löwenanteil machen dabei Aktien-ETFs aus – rund zwei Drittel des gesamten Angebots.
Dominiert wird der Schweizer Markt von den Anbietern UBS und BlackRock (mit dem ETF-Label «iShares»). Global betrachtet sind BlackRock und Vanguard die unangefochtenen Marktführer.
Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Ein ETF bildet einen bestimmten Börsenindex möglichst exakt nach. Dafür kauft der ETF-Anbieter die im Index enthaltenen Aktien und hält sie im selben Verhältnis wie der Index. Steigt der Index, steigt der ETF. Fällt der Index, fällt der ETF. Kein Fondsmanager trifft aktive Entscheide – die Zusammensetzung wird allein durch die Indexregeln bestimmt.
Der zugrunde liegende Index ist das eigentliche Herzstück eines ETF. Indizes wie der MSCI World oder der FTSE All-World werden von spezialisierten, unabhängigen Anbietern berechnet – im Fall dieser beiden Beispiele von MSCI (Morgan Stanley Capital International) bzw. FTSE (Financial Times Stock Exchange). Strenge Regeln definieren, welche Unternehmen aufgenommen werden, wie sie gewichtet sind und wann die Zusammensetzung überprüft wird.
Für dich als Anleger:in bedeutet das: Die Wahl des Index bestimmt, in welche Länder, Regionen und Branchen du investierst – und damit einen grossen Teil deiner künftigen Rendite. Ob du den «richtigen» Index und ETF findest, schauen wir uns in Lektion 7 genauer an.
Wer zum ersten Mal einen ETF-Namen liest, fühlt sich leicht erschlagen. Nehmen wir ein Beispiel: «Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating». Das klingt sperrig, folgt aber einer klaren Logik:
Vanguard ist der Anbieter – also die Fondsgesellschaft, die den ETF herausgibt. FTSE All-World bezeichnet den zugrunde liegenden Index – in diesem Fall ein globaler Aktienindex mit über 4’000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. UCITS steht für «Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities» und besagt, dass der ETF den strengen europäischen Anlegerschutzrichtlinien unterliegt. Für dich heisst das: hohe Transparenz, Diversifikationsvorgaben und regulatorische Aufsicht. Praktisch alle in Europa handelbaren ETFs tragen dieses Kürzel. ETF – das kennst du jetzt. Und (USD) Accumulating? USD verrät die Fondswährung – also die Währung, in der das Fondsvermögen berechnet wird. «Accumulating» beschreibt, wie mit Dividenden umgegangen wird. Was diese Begriffe für dich konkret bedeuten, klären wir in Lektion 7.
Du musst dir diese Kürzel nicht merken. Aber wenn du sie einmal durchschaut hast, verliert jeder ETF-Name seinen Schrecken. In unserem Artikel ETF-Abkürzungen verstehen: 1C, UCITS, MSCI & Co. einfach erklärt findest du eine vollständige Übersicht aller gängigen Kürzel.
Ein Punkt, der gerade für Einsteiger:innen beruhigend ist: ETFs sind in der Schweiz rechtlich Sondervermögen (geregelt im KAG). Das bedeutet: Dein investiertes Geld wird getrennt vom Vermögen des ETF-Anbieters und der Depotbank verwahrt. Geht der Anbieter oder die Bank in Konkurs, bleibt dein ETF-Anteil in deinem Besitz.
Das gilt übrigens auch für deinen Broker: Deine ETF-Anteile werden als Wertpapiere separat verwahrt und gehören dir, nicht dem Broker – egal ob du über Swissquote, eine Kantonalbank oder einen ausländischen Anbieter kaufst. Selbst wenn dein Broker in finanzielle Schwierigkeiten gerät, sind deine Wertpapiere geschützt. Du müsstest sie lediglich zu einem anderen Broker übertragen. Bei Aktien-ETFs auf etablierte Indizes ist ein Totalverlust deines Investments daher praktisch ausgeschlossen.
Genug Theorie – jetzt wird es persönlich. Vor ETFs sah die Welt für Privatanleger:innen so aus: Du konntest dein Geld einem Fondsmanager anvertrauen, der hohe Gebühren kassierte und in der Mehrheit der Fälle schlechter abschnitt als der Markt. Oder du konntest selbst Einzelaktien kaufen – mit dem Risiko, dass eine falsche Wette dein halbes Depot zerlegt. Eine dritte Option gab es kaum.
ETFs haben dieses Spiel grundlegend verändert. Sie ermöglichen etwas, das vorher undenkbar war: In ETFs investieren heisst: Mit einer einzigen Transaktion und ohne Mindestbetrag an tausenden Unternehmen weltweit teilhaben – zu Kosten, die so tief sind, dass du sie kaum spürst.
Wie mächtig das ist, zeigt eine einfache Rechnung. Wer 100’000 CHF in einen aktiven Fonds mit 1,5% Gebühren pro Jahr investiert, verliert über 30 Jahre einen sechsstelligen Betrag an Rendite – durch den Zinseszinseffekt wächst der Schaden weit über die reinen Gebühren hinaus. Bei einem ETF mit 0,2% bleibt dieser Betrag in deinem Vermögen. Wir sagen es deshalb offen: Wer breit diversifiziert und langfristig anlegen will, findet kein besseres Instrument als einen ETF.
Doch es geht nicht nur ums Geld. ETFs bieten eine Kombination von Eigenschaften, die kein anderes Anlageprodukt in dieser Form vereint: volle Transparenz über die enthaltenen Titel, tägliche Handelbarkeit an der Börse, Anspruch auf Dividenden und – wie im vorherigen Kapitel beschrieben – den rechtlichen Schutz als Sondervermögen.

Und was bringt es konkret? Wer in den letzten Jahrzehnten breit in den globalen Aktienmarkt investiert hat, erzielte im Schnitt rund 8% Rendite pro Jahr. Das klingt unspektakulär – bis du den Zinseszinseffekt rechnest: Bei 8% verdoppelt sich dein Vermögen rund alle neun Jahre (Faustregel: 72 geteilt durch den Zinssatz). Aus 100’000 CHF werden in 30 Jahren über 1’000’000 CHF. Natürlich sind vergangene Renditen keine Garantie für die Zukunft. Aber die historische Evidenz über mehr als ein Jahrhundert ist eindrücklich.
Dass ETFs und das passive Investieren keine Idee von Aussenseitern ist, sondern eine Strategie, die selbst die erfolgreichsten aktiven Investoren empfehlen, zeigt eine bemerkenswerte Szene aus dem Jahr 2017. An der Jahresversammlung von Berkshire Hathaway – vor 40’000 Aktionär:innen – bat Warren Buffett den damals fast 88-jährigen Jack Bogle aufzustehen. Bogle, der Gründer von Vanguard und Erfinder des Indexfonds, sass im Publikum. Buffett sagte, niemand habe mehr für die amerikanischen Privatanleger getan als Bogle, und dessen Idee werde ihnen über die Zeit Hunderte von Milliarden Dollar sparen.
«Wenn je eine Statue für die Person errichtet wird, die am meisten für Anleger getan hat, ist Jack Bogle die eindeutige Wahl.»
Warren Buffett
Wenn also der wohl berühmteste aktive Investor der Welt seinen Anhänger:innen rät, auf das passive Pendant zu setzen – dann sagt das alles.
Stell dir vor, du gehst zu deinem Raiffeisen-Berater und sagst: «Ich möchte 100’000 CHF in einen einzigen globalen ETF investieren.» Die Wahrscheinlichkeit, dass er begeistert nickt, ist gering. Stattdessen wird er dir vermutlich einen hauseigenen Strategiefonds empfehlen – «Raiffeisen Futura» oder ähnlich –, dazu vielleicht eine Währungsabsicherung und ein regelmässiges Beratungsgespräch. All das klingt vernünftig, kostet dich aber schnell 1,5% oder mehr pro Jahr. Bei 100’000 CHF und 30 Jahren Anlagehorizont reden wir über einen Unterschied von mehreren zehntausend Franken gegenüber einer einfachen ETF-Lösung.
Das Gleiche gilt bei UBS, PostFinance oder deiner Kantonalbank. Das Geschäftsmodell dieser Institute basiert auf Gebühren für Beratung, Verwaltung und hauseigene Produkte. Ein ETF, der 0,2% kostet und keinen Berater braucht, passt schlicht nicht in dieses Modell. Das heisst nicht, dass dein Bankberater dir böswillig schadet – er empfiehlt, was in seinem Sortiment liegt. Aber sein Sortiment ist nicht in deinem Interesse zusammengestellt, sondern im Interesse der Bank.
Stefan hat es während seiner Ausbildung zum Finanzberater selbst erlebt: Strukturierte Produkte, Optionen, Strategiefonds und Lebensversicherungen wurden des Langen und Breiten behandelt – allesamt margenstarke Produkte. ETFs? Eine Randnotiz. Dass wir auf diesem Finanzblog ETFs in den Mittelpunkt stellen, hat einen einfachen Grund: Wir sind unabhängig
Besonders teuer wird es bei vermeintlichen Absicherungen: Währungsabsicherungen, Kapitalschutzprodukte oder «dynamische» Strategien, die bei Turbulenzen in Anleihen umschichten. Was auf den ersten Blick nach Sicherheit klingt, frisst bei einem langen Anlagehorizont vor allem Rendite. Bei diesen Produkten spürst du den Preis gleich doppelt – als geringere Rendite und als saftige Gebühr.
Die Faustregel ist deshalb unbequem, aber ehrlich:
«Der naheliegendste Weg – einfach zur Hausbank gehen und machen lassen – ist oft der teuerste.»
So überzeugend die Vorteile sind – wer ehrlich informieren will, muss auch die andere Seite zeigen. Relevante Nachteile gegenüber aktiven Fonds oder Einzelaktien sehen wir bei ETFs nicht. Aber es gibt Risiken und Eigenheiten, die du kennen solltest.
Das grösste Risiko trägst nicht du wegen des ETF, sondern wegen des Marktes. Wenn die globalen Aktienmärkte um 30% einbrechen, fällt dein ETF um 30% mit – denn er bildet den Markt ab, nicht mehr und nicht weniger. Der entscheidende Unterschied zur Einzelaktie: Ein Totalverlust ist bei einem breit diversifizierten ETF praktisch ausgeschlossen. Und die Erfahrung zeigt, dass sich Weltportfolios selbst nach heftigen Einbrüchen immer wieder erholt haben – wie wir in Lektion 1 anhand historischer Daten gezeigt haben.
Wer Einzelaktien besitzt, darf an der Generalversammlung mitbestimmen. Bei einem ETF entfällt das: Das Stimmrecht wird durch die Fondsgesellschaft wahrgenommen – also durch Anbieter wie BlackRock oder Vanguard. Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt an einer Generalversammlung teilgenommen? Für die allermeisten Privatanleger:innen ist das ein theoretischer Nachteil, der in der Praxis keine Rolle spielt.
Ein ETF auf den MSCI World wird nie die Rendite einer Tesla-Aktie im besten Jahr liefern. Dafür auch nie den Absturz einer Credit Suisse. ETFs sind das Gegenteil von Nervenkitzel – und das ist kein Bug, sondern ein Feature. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, braucht kein Adrenalin, sondern Disziplin und Geduld. Dass ETFs «langweilig» sind, ist vielleicht ihr grösster Vorteil.
Ein letzter Punkt, der Vollständigkeit halber: Bei sogenannten synthetischen ETFs – die einen Index nicht durch den Kauf der enthaltenen Aktien, sondern über ein Tauschgeschäft (Swap) abbilden – besteht ein Gegenparteirisiko. Ebenso bei ETFs, die Wertpapierleihe betreiben. In der Praxis sind diese Risiken regulatorisch eng begrenzt und abgesichert. Synthetische ETFs sind zudem stark rückläufig. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift einfach zu physisch replizierenden ETFs – was wir ohnehin empfehlen. Was genau «physisch replizierend» bedeutet, erfährst du in Lektion 7.
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ETFs haben die Geldanlage demokratisiert. Was früher institutionellen Investoren mit Millionenbudgets vorbehalten war – breit diversifiziert, kostengünstig und regelbasiert in die globalen Märkte investieren –, steht heute jeder und jedem offen. Mit einer einzigen Transaktion. Und es wird immer besser: Die Gebühren sinken laufend, das Angebot wächst stetig – in ETFs investieren ist heute so attraktiv wie nie zuvor.
Die Idee ist dabei so einfach wie wirkungsvoll: Statt einem teuren Fondsmanager zu vertrauen, der den Markt in der Mehrheit der Fälle ohnehin nicht schlägt, bildest du den Markt einfach ab. Du sparst Gebühren, vermeidest unnötige Risiken durch Einzeltitel und profitierst von der vollen Breite der globalen Wirtschaft. Dass selbst Warren Buffett – der wohl erfolgreichste Stockpicker aller Zeiten – genau diesen Weg für Privatanleger:innen empfiehlt, spricht für sich.
Natürlich tragen ETFs das Marktrisiko mit – aber das ist kein Argument gegen ETFs, sondern gegen unrealistische Renditeerwartungen. Wer die Grundlagen aus den bisherigen Lektionen verstanden hat – langfristig denken, breit streuen, Kosten tief halten –, für den sind ETFs das ideale Werkzeug, um diese Strategie in die Praxis umzusetzen.
Bleibt die entscheidende Frage: Welchen ETF sollst du kaufen? In Lektion 7 schauen wir genauer hin: Worauf du bei der Wahl achten solltest.
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-04-17: Artikel vollständig überarbeitet und aktualisiert.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel «In ETF investieren…» nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Melina ist eine leidenschaftliche Schweizer Finfluencerin. Manchen dürfte sie bereits aus den Sozialen Medien wie LinkedIn oder Instagram bekannt sein. Über diese Kanäle publiziert sie regelmässig Beiträge rund ums Thema Geld. Daneben hat sie sich auf Finanzcoachings für Frauen spezialisiert. Im Gespräch mit Stefan spricht Melina unter anderem über ihre ersten Gehversuche im Geldverdienen in ihrer Kindheit, wie aus ein paar Urlaubstagen in Panama vier prägende Arbeitsjahre wurden, worauf sie die den Frauen oft nachgesagte Risikoscheue zurückführt und wie die drohende Vorsorgelücke geschlossen werden könnte. Schliesslich gibt sie – für Frauen und Männer – ihre fünf wichtigsten Finanztipps preis.
Das ausführliche Interview mit Melina zum Thema „Frauen und Finanzen Schweiz“ ist in die folgenden drei Teile gegliedert:
Contents
Melina, du bist eine der wenigen Frauen, die sich nicht nur für Finanzthemen interessieren, sondern auch aktiv darüber sprechen. Wer bist du und wie kam es zu deiner Passion fürs Geld?
Ich bin 34 Jahre alt und lebe mit meinem Mann in der Region Zürich. Beruflich bin ich einerseits als Portfoliomanagerin bei einer kleineren Vermögensverwaltung tätig. Anderseits führe ich als Selbständige Finanz-Coachings für Frauen durch. Meiner Passion fürs Geld ging eine längere Entwicklung voraus.
Welche Schlüsselerlebnisse haben dich in finanzieller Hinsicht besonders geprägt?
Ein einschneidendes Erlebnis für mich war sicherlich die Scheidung meiner Eltern. Ich war damals erst acht Jahre alt. Wir lebten in einem Dorf in der Innerschweiz. Das traditionelle Rollenmodell, wonach die Mutter auf die Kinder schaute und der Vater das Geld verdiente, war das dominierende und auch das gesellschaftlich am besten akzeptierte.
Wie erlebtest du diese Zeit nach der Scheidung?
Es war eine harte Zeit, die von vielen materiellen Entbehrungen geprägt war. Meine Mutter musste sehr sparsam haushalten. Aber nicht nur das: Sie war auch gezwungen, nach Jahren ohne Erwerbstätigkeit von einem Tag auf den anderen einen Job zu suchen. Nur mit rigorosem Sparen und einem Zusatzverdienst kamen sie, meine Schwester und ich finanziell einigermassen über die Runden.
Und da wurde dir die finanzielle Abhängigkeit bewusst, in die deine Mutter sich begeben hatte?
Ja genau. Diese schmerzvolle Lektion für meine Mutter war auch prägend für mich. Ich lernte daraus, dich nie von einem Partner, vom Staat oder Arbeitgeber finanziell abhängig zu machen.
Welche anderen Ereignisse haben dein Wille nach finanzieller Unabhängigkeit gefestigt?
Als ich 18 war, zogen wir nach Zürich zum damaligen Freund und heutigen Mann meiner Mutter. Am Familientisch diskutierte mein Stiefvater oft und gerne über Wirtschaft und Finanzen. Mich inspirierten diese Gespräche sehr und so gewann ich mehr und mehr Interesse am Thema «Geld».

Wie hast du dein erstes Geld verdient?
Die ersten Franken habe ich bereits als Kind verdient. So habe ich beispielsweise Armbänder gebastelt und diese dann verkauft. Ein anderes Geschäftsmodell von mir war der Eiervertrieb. Und das ging so: Zuerst habe ich mich im Quartier erkundigt, wer frische Eier benötigt. Die bestellten Eier habe ich dann beim «Hühner-Nachbarn» gekauft, welcher mir jeweils eine Süssigkeit mit auf den Weg gab. Mein eigentlicher Lohn daraus bestand jedoch aus dem Münz, welches mir die Eierkäufer für meinen Service zusteckten.
Später als Teenager folgten dann einige Sommerjobs, wo ich beispielsweise im Geschäft meines Vaters mit einfachen Arbeiten ein paar Franken verdient habe.
Nach diesen ersten Gehversuchen im Geldverdienen: Wie entwickelten sich deine Cashflows weiter?
Klassisch mittels einer Lehre. Ich entschied mich für eine Banklehre bei der UBS. Von meiner Mutter vor die Wahl gestellt, einen Teil meines Lohnes abzugeben oder alles selber zu finanzieren, entschied ich mich für Letzteres.
Ein guter Deal?
Nein, in finanzieller Hinsicht war es ein schlechter Deal. Aber selbstbestimmt über meine Finanzen zu walten, war mir einfach wichtiger. Heute vor die Wahl gestellt, würde ich wieder genau gleich entscheiden.
Nach der Banklehre hast du ein Betriebswirtschaftsstudium an der ZHAW absolviert. Danach folgten verschiedene Auslandaufenthalte. Inwieweit hat deine Reisefreude deine Passion für Geldfragen beeinflusst?
Meine Einblicke in andere Kulturen und Wirtschafssysteme in Asien, Zentral- und Südamerika haben mein Mindset für Geldfragen stark beeinflusst. So wurde mir die finanzielle Misere vieler Frauen deutlich vor Augen geführt. Insbesondere, wenn Kinder im Spiel sind und die Väter keine Verantwortung übernehmen wollen, droht den Frauen in diesen Ländern der rasche Abstieg in die Armut.
Worin liegen deiner Meinung nach die Ursachen für diese Misere?
Das Hauptproblem sehe ich in der fehlenden Gleichstellung der Frauen sowie in der schlechten Bezahlung. Im Angestelltenverhältnis, z.B. als Bürogehilfe oder als Reinigungskraft, verdient man in diesen Ländern sehr wenig. Im Gegensatz zur Schweiz führt in Zentral- und Südamerika ein Leben in Wohlstand oft nur über eine selbständige Tätigkeit.
Du verbrachtest mehrere Jahre in Panama. Wie kam es dazu?
Eigentlich wollte ich dort nur einen Freund für einige Tage besuchen. Als ich bei seiner Arbeitsstelle, eine lokale Bank, auf ihn wartete, kam ein Berater zu mir und bot mir spontan einen Job in der Kundenberatung an. Ich nahm an – zu einem Monatslohn von 1’400 USD. Die darauffolgenden vier Jahre blieb ich als Bankangestellte in Panama, wenngleich ich meinen ersten Arbeitgeber nach neun Monaten wechselte.
Keine Frage, als frischgebackene Betriebsökonomin hättest du in der Schweiz ein Mehrfaches verdient. Aber kaufkraftbereinigt war es kein schlechter Lohn, oder?
Da die Preise in Panama verhältnismässig hoch sind, kam ich mehr schlecht als recht über die Runden. Aber ja, für panamaische Verhältnisse war es ein guter Lohn. Im Rückblick betrachtet, war die Zeit in Panama für mich vor allem eine wertvolle Lebensschule und weniger ein Karrierebooster.
Vor vier Jahren kehrtest du in die Schweiz zurück. Ein Kulturschock?
Ja, zumindest was gewisse Finanzthemen betrifft. So war es für mich anfänglich nicht einfach, den Durchblick über unser Versicherungssystem zu haben. Doch ich liess nicht locker und habe mich akribisch, ja geradezu wie ein Nerd in dieses Thema eingelesen, bis ich es verstand. Ich bin nicht der Typ, der sich gerne auf andere verlässt.
Fühlst du dich auch als Frau in der Schweiz manchmal diskriminiert?
Ja, ich erlebe eine gewisse Ungleichbehandlung auch in der Schweiz. Um nur ein Beispiel zu nennen: Mir wurden von einem früheren Arbeitgeber schlechtere Konditionen für mein berufsbegleitendes Studium angeboten, als zwei meiner männlichen Arbeitskollegen im gleichen Jahr erhalten haben. Erst dank der Intervention meines damaligen Chefs wurde diese Ungerechtigkeit korrigiert.
Wie regelst du persönlich deine Finanzen?
Ich verfolge einen ganzheitlichen Ansatz und richte mich dabei an die Vermögenspyramide. Diese besteht aus den folgenden vier, nacheinander zu durchlaufenden Stufen:
Und wie gehst du dabei konkret vor?
Zuerst habe ich ein Budget erstellt mit allen Einnahmen und Ausgaben. Darauf basierend habe ich dann die Sparbeträge festgelegt. Dabei verfolge ich das Prinzip «Zahle dich zuerst!». Das heisst, zuerst werden immer die Sparbeiträge investiert. Wenn es am Ende des Monats einmal knapp wird, schränke ich meinen Konsum ein und verzichte beispielsweise auf einen Restaurantbesuch.
Ist der konzeptionelle Teil erledigt, geht’s in die Umsetzung. Und da bin ich ein absoluter Fan von Effizienz.
Das heisst, du möchtest «im laufenden Betrieb» möglichst wenig Zeit für Finanzangelegenheiten aufwenden?
Ja genau. Die meisten Finanztransaktionen laufen bei mir komplett automatisiert ab.
Für welche Anbieter hast du dich bei deiner Finanzanlage entschieden?
Ich möchte vorausschicken, dass ich nicht an bestimmte Anbieter gebunden bin. Das heisst, es handelt sich nachfolgend um eine Momentaufnahme, die morgen wieder anders aussehen kann.
Bezüglich meiner Altersvorsorge 3a habe ich bei Viac zwei Konten mit 100% Aktienanteil eingerichtet. Darauf wird automatisch bzw. mittels zweier Daueraufträge monatlich je einen fixen Betrag überwiesen.
Und auch beim freien Wertschriftensparen habe ich einen möglichst einfachen Weg gewählt. Per Dauerauftrag zahle ich monatlich einen Fixbetrag auf ein Wertschriftendepot des Robo-Advisors Clevercircles ein.
Neben dem Investieren im Sparplanmodus verfüge ich zudem über ein Wertschriftendepot bei Swissquote mit einigen Aktien-ETFs und -Indexfonds. Darin investiere ich manuell und unregelmässig, je nach Marktlage.
Weshalb hast du dich für den Robo-Advisor Clevercircles entschieden?
Ausschlaggebend für den Entscheid für Clevercircles war damals das breite Spektrum an Anlageklassen. So bin ich dort neben Aktien, auch in Immobilien, Edelmetalle und Rohstoffe investiert. Zweiter Pluspunkt ist, dass Clevercircles eine Währungsabsicherung anbietet. Schliesslich hat mich die hohe Flexibilität beim Rebalancing angesprochen.
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Fürs Gottenkind hast du dich für einen anderen Robo-Advisor, nämlich Findependent, entschieden. Weshalb diese Wahl?
Bei Findependent war für mich der tiefe Mindestanlagewert ab 500 CHF und die super einfache Handhabung ausschlaggebend.
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Weshalb bist du bei Swissquote und nicht bei einem günstigen ausländischen Broker wie DEGIRO oder Interactive Brokers?
Bei Swissquote bin ich schon viele Jahre. Damals hatte ich mein Depot wegen der hohen Gebühren von einer Grossbank zur deutlich günstigeren Swissquote transferiert. Die Wahl eines Schweizer Brokers ist mir aus Sicherheitsüberlegungen wichtig.
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Könntest du deine Sicherheitsbedenken gegenüber ausländischen Brokern noch etwas genauer ausführen? Teilweise bieten diese ja eine grosszügigere Einlagesicherung an als CH-Anbieter.
Bestärkt in dieser Haltung haben mich meine Aufenthalte in Südamerika. Mir wurde da bewusst, wie wichtig das Domizil deiner Finanzanlage ist und wie schnell diese durch politisch instabile Verhältnisse in Gefahr kommen kann.
Die Nachwehen von Corona und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine führen global zu ökonomischen Verwerfungen, was sich aktuell auch in grösseren Kursverlusten an der Börse niederschlägt. Wie beeinflusst die aktuelle Weltlage dein Anlageverhalten?
An den monatlichen Sparplänen ändere ich überhaupt nichts. Bei einem kleinen Teil meiner Anlage verhalte ich mich opportunistisch und stocke meine Wertschriftenanlage bei Kursaussetzern auf. Solche antizyklischen Investments habe ich in den letzten Wochen einige gemacht.
Wie gehst du mit finanziellen Verlusten um?
Mittlerweile sehr gelassen. Aktuell sind bei mir viele Positionen durch die jüngste Korrektur an der Börse in die Verlustzone geraten. Ich bin aber überzeugt, dass langfristig und nicht zuletzt dank des Zinseszinseffekts eine positive Rendite resultieren wird.
Auf die Vorbereitung auf dieses Interview bin ich auf eine Aussage von dir gestossen, wonach du deine Finanzen von denjenigen deines Mannes trennst. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend?
Mein Mann und ich verfolgen in Finanzfragen die gleichen langfristigen Ziele. Darüber bin ich sehr froh, denn diesbezüglich stark unterschiedliche Ansichten können eine Beziehung belasten, ja bis zu deren Bruch führen. Bei der konkreten Umsetzung gibt es jedoch bei uns Unterschiede. Deshalb haben wir die Vermögensanlage voneinander separiert. Die laufenden Haushaltsausgaben finanzieren wir aber über ein Gemeinschaftskonto.
Vorsorge im Allgemeinen und der sogenannte «Gender Pension Gap» im Speziellen sind bevorzugte Themen von dir. Bitte erläutere, was damit gemeint ist?
Ja, sehr gerne. Ich muss da allerdings etwas ausholen. Denn Vorsorge fängt bei mir bei der Geburt an und geht über den eigenen Tod hinaus. Das Vorsorgethema reduziert sich also nicht nur auf die Altersvorsorge in Form unseres Dreisäulenmodells, sondern beinhaltet die gesamte Finanzplanung. Je nach Lebenssituation, in welcher sich ein Mensch befindet, rücken unterschiedliche Vorsorgethemen in den Fokus.
Mit dem «Gender Pension Gap» ist die Vorsorgelücke der Frauen gegenüber den Männern gemeint.
Du schreibst in einem aktuellen Beitrag auf LinkedIn, dass diese Vorsorgelücke im Alter rund 37% zuungunsten der Frauen betrage. Welche Rahmenbedingungen müssten deines Erachtens geändert werden, um mittelfristig diese Lücke zu schliessen?
Diese Vorsorgelücke hat vor allem kulturelle und strukturelle Ursachen. Dementsprechend sollten wir bei der Problemlösung dort ansetzen.
Gehen wir zuerst auf die kulturellen Ursachen ein. Was meinst du damit?
Gemäss einer NZZ-Umfrage von 2020 gaben 38% der Befragten an, dass Frauen nach der Geburt zuhause bleiben sollten, da eine Erwerbstätigkeit dem Kind schadet. Bei diesem kulturellen Aspekt müsste ein Umdenken in der Gesellschaft sattfinden, z.B. durch Aufklärung.
Meine Beobachtung ist zudem, dass es einen Stadt-Land-Graben gibt. Während Städterinnen nach dem Mutterschaftsurlaub oft 70% oder mehr arbeiten, sind es bei Frauen auf dem Land tendenziell geringere Pensen.
Und wo siehst du strukturell Handlungsbedarf?
Das mangelnde Angebot an Kindertagesstätten sowie deren hohe Preise erachte ich in struktureller Hinsicht als Hauptproblem. Hier könnte ich mir vorstellen, dass bei der Kinderbetreuung – analog zu unserer Volkschule – der Staat ein ausreichendes Angebot sicherstellt.
Aber auch die Wirtschaft sollte umdenken und vermehrt bereit sein, auch hochqualifizierte Arbeit in Teilzeit anzubieten.
Die Vorsorgelücke, die du ansprichst, betrifft die Pensionskasse, also die 2. Säule. Wäre es angesichts des stetig sinkenden Rentenumwandlungssatzes nicht klüger, statt sich auf die staatliche Vorsorge zu verlassen, stärker auf freies Wertschriftensparen zu setzen?
Wie erwähnt, mein Ziel ist die finanzielle Unabhängigkeit. Das heisst im Pensionsalter möchte ich unabhängig von staatlichen Leistungen sein. Viele Leute können das aber nicht. Diese Menschen sind auf die AHV und die PK angewiesen. Und deshalb ist auch diese Vorsorgelücke von rund 37%, womit Frauen im Pensionsalter konfrontiert sind, von grosser gesellschaftlicher Relevanz. Diese Lücke bedeutet immerhin 20’000 CHF weniger Rente pro Jahr.
Verlassen wir die Altersvorsorge. In welche Anlageklassen investierst du und weshalb?
Cash halte ich für die Bezahlung laufender Rechnungen sowie für den Notgroschen. Bei meinen risikobehafteten Anlagen ist mir eine breite Diversifikation über mehrere Assetklassen wichtig. Aktuell bin ich in Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle und ganz wenig Krypto investiert.
Welche Anlageklassen meidest du und weshalb?
Im jetzigen Marktumfeld investiere ich nicht in Obligationen. Die diesbezüglichen Renditen sind mir zu gering.
In deiner Tätigkeit als Finanzcoach berätst du ja vorwiegend Frauen in Geldfragen. Welche Frauen kommen zu dir und welche Beweggründe haben sie?
Meistens coache ich Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahre. Ihre Motivation ist oft die Einsicht nach einer längeren Phase des Hinauszögerns, dass es nun höchste Zeit ist, sich ernsthaft mit den eigenen Finanzen auseinandersetzen. Oft möchte die Frau auch einfach wissen, wie ihre finanzielle Situation oder jene der Familie aussieht und sicherstellen, dass sie / die Familie genügend abgesichert ist.
Manchmal ist der Auslöser auch konkreter Natur wie beispielsweise die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, ein bevorstehender Jobwechsel mit neuer Pensionskasse oder eine Sendung über Finanzthemen wie beispielsweise die SRF-Dokuserie «Frauen und Geld».
Welche Themen stehen bei deinen Kundinnen im Fokus?
Grundsätzlich basieren meine Coachings auf einem ganzheitlichen Ansatz. Die Altersvorsorge ist aber oft das Thema, das meine Kundinnen zu Beginn aktiv einbringen. Zudem wollen sie – wie ich – ein möglichst einfaches bzw. effizientes Handling ihrer Finanzen.
Welches Vorwissen bringen sie mit?
Ihr Vorwissen in Finanzfragen ist eher gering. Dies zeigt sich auch daran, dass Cash in den meisten Fällen ihre grösste Vermögensposition ist.
Apropos hohe Cashbestände: Wie beurteilst du die den Frauen oft nachgesagte Risikoscheue beim Investieren?
Ja, es dürfte zutreffen, dass eine ausgeprägte Risikoscheue dem Naturell vieler Frauen entspricht. Von meinen Coachings weiss ich aber auch, dass Frauen durchaus in der Lage sind, risikospezifische Sachverhalte bei der Geldanlage zu verstehen. Es muss ihnen dies einfach jemanden verständlich erklären.
Und wie gehst du vor, um die Risikoscheue bei deinen Kundinnen abzubauen?
In einem ersten Schritt ist es wichtig, das eigene Risikoprofil zu kennen. Ich arbeite zudem gerne mit Grafiken, um die Funktionsweise der Börse und der unterschiedlichen Anlageklassen zu veranschaulichen. Es hilft die an sich etwas trockene Materie besser zu verstehen. Von meinen Kundinnen erhalte ich das Feedback, dass die Charts sehr hilfreich für das Verständnis sind.
Begegnest du auch Frauen, welche grundsätzlich gegen die Anlageklasse «Aktien» sind?
Ja, das gibt es durchaus. Wenn ich aber den Unterschied zwischen Sparen und Investieren grafisch aufzeige, ändern viele meiner Kundinnen ihre anfänglich kritische Haltung gegenüber Aktien. Sie verstehen dann besser, dass langfristig Aktien besser rentieren und Schwankungen, auch wenn sie kurzfristig stark ausfallen können, zu dieser Anlageklasse einfach dazugehören. Da der Grossteil meiner Kundinnen langfristig investiert, bleiben sie dann bei kurzfristigen Korrekturphasen auch ruhig.
Welche Feedbacks erhältst du von deinen Klientinnen? Gibt es auch Beschwerden, wenn sie nach Börsentauchern Verluste einfahren?
Nein, bisher glücklicherweise nicht. Im Gegenteil: Die Frauen zeigen grosse Dankbarkeit und streichen positiv heraus, wie erleichtert sie sind, endlich mit meiner Unterstützung die eigenen Finanzen geregelt zu haben. Für mich persönlich ist das sehr erfüllend.
Neben reinen Frauenevents nimmst du auch regelmässig an gemischtgeschlechtlichen Finanzanlässen teil. Welche Unterschiede inhaltlicher, aber vor allem auch atmosphärischer Natur stellst du dabei fest?
Bei Frauenevents herrscht jeweils eine super Stimmung. Erst kürzlich habe ich beispielsweise einen Workshop mit Frauen durchgeführt. Es gab viele Fragen, was zu tollen Interaktionen führte. Allgemein erlebe ich den Umgang unter Frauen als sehr unkompliziert. Sie geben sich Tipps, tauschen sich aus und vernetzen sich sehr einfach.
Gemischte Finanzanlässe bestehen in der Regel aus über 80% Männern. Dabei dominieren meist ernste Businessthemen.
Die meisten Finanzblogs sprechen eher Männer an. Schweizerfinanzblog.ch ist da keine Ausnahme. Was machen wir falsch?
(Lacht.) Diese Frage müssten wohl besser die Leute ausserhalb unserer Finfluencer-Bubble beantworten.
Lass’ mich vorausschicken, dass ich eure Artikel sehr gut verständlich finde. Ich denke aber, dass manche Frauen noch etwas mehr Story «drumherum» wünschten, d.h. die Einbettung des Finanzthemas in einen lebensnahen, alltäglichen Kontext. Zudem fokussiert euer und andere Finanzblogs stark auf das Thema «Investieren». Gemäss meinen Erfahrungen bevorzugen jedoch viele Frauen einen ganzheitlichen «Vorsorge»-Ansatz, der über das Geldanlegen hinausgeht.
Welches sind deine wichtigsten Finanztipps, welche du unsere Community zum Abschluss dieses Interviews noch auf den Weg geben möchtest?
Da könnte ich dir zahlreiche aufzählen. Aber die für mich wichtigsten Tipps sind die folgenden fünf:
Das Wichtigste für mich ist die Erkenntnis, dass Finanzen, ob wir wollen oder nicht, uns das ganze Leben beschäftigen. Wir können die Regelung unserer Finanzen nicht an den Staat, den Arbeitgeber oder den Partner delegieren. Stattdessen müssen wir unsere Finanzen selber in die Hand nehmen. Und besonders an die Frauen gerichtet: Wir können nicht warten, bis sich alle kulturellen und strukturellen Rahmenbedingungen verbessert haben. Denn dies dauert zu lange.
Um die erforderlichen Kompetenzen in Geldfragen aufzubauen und zu erhalten sollte sich jede und jeder regelmässig mit den eigenen Finanzen beschäftigen. Am besten eingebettet in den Tagesablauf. Ich selber höre mir wöchentlich mehrere Podcasts zu den Themen Wirtschaft und Finanzen an. Ständige Stimulierung fördert das Finanzverständnis. Zudem rate ich jeder und jedem über Geld zu reden. Auch dies fördert das Verständnis. Ich bin überzeugt, dass sich das Interesse in Geldfragen bei jedem Menschen entwickeln kann. Man muss sich nur damit auseinandersetzen. Wir planen so viel, Wochenenden, Ausflüge, Ferien etc. Aber viele regeln ihre Finanzen nicht, was sich früher oder später schmerzhaft rächen wird.
Es ist für mich ein absolutes Muss, vor einer Jobzusage die entsprechende Pensionskassen-Lösung des potenziellen Arbeitgebers zu analysieren. Nur so kann ich mir ein Gesamtbild und eine Entscheidungsgrundlage verschaffen, ob für mich der Job in Frage kommt oder nicht. Insofern kann jede und jeder Einfluss auf seine Pensionskasse nehmen. Mir scheint, dass Stellensuchende zu stark auf das Salär fokussiert sind, wenn es um den monetären Bestandteil geht. Wir sollten die Pensionskasse ebenfalls als Salärbestandteil betrachten und ihr ein höheres Gewicht beimessen. Eine gute Pensionskassen-Lösung ist schliesslich ein riesiger Hebel für die spätere Altersrente. Und nicht nur das: Es geht auch um die Risikoabdeckung bei Tod und Invalidität durch Unfall oder Krankheit. Ein aktuelles Beispiel dazu sind Arbeitsausfälle infolge von Long-Covid.
Jede Reduktion des Arbeitspensums sollte bezüglich der langfristigen finanziellen Auswirkungen genau abgeklärt werden. Ziel ist es, auch für den Worstcase wie Scheidung (wenn Kinder im Spiel sind) oder Todesfall des Partners gut gewappnet zu sein. Dabei gilt es zu vermeiden, von Dritten finanziell abhängig zu werden. Mein Rat: Bleibt zumindest mit einem Bein im Erwerbsleben.
Geldanlegen muss wirklich nicht kompliziert sein. Wichtig ist, dass man zeitnah beginnt und so möglichst lange vom Zinseszinseffekt profitieren kann. Für alle, die sich mit manuellen Trades an der Börse schwertun, gibt es heutzutage Robo-Advisors. Einfach einen Sparplan mittels eines Dauerauftrags einrichten und Monat für Monat automatisiert investieren. Einfacher geht’s nimmer!
Herzlichen Dank Melina für die interessanten Einblicke.
(Das Gespräch fand am 6. Juli 2022 im Restaurant Roots in Zürich statt. Das erste Mal begegneten sich Melina und Stefan einige Wochen zuvor am SIX BörsenTalk Flagship Event, wo sie beide an der Finfluencers Paneldiskussion teilnahmen. Wir berichteten über diesen Anlass hier.)
Dein Portfolio steht, deine Vermögensaufteilung ist festgelegt – und dann machen die Märkte, was sie wollen. Kurse steigen, fallen, verschieben sich. Plötzlich passt dein Portfolio nicht mehr zu deinem Risikoprofil. Muss das sein? Nicht unbedingt. Wie du mit wenig Aufwand dein Vermögen wieder ins Lot bringst – und wann du dir das komplett sparen kannst –, erfährst du in dieser 5. Lektion unseres Finanzleitfadens.
< Lektion 4 | Überblick | Lektion 6 >
Kurz & bündig
Contents
In der letzten Lektion hast du erfahren, wie du dein Vermögen in einen risikoreichen und einen risikoarmen Teil aufteilen kannst. Damit steht das Fundament deines Portfolios. Doch die Märkte halten sich nicht an deine Planung: Kurse steigen und fallen, und mit ihnen verschieben sich die Gewichtungen. Rebalancing bedeutet, die ursprüngliche Aufteilung wiederherzustellen.
Ein Beispiel: Du hast 100’000 CHF angelegt – 75% risikoreich, 25% risikoarm.

Nun brechen die Aktienmärkte um 30% ein. Dein risikoreicher Teil fällt von 75’000 auf 52’500 CHF, die 25’000 CHF auf dem Sparkonto bleiben unverändert. Dein Gesamtvermögen beträgt neu 77’500 CHF – und der risikoarme Anteil liegt plötzlich bei 32% statt 25%. Dein Portfolio ist deutlich konservativer, als du es geplant hast.

Um wieder auf 75/25 zu kommen, müsstest du rund 5’600 CHF vom Sparkonto in den risikoreichen Teil umschichten – ausgerechnet nach einem Crash, wenn das Bauchgefühl dagegen spricht. Genau das ist Rebalancing: eine nüchterne, regelbasierte Korrektur, die dein Portfolio wieder an dein Risikoprofil angleicht.
Doch bevor du jetzt einen Rebalancing-Kalender anlegst: Nicht jedes Portfolio braucht diese Korrektur. Wer einen einzigen globalen ETF hält und den risikoarmen Teil als fixen Frankenbetrag definiert – z.B. 25’000 CHF auf dem Sparkonto, exklusive Notgroschen –, hat schlicht nichts zu rebalancen. Der ETF wird intern vom Anbieter laufend angepasst. Und ein fester Betrag verschiebt sich nicht, egal was die Märkte machen. Beim selben Crash bleiben deine 25’000 CHF, wo sie sind. Dein risikoreicher Teil ist kleiner geworden, aber dein Risikoprofil hat sich nicht verändert. Kein Handlungsbedarf.
Relevant wird Rebalancing also dann, wenn der risikoarme Teil als Prozentsatz definiert ist (wie im Beispiel oben) oder wenn das Portfolio aus mehreren ETFs besteht, etwa in einem Core-Satellite-Ansatz. In beiden Fällen driften die Gewichtungen mit der Zeit auseinander – und du musst aktiv nachjustieren. Wie das pragmatisch und kostengünstig geht, schauen wir uns jetzt an.
Zwei Fragen stellen sich: Wann sollst du rebalancen? Und wie?
In der Theorie gibt es zwei Ansätze: kalenderbasiert und schwellenbasiert. Beim kalenderbasierten Ansatz prüfst du dein Portfolio in festen Intervallen – etwa einmal pro Jahr. Beim schwellenbasierten Ansatz handelst du erst, wenn eine Abweichung einen bestimmten Wert überschreitet, z.B. 5 Prozentpunkte.
In der Praxis lässt sich beides kombinieren: Du prüfst dein Portfolio ein- bis zweimal im Jahr – und greifst nur ein, wenn die Abweichung gross genug ist. Das reicht. Rebalancing ist kein Tagesgeschäft, sondern eine gelegentliche Stellschraube.
Grundsätzlich gibt es drei Methoden, um dein Portfolio wieder an die Zielgewichtung anzugleichen:
Wer jede Position frankengenau ausgleicht, zahlt unnötig hohe Transaktionsgebühren – gerade bei kleineren Beträgen. Konzentrier dich auf die grössten Abweichungen. Stimmt die übergeordnete Aufteilung zwischen risikoreichem und risikoarmem Teil wieder, kannst du kleinere Ungleichgewichte innerhalb des risikoreichen Teils getrost ignorieren. Beim nächsten Spareinschuss richtest du sie einfach wieder aus. Als Faustregel: Weicht eine Position um mehr als 5 Prozentpunkte von ihrer Zielgewichtung ab, ist ein Eingriff angezeigt. Darunter lohnt sich der Aufwand in den meisten Fällen nicht.
Wie das konkret aussieht, zeigt folgende Grafik.

Das bisher Beschriebene bezieht sich auf die Ansparphase – also die Zeit, in der du dein Vermögen aufbaust. Doch auch wer im Ruhestand Vermögen entnimmt, kann rebalancen. Das Prinzip dreht sich einfach um: Statt neue Einzahlungen gezielt zu lenken, verkaufst du zuerst Positionen, die über ihrer Zielgewichtung liegen. So bringst du mit jeder Entnahme dein Portfolio näher an die Zielgewichtung – ohne zusätzliche Transaktionen.
Falls du einen Teil deines Vermögens in der 3. Säule hältst: Hier ist Rebalancing in der Regel automatisiert. Du hinterlegst einmalig dein Risikoprofil, und der Anbieter übernimmt die Nachjustierung für dich – oft bereits in den Verwaltungsgebühren enthalten. Um das Rebalancing deines freien Vermögens musst du dich trotzdem selbst kümmern.
Rebalancing hat für Privatanleger:innen in der Schweiz grundsätzlich keine steuerlichen Konsequenzen. Kapitalgewinne auf dem Privatvermögen sind steuerfrei. Einzige Ausnahme: Wer derart häufig und in grossem Umfang handelt, dass die Steuerbehörde einen gewerbsmässigen Wertschriftenhandel vermutet, muss Gewinne als Einkommen versteuern. Bei ein bis zwei Rebalancing-Transaktionen pro Jahr ist das kein Thema.
Das Hauptziel von Rebalancing ist klar: Dein Portfolio soll wieder zu deinem Risikoprofil passen. Doch es gibt einen angenehmen Nebeneffekt, der in der Fachliteratur als Rebalancing-Bonus bekannt ist.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Beim Rebalancing kaufst du systematisch Anlagen nach, die gefallen sind, und reduzierst solche, die gestiegen sind. Du handelst also antizyklisch – und genau dieses Verhalten kann langfristig eine kleine Mehrrendite erzeugen. Verschiedene Studien beziffern diesen Effekt auf rund 0,1 bis 0,5 Prozentpunkte pro Jahr.
Der Rebalancing-Bonus ist kein Naturgesetz. Er funktioniert am besten, wenn Kurse nach Ausschlägen wieder zum Mittelwert zurückkehren – die sogenannte Regression zum Mittelwert. In Phasen mit langanhaltenden Trends kann Rebalancing dagegen bremsen, weil du Gewinner zu früh verkaufst. Kein Geringerer als Charlie Munger, langjähriger Partner von Warren Buffett, lehnte Rebalancing aus genau diesem Grund dezidiert ab: Wer Gewinner systematisch stutze, bremse das Wachstum seines Portfolios.
Hinzu kommen die Transaktionskosten. Wer bei einer teuren Hausbank rebalancen muss, frisst den Bonus schnell wieder auf. Der Rebalancing-Bonus lohnt sich daher nur mit einem kostengünstigen Online-Broker, bei dem die Gebühren pro Transaktion tief sind.
Deshalb: Sieh den Bonus als willkommenes Extra, nicht als Garantie.
«Das eigentliche Argument fürs Rebalancing ist nicht die Mehrrendite – sondern die Risikokontrolle.»
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Rebalancing ist kein drittes grosses Anlage-Prinzip neben Diversifikation und Asset Allocation – sondern die Wartung, die dafür sorgt, dass dein Portfolio auch nach Marktschwankungen zu deinem Risikoprofil passt.
Wer es einfach hält – ein globaler ETF und ein fixer Frankenbetrag auf dem Sparkonto –, braucht sich darum nicht zu kümmern. Für alle anderen gilt: Ein- bis zweimal im Jahr prüfen, bei grösseren Abweichungen nachjustieren, am besten über neue Einzahlungen statt über Verkäufe. Perfektion ist dabei fehl am Platz – solange die übergeordnete Aufteilung stimmt, kannst du kleinere Ungleichgewichte getrost ignorieren.
In Lektion 6 schauen wir uns das Anlagevehikel genauer an, das in diesem Leitfaden immer wieder auftaucht: den ETF. Was steckt dahinter – und warum sprechen wir von einer Revolution der privaten Geldanlage?
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-04-14: Artikel vollständig überarbeitet und aktualisiert.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über das Rebalancing nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.
Warum wirft die eine Vermögensanlage eine attraktive Rendite ab, während eine andere kaum die Inflation schlägt? Die Antwort steckt im magischen Dreieck der Geldanlage – und in einem Zielkonflikt, dem niemand entkommt. Welche drei Faktoren bei deinem Vermögensaufbau entscheidend sind, wie sie zusammenspielen und welche Ziele du gleichzeitig erreichen kannst – und welche nicht – erfährst du in dieser zweiten Lektion unseres Finanzleitfadens.
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Kurz & bündig
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Das magische Dreieck der Geldanlage bezeichnet die drei untereinander konkurrierenden Ziele der Vermögensanlage: Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit. Die Abbildung unten symbolisiert diese Ziele durch die Eckpunkte eines Dreiecks.

Die Rendite beschreibt den Ertrag einer Investition und ist für viele Anleger:innen der wichtigste Ausgangspunkt. Typische Ertragsquellen sind Dividenden, Zinszahlungen oder Kursgewinne.
Je höher die angestrebte Rendite, desto grösser sind in der Regel die eingegangenen Risiken – eine dauerhaft hohe Rendite ohne entsprechende Schwankungen gibt es nicht. Genau hier beginnt der Zielkonflikt im magischen Dreieck der Geldanlage.
Für den langfristigen Vermögensaufbau ist entscheidend, dass Erträge möglichst wiederangelegt werden. Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass das Vermögen über die Zeit exponentiell wachsen kann.
Wichtig ist zudem die Rendite nach Kosten, Steuern und Inflation: Gebühren und Teuerung können den realen Ertrag deutlich schmälern. Gerade bei langfristigen Anlagen lohnt es sich daher, auf kostengünstige und effiziente Produkte zu achten – etwa breit diversifizierte ETFs, die eine ganze Anlageklasse wie Aktien abbilden und dabei wenig kosten. Welche dabei besonders überzeugen, zeigt unser Artikel Beste ETFs Schweiz und global.
Die Verfügbarkeit – oft auch Liquidität genannt – beschreibt, wie schnell eine Anlage wieder in Bargeld oder Bankguthaben umgewandelt werden kann. Je kürzer dieser Zeitraum ist, desto liquider ist die Anlage.
Dabei spielen nicht nur die Zeit, sondern auch die Kosten der Umwandlung eine Rolle. Verkaufsgebühren, Spreads oder allfällige Strafkosten können den tatsächlich verfügbaren Betrag reduzieren.
Die Liquidität hängt stark von der Anlageklasse ab: Börsengehandelte Wertpapiere wie ETFs oder Aktien lassen sich börsentäglich veräussern, während Immobilien oder private Beteiligungen deutlich weniger flexibel sind.
Im Kontext des magischen Dreiecks zeigt sich: Eine hohe Verfügbarkeit geht oft zulasten der Rendite oder Sicherheit. Wer schnell auf sein Geld zugreifen möchte, muss in der Regel Abstriche bei einem der anderen beiden Faktoren in Kauf nehmen.
Mit der Sicherheit ist der Erhalt des investierten Vermögens gemeint. Sie beschreibt, wie stark eine Anlage Schwankungen unterliegt und wie hoch das Risiko eines dauerhaften Verlusts ist.
Ein wichtiger Faktor zur Erhöhung der Sicherheit ist die Diversifikation. Durch die Streuung über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen können Risiken reduziert werden.
Gleichzeitig gilt: Absolute Sicherheit gibt es bei renditeorientierten Anlagen nicht. Selbst breit diversifizierte Portfolios unterliegen kurzfristigen Schwankungen.
Im magischen Dreieck der Geldanlage steht Sicherheit im Spannungsfeld zu Rendite und Verfügbarkeit. Höhere Sicherheit geht häufig mit tieferen Renditeerwartungen oder eingeschränkter Flexibilität einher.
Das magische Dreieck der Geldanlage macht deutlich, dass sich alle drei Ziele – Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit – nicht gleichzeitig maximieren lassen. Wer zwei davon in den Vordergrund stellt, muss beim dritten zwangsläufig Abstriche in Kauf nehmen. Diese Grundregel gilt unabhängig von der Anlageklasse oder dem Marktumfeld.
Konkret stehen dir drei Varianten zur Auswahl:

Aktien stehen exemplarisch für diese Kombination. Sie können langfristig eine attraktive Rendite erzielen und sind während der Börsenhandelszeiten jederzeit veräusserbar. Gleichzeitig unterliegen sie zum Teil erheblichen Kursschwankungen – temporäre Wertverluste von 30% oder mehr sind historisch keine Seltenheit.
Die Sicherheit hängt dabei stark davon ab, wie breit das Investment gestreut ist. Wer auf Einzelaktien setzt, riskiert im Extremfall einen Totalverlust – etwa wenn ein Unternehmen in Konkurs geht. Bei einem global diversifizierten Aktienfonds – etwa einem ETF auf den Weltaktienmarkt – ist ein Totalverlust hingegen praktisch ausgeschlossen, da Tausende von Unternehmen gleichzeitig wertlos werden müssten. Diversifikation reduziert das Risiko also erheblich – sie hebt den Zielkonflikt im magischen Dreieck aber nicht auf.
Ebenfalls in diese Kategorie fallen Rohstoffe wie Öl, Getreide oder Edelmetalle – wobei Gold eher als Wertspeicher und Inflationsschutz gilt denn als klassische Renditeanlage – sowie Immobilienaktien und REITs (börsengehandelte Immobilienfonds). Besonders spekulativ sind Kryptowährungen, die zu den volatilsten Anlageklassen überhaupt zählen.
Ebenfalls renditestark, aber mit deutlichem Ausfallrisiko: P2P-Crowdlending: Anleger:innen verleihen Geld direkt an Privatpersonen oder Unternehmen und erhalten dafür höhere Zinsen als auf dem Sparkonto. Die Renditeerwartungen sind attraktiv, aber das Kreditausfallrisiko ist real – die Einlagensicherung greift hier nicht. Mehr dazu in unserem Artikel Crowdlending: P2P Schweiz im Höhenflug.

Das klassische Bankkonto kombiniert maximale Flexibilität mit hoher Sicherheit: Guthaben bis 100’000 CHF pro Person und Bank sind in der Schweiz durch die Einlagensicherung geschützt, und das Geld ist jederzeit verfügbar. Weil die Bank das Kapital aber nicht längerfristig einplanen kann, fällt die Verzinsung entsprechend tief aus. Im aktuellen Zinsumfeld reicht die Rendite kaum aus, um die Inflation auszugleichen – der reale Wert des Kapitals bleibt damit bestenfalls erhalten oder sinkt sogar schleichend.
Wer also auf maximale Sicherheit und Verfügbarkeit setzt, geht damit ein anderes Risiko ein: schleichender Kaufkraftverlust und der Verzicht auf reales Vermögenswachstum.

Typisch für diese Kombination sind Anlageformen, bei denen das Kapital für eine feste Laufzeit gebunden wird – im Gegenzug winkt ein höherer Zins als auf dem klassischen Bankkonto, der zumindest einen realen Werterhalt ermöglichen kann.
Kassenobligationen sind festverzinsliche Wertpapiere, die von Banken ausgegeben werden. Anleger:innen leihen der Bank ihr Kapital für eine definierte Laufzeit – in der Regel zwischen zwei und zehn Jahren – und erhalten dafür regelmässige Zinszahlungen. Da die Bank mit dem Kapital planbarer wirtschaften kann, vergütet sie dies mit einem Zinsaufschlag gegenüber dem Spar- oder Privatkonto. Bis 100’000 CHF pro Person und Bank greift zudem die Einlagensicherung.
Ähnlich funktioniert das Festgeld: Auch hier wird ein Betrag für eine vereinbarte Laufzeit angelegt und zu einem festen Zinssatz verzinst. Der wesentliche Unterschied zur Kassenobligation liegt darin, dass Festgeld kein Wertpapier ist – es handelt sich um eine reine Bankeinlage, die ebenfalls von der Einlagensicherung profitiert.
Der gemeinsame Preis beider Anlageformen ist die eingeschränkte Verfügbarkeit: Wer vorzeitig auf sein Geld zugreifen möchte, ist auf Kulanzlösungen der Bank angewiesen oder muss mit Einbussen rechnen.
Hinweis: Im aktuellen Tiefzinsumfeld fallen auch die Zinsen auf Kassenobligationen und Festgeld bescheiden aus. Ein Anbietervergleich lohnt sich dennoch, da die Konditionen je nach Bank spürbar variieren können.
Wie dein persönliches magisches Dreieck aussieht, ist keine abstrakte Frage – es hängt direkt von deinem individuellen Risikoprofil ab. Dieses setzt sich aus deiner Risikobereitschaft und deiner Risikofähigkeit zusammen.
Das beschreibt deine Risikobereitschaft – also deine psychologische Einstellung gegenüber Schwankungen und möglichen Verlusten. Wer ruhig schläft, auch wenn das Portfolio vorübergehend 20% an Wert verliert, hat eine hohe Risikobereitschaft. Wer hingegen bei jedem Kursrückgang in Panik gerät, sollte konservativer anlegen – unabhängig davon, was rechnerisch möglich wäre. Die Risikobereitschaft ist subjektiver Natur und wird unter anderem durch Erfahrungen, Persönlichkeit und Finanzbildung geprägt.
Das beschreibt deine Risikofähigkeit – also deine objektive, finanzielle Situation. Sie hängt davon ab, wie viel Kapital du zur Verfügung hast, welche Verpflichtungen du trägst und wann du das investierte Geld voraussichtlich benötigst. Wer hohe fixe Ausgaben hat oder in absehbarer Zeit auf das Kapital angewiesen ist, hat schlicht weniger Spielraum für Risiko – unabhängig von der persönlichen Einstellung.
Beide Faktoren zusammen bestimmen, welches der drei Ziele im magischen Dreieck für dich Priorität haben sollte.
Ein Beispiel: Wer in den nächsten zwei bis drei Jahren eine grössere Ausgabe plant – etwa den Kauf eines Eigenheims – sollte sein Vermögen primär auf hohe Verfügbarkeit und Sicherheit ausrichten. Selbst wer grundsätzlich risikofreudig ist und Kursschwankungen gelassen begegnet, wäre in dieser Situation schlecht beraten, risikoreich zu investieren. Die Risikofähigkeit – hier reduziert durch den kurzen Anlagehorizont – setzt eine klare Grenze, die die Risikobereitschaft überstimmt.
Kurz gesagt: Risikobereitschaft beschreibt, was du willst – Risikofähigkeit beschreibt, was du dir leisten kannst. Für eine solide Anlagestrategie müssen beide im Einklang stehen.
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Der Traum einer hochrentablen, jederzeit verfügbaren und gleichzeitig 100% sicheren Anlage ist ausgeträumt. Leider. Wie in anderen Lebensbereichen kommen wir auch bei der Geldanlage nicht um Kompromisse herum.
Welche Kombination die richtige ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab: von deiner Risikobereitschaft und deiner Risikofähigkeit – die auch deinen Anlagehorizont einschliesst. Es gibt keine universell beste Antwort – nur die für dich passende.
In Lektion 3 schauen wir genauer hin: Wie lässt sich durch eine kluge Diversifikation das Rendite-Risiko-Verhältnis optimieren – und was bedeutet das konkret für dein Portfolio?
Einen Gesamtüberblick über alle Lektionen findest du hier: Investieren lernen – in acht Lektionen.
2026-05-15: Text und Abbildungen punktuell angepasst.
2026-04-05: Text und Abbildungen vollständig überarbeitet.
Haftungsausschluss: Investieren birgt Verlustrisiken. Du musst selbst entscheiden, ob du diese Risiken tragen möchtest oder nicht.
Irrtum vorbehalten: Wir haben diesen Artikel über das magische Dreieck der Geldanlage nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unser Ziel ist es, dir als Privatanleger:in möglichst objektive und aussagekräftige Informationen rund ums Thema Finanzen zu liefern. Sollten uns dennoch Fehler unterlaufen sein, sind wichtige Aspekte vergessen gegangen und/oder nicht mehr aktuell, so sind wir dir für entsprechende Hinweise dankbar.